Freiwillig sozial = gut investierte Zeit

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Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Maltesern in Bad Reichenhall kann vieles sein – nur nicht einseitig: Auch das Erwärmen von Seniorenmenüs steht auf Tobias Werners Dienstplan.

Bad Reichenhall - Mit der Abschaffung des Zivildienstes beginnen die Sorgen der Malteser in Bad Reichenhall. Sie sind jetzt noch mehr auf Helfer im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres angewiesen.

Ab sofort oder für später bieten die Malteser wieder vielseitige Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des neuen Freiwilligendienstes an. Insgesamt acht Interessierte können in den sozialen Diensten für ältere und behinderte Menschen das Berufsleben im sozialen Bereich kennenlernen. Der Umgang mit hilfebedürftigen Menschen ist interessant und abwechslungsreich, erfordert aber Einfühlungsvermögen und ein gewisses Maß an Belastbarkeit. Interessenten sollten 19 Jahre alt sein, seit mindestens einem Jahr den Führerschein sowie ausreichend Fahrpraxis besitzen. In Einzelfällen ist auch ein Einsatz mit 18 Jahren oder einer Dauer unter einem Jahr möglich.

„Für junge Leute bis 27 Jahre hat sich das Freiwillige Soziale Jahr bei uns gut bewährt“, so Dienststellenleiter Michael Soldanski. Die Mitarbeiter im FSJ würden vor Ort auf die verschiedenen Tätigkeiten in Fahrdienst, Mahlzeitendienst, Hausnotruf und Hilfen im Alltag vorbereitet und ihre Arbeit in Gesprächen begleitet. Ein Taschengeld, Bildungsseminare von insgesamt fünf Wochen, Sozialleistungen und die Weiterzahlung des Kindergeldes unterscheiden das FSJ von einem unbezahlten Praktikum. Ein Einsatz im neu geschaffenen Freiwilligendienst ist ebenfalls möglich, sobald die Rahmenbedingungen geklärt sind.

Wer wegen des doppelten Abiturjahrgangs keinen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommt oder überfüllte Hörsäle meiden möchte, für den ist ein Freiwilliges Soziales Jahr eine besonders attraktive Alternative: Es zählt bei der Vergabe der Studienplätze als zwei Wartesemester und im Lebenslauf für viele Arbeitgeber als großer Pluspunkt.

Die für das FSJ vorgesehene Dauer von einem Jahr kann in Einzelfällen nach Rücksprache abgekürzt werden. Eine Dienstzeit von weniger als neun Monaten hält Soldanski allerdings nicht für sinnvoll: „Die jungen Leute brauchen Zeit für die Einarbeitung und müssen sich in den Arbeitsalltag und das Team eingewöhnen. Und für die Menschen, die täglich von uns befördert werden, zum Beispiel in eine Behindertenwerkstätte, ist ein ständiger Personalwechsel eine große Belastung. Sie müssen immer wieder neu Vertrauen aufbauen.“ Informationen bei Michael Soldanski unter Tel. 08651 / 3077 oder allgemein zum FSJ bei den Maltesern unter www.malteser.de.

Drei Beispiele:

Thomas Spranger ist einer von drei FSJlern, die zurzeit die sozialen Dienste der Malteser unterstützen. Meistens holt er morgens Kinder oder Erwachsene in einer festen Tour zuhause ab und bringt sie in eine Behinderteneinrichtung. Zurück in der Dienststelle bestückt er große Öfen mit Seniorenmenüs, die er anschließend den alten Menschen, die schon auf seinen Besuch warten, in die Wohnung bringt. Am Nachmittag stehen meist noch Patientenfahrten zu Ärzten oder zur Dialyse auf dem Dienstplan. „Auch wenn es ab und zu stressig ist, würde ich das FSJ uneingeschränkt empfehlen, weil die Arbeit Spaß macht“, erklärt Thomas, der später eine Ausbildung zum Rettungssanitäter machen möchte.

Sarah Berger, stellte nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung fest, dass sie „lieber in der sozialen Richtung arbeiten möchte“. Um sich einen ersten Einblick zu verschaffen und für den weiteren Berufsweg ein Praktikum nachweisen zu können, entschied sie sich für ein FSJ. Auch nach fünf Monaten bereut sie ihre Entscheidung nicht. „Ich habe gelernt, wie ich auch schwierige Situationen meistern kann“, sagt die 24-Jährige. Der Austausch mit anderen FSJlern im Rahmen der Seminare ist für sie besonders wichtig und hilfreich.

Tobias Werner, 22 Jahre, begann sein FSJ Anfang Oktober, um die Wartezeit bis zum Studium zu überbrücken. Er entschied sich für die Malteser, weil er im Fahrdienst arbeiten wollte, findet aber auch den Einsatz in den anderen Diensten interessant. „Der Umgang mit den Hilfsbedürftigen ist eine wichtige Erfahrung, die ich nicht missen will“, resümiert er.

Hintergrundinformationen:

Ein Freiwilliges Soziales Jahr dauert in der Regel zwölf Monate und kann von jungen Menschen im Alter von 16 bis 27 Jahren absolviert werden. Diese bekommen ein monatliches Taschengeld sowie einen Wohn- und Verpflegungszuschuss, wenn die Dienststelle keine Unterkunft und Verpflegung stellt. Das Kindergeld wird weiter gezahlt. Der Arbeitgeber übernimmt alle Sozialversicherungsbeiträge und muss 26 Urlaubstage und 25 Seminartage gewährleisten. In den fünf Wochenseminaren geht es neben der konkreten Vorbereitung auf die Tätigkeiten in der Einsatzstelle auch um Fragen der persönlichen und beruflichen Lebensgestaltung sowie politische, gesellschaftliche und religiöse Themen. Der Austausch mit FSJlern aus anderen Einsatzstellen und die gemeinsame Freizeitgestaltung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Pressemeldung Malteser Hilfsdienst

 

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