Farbraumkörper und Kissenbilder

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Eine Woche lang versuchte Gotthard Graubner die Studenten an der Kunstakademie Bad Reichenhall für die Malerei zu sensibilisieren.

Bad Reichenhall – Wie kaum ein anderer deutscher Gegenwartskünstler hat sich Gotthard Graubner in seinen ungegenständlichen Bildern mit dem Medium Farbe auseinandergesetzt.

Unabhängig vom Gegenstand oder einer thematischen Einbindung lässt er sie ein völliges Eigenleben entfalten.

Für sechs Tage ist der 80-Jährige erstmals als Dozent an die Kunstakademie Bad Reichenhall gekommen. Nicht, um seine Studenten in ihrer Arbeitsweise umzukrempeln, sondern um sie zu sensibilisieren, wie er selbst betonte.

„Nicht alles, was mit einem Pinsel gemalt wird, hat mit Malerei zu tun“, sagt Gotthard Graubner. „Pauschalrezepte“ gäbe es bei ihm nicht, schließlich habe er selbst 60 Jahre gebraucht, um künstlerisch dahin zu kommen, wo er heute ist.

Akademiedirektor Rupert Fegg (Mitte) mit Gotthard Graubner (r.) und dessen Assistenten Martin Streit (l.) im großen Atelierraum.

Graubner wurde 1930 in Erlbach im Vogtland geboren. Von 1947-48 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, danach bis 1952 an der Kunstakademie in Dresden. Nach der Übersiedelung in den Westen setzte er sein Kunststudium an der Akademie in Düsseldorf fort. Seit 1962 schafft Graubner abstrakte Gemälde, die in die dritte Dimension vorstoßen. Aus zahllosen Schichten und Lasuren bauen sich seine pulsierenden Bilder auf, die er selbst als malerische Organismen betrachtet. Farbe weitet sich vom zweidimensionalen Grund zum Farbraum. Es entstehen fein differenzierte Farblandschaften, die Farbe und Raum in Gedanken, Begriff und Erscheinung zugleich anschaulich werden lassen.

Die Entwicklung von Graubners Werken führt, ausgehend vom zweidimensionalen Farbraum, über Farbkörper („Kissenbilder“) und sogenannte „Nebelräume“ bis hin zu der von ihm eingeführten Bildgattung der „Farbraumkörper“.

1968 war Gotthard Graubner zum ersten Mal an der "documenta" in Kassel zu sehen und vertrat 1971 die Bundesrepublik Deutschland auf der Biennale in Sao Paulo. Das Schloss Bellevue, der Amtssitz des Bundespräsidenten, schmücken seit 1988 zwei seiner großen Gemälde. Außerdem ist einer seiner Farbraumkörper in den Protokoll- und Sitzungsräumen des Bundestages zu sehen.

Vier Jahre hat sich Akademiedirektor Rupert Fegg gedulden müssen, dass Gotthard Graubner den Weg nach Reichenhall findet. Aber auf so einen international angesehenen Künstler habe er gerne gewartet, gibt er zu. „Ich schätze nicht nur Graubners Werk, ich schätze ihn auch als Menschen. Er ist unverwechselbar, gradlinig und lässt sich nicht verbiegen.“

Unterstützt wird Gotthard Graubner die „Meisterwoche“ über von seinem ehemaligen Schüler Martin Streit, von dem er selbst sagt: „Der ist gut“. Dabei geht dem Künstler ein Lob sonst nicht so schnell über die Lippen. „Ich kann nicht zu allen sagen, sie sind gut.“ Schließlich sollen die Leute bei ihm was lernen.

Kunstakademie Bad Reichenhall

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