Welt-Alzheimertag: Alter geht uns alle an!

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Die Speerspitze im Kampf gegen das Vergessen im Alter: BRK-Pflegedienstleiterin Christa Unterreiner, Bereichsleiterin Evi Ksoll und die Beauftragte für das Qualitätsmanagement in der Pflege des Roten Kreuzes, Margit Schaller (von links).

Bad Reichenhall - BRK-Pfelgedienstleiterin Christa Unterreiner berichtet von ihren Erfahrungen und zeigt Strategien für betroffene Familien auf. 

Seit 1994 finden am 21. September in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen. Weltweit sind mittlerweile etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, bis 2050 wird die Zahl voraussichtlich auf 115 Millionen ansteigen. Der Kampf gegen das Vergessen wird immer mehr eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Anlässlich des Welt-Alzheimertags berichtet BRK-Pflegedienstleiterin Christa Unterreiner von ihren jahrzehntelangen Erfahrungen mit Demenzerkrankungen und zeigt Strategien für betroffene Familien auf. Sie setzt dabei ganz auf aktivierende Pflege. Mit der Tagespflege hat das Rote Kreuz bereits vor Jahren eine echte Alternative gegen die zunehmende Einsamkeit im Alter geschaffen und dem Vergessen den Kampf angesagt.

Demenzerkrankungen verändern nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das der Partner und Familienangehörigen. Der Zeitraum von den ersten Symptomen bis zur ärztlichen Diagnosestellung ist oft von großer Unsicherheit geprägt. Erst nach und nach wird die Krankheit in ihren vielfältigen Auswirkungen verstanden und angenommen. Mit fortschreitender Entwicklung wird in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens Hilfe notwendig. Oft sind Angehörige dabei mit der Betreuung ihrer Eltern überfordert, wobei es die Großfamilien, in denen die Senioren früher lebten, heute fast nicht mehr gibt, da die meisten Familienmitglieder berufstätig sind. „Meistens ist das größte Problem für die älteren Menschen, den Tag selbständig zu strukturieren und mit der Einsamkeit klarzukommen“, erklärt Unterreiner. Sie können oft einfache Aufgaben im Haushalt nicht mehr selbständig durchführen, da Kraft und Erinnerung nachlassen.

Desorientierte Menschen neigen dann sehr dazu, das Haus zu verlassen und in der Umgebung auf der Suche nach vermeintlich Vertrautem herumzuirren. Unterreiner: „Hier bietet die Tagespflege eine vernünftige Alternative, um den Senioren wieder einen Lebenssinn und eine Aufgabe zu vermitteln.“ Der Betreute Fahrdienst des Roten Kreuzes holt die Gäste am Morgen zu Hause ab und bringt sie am frühen Abend wieder zurück. Die Tagespflege des Roten Kreuzes ist aber kein Aufbewahrungsort für ältere Menschen, um tagsüber die Angehörigen zu entlasten. Bei gemeinsamen Aktivitäten wie Gedächtnistraining, handwerklichem Arbeiten oder Gymnastik werden die Besucher angeregt, ihre verbliebenen Fähigkeiten zu erhalten oder sogar wieder auszubauen. „Jeder Gast kann unter fachlicher Anleitung bei den täglichen Arbeiten mitmachen, wobei wir niemanden überfordern und auch immer auf den Gesundheitszustand Rücksicht nehmen“, erklärt Unterreiner. Eine Altentherapeutin, Altenpfleger, Pflegehelfer und Freiwillige betreuen, aktivieren und pflegen die Senioren dabei in einer wohnlichen Atmosphäre, wobei die Besucher in alle Aufgaben eng mit eingebunden werden. So stehen gemeinsame Einkaufsfahrten und ein wöchentlicher Besuch auf dem Grünmarkt auf dem Programm; die gekauften Lebensmittel werden dann auch zusammen zubereitet.

„Natürlich nimmt auch das Feiern von Festen einen großen Raum ein, da gerade hier Lebensfreude vermittelt wird und Erinnerungen wieder wach werden“, berichtet Unterreiner. Pro Monat gibt’s ein lustiges Nachmittagsstanzerl und Feste wie Weihnachten, Ostern oder Erntedank werden intensiv gemeinsam vorbereitet und gelebt. Derzeit bereiten sich Senioren und Pflegepersonal auf ein großes Herbstfest vor, das alljährlich für die Gäste und ihre Angehörigen stattfindet –Tischschmuck, Girlanden und Servietten stellen die Senioren unter Anleitung selbst her.

„Alter kann und soll man nicht verhindern, aber der Einsamkeit und dem Vergessen können wir vorbeugen, wobei Lernen nachweislich auch noch im hohen Alter möglich ist“, erklärt Unterreiner. Das Rote Kreuz bietet mit Pflege, Beratung und Erfahrungsaustausch, Fahrdienst, Essen auf Rädern und Hausnotruf umfassende Hilfe an, um Angehörige zu entlasten und den Menschen so lange wie möglich ein weitgehend selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Zusätzlich zur Tagespflege gibt es die „Vergiss-mein-nicht-Gruppe“, die sich alle zwei Wochen im Ainringer Rotkreuz-Haus trifft. Die Senioren erleben hier bei fröhlichem Kaffee-Plausch und schönen Beschäftigungen heitere Nachmittage in Geselligkeit. Sie werden von zu Hause abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Die Kosten übernehmen in der Regel die Krankenkassen.

„Ein großes Anliegen ist uns auch die Betreuung von Angehörigen, denn Demenzerkrankungen wirken sich auf das Leben der ganzen Familie und auch auf das gesellschaftliche Umfeld aus. Alter geht uns also alle an“, sagt Unterreiner. Pflegende Angehörige können sich jederzeit beim Roten Kreuz über verschiedene Hilfen und den richtigen Umgang mit Demenzkranken beraten lassen. Einmal im Monat findet ein mittlerweile sehr beliebter Angehörigen-Nachmittag statt. Fachkräfte schulen die Gruppe dabei gezielt und geben Ratschläge für die Probleme des Alltags.

Pressemitteilung Markus Leitner BRK-Presse

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