Erstes EuRegio-Sicherheitssymposium in Bad Reichenhall

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Bad Reichenhall - Rund 150 Führungskräfte der Einsatzorganisationen aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein sowie dem Land Salzburg waren auf dem ersten EuRegio-Sicherheitssymposium vertreten.

Am 16. Oktober fand das Symposium im Landratsamt Berchtesgadener Land statt und stellte mit vier hochkarätigen Referenten eine reichhaltige Fachveranstaltung dar. EuRegio-Präsident Landrat Georg Grabner unterstrich in seiner Begrüßung, dass das Gebiet der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land – Traunstein in vielerlei Hinsicht von Sicherheitsfragen betroffen sei, denn mit den sechs Bahnachsen, die vom Salzburger Hauptbahnhof ausgehen, mit den drei Autobahnen sowie mit dem Salzburger Flughafen sind potenzielle Gefahrenherde für Katastrophen- bzw. Großschadensereignisse in der Luft, auf der Straße oder auf der Schiene vorhanden. „Es gibt ein Grundrecht und ein Grundbedürfnis der Bevölkerung in Sachen Sicherheit. Daher ist der Erfahrungsaustausch in diesen Fragen äußerst wichtig, um selbst gewappnet zu sein.“, so Grabner. Unter dem zahlreich erschienen Fachpublikum konnte Grabner auch den Polizeipräsidenten für Oberbayern Süd, Franz Mayer, Salzburgs Sicherheitsdirektor Franz Ruf, den Salzburger Landesrettungskommandanten Anton Holzer, den stellvertretenden Feuerwehrkommandanten aus Salzburg, Herrmann Kobler, Kreisbrandrat Rudi Zeif sowie Karl Traunspurger von der Regierung von Oberbayern willkommen heißen. Wer hat schon umfassende Kenntnisse und Erfahrungen, wenn es zum Beispiel bei Schadensereignissen auf der Straße oder auf der Schiene neben Personen- und Sachschäden auch noch zum Austritt gefährlicher Stoffe oder Gase kommt? Wer macht sich schon Vorstellungen von Katastrophen wie dem Flugzeugabsturz am Bodensee oder dem Transrapid-Unglück im Emsland? „Wir wollen es nicht herausfordern, aber wir wollen, dass unsere Führungskräfte auch auf solche Eventualitäten vorbereitet sind, die organisatorischen Herausforderungen kennen gelernt haben und besondere Gefahrenmomente besser abschätzen können. Dies kann dann etwa auch wieder in die eigenen Übungen mit einfließen und dort trainiert werden.“, umschrieben Bernhard Rausch von der Sicherheitsdirektion Salzburg und Thomas Kirchleitner von der Polizeiinspektion Traunstein, beide leiten gemeinsam die EuRegio-Facharbeitsgruppe Sicherheit, die Zielsetzungen des ersten EuRegio-Sicherheitssymposiums. Herbert Plöderl von der Rail Cargo Austria legte zu Beginn die rechtlichen Bedingungen und Sicherheitsvorschriften für den Transport gefährlicher Güter, wie etwa Mineralöl und Chemikalien, auf der Schiene dar. Dabei wurde deutlich, dass der Gefahrguttransport auf der Schiene nicht so scharf geregelt ist, wie auf der Straße. Auch werden die Vorgaben von den unterschiedlichen Verkehrsunternehmen in Europa unterschiedlich angewandt und ausgelegt, was den Kontrollaufwand deutlich erhöht. Immer schwieriger gestaltet sich aber auch das Umfeld der Kontrollen. Während es früher das Gesamtsystem „Eisenbahn“ gab, zumeist verkörpert in der nationalen Bahngesellschaft, so hat man es heute mit einem liberalisierten Markt zu tun, in dem sich viele Verkehrsunternehmen tummeln, sowie mit zersplitterten Bahnorganisationen, in denen die Zuständigkeiten etwa für die Infrastruktur und den Betrieb in einzelne Gesellschaften aufgeteilt sind. Walter Niederbauer, Leiter der Werksfeuerwehr der Wacker Chemie AG in Burghausen, beschrieb in seinem Vortrag das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem TUIS der deutschen chemischen Industrie, dem mittlerweise schon 150 Firmen angehören. TUIS leistet bei Unfällen mit chemischen Produkten schnelle und sachgerechte Hilfe. Anhand von drei Einsatzbeispielen umriss Niederbauer die Kompetenz, unbürokratische Hilfe und Erfahrung der Fachleute aus der chemischen Industrie. Ob beim Rangierunfall im Münchener Bahnhof, einem LKW mit defekten Transportbehältern auf der Autobahn München-Salzburg oder einem entgleisten Güterzug zwischen Freilassing und Salzburg, TUIS konnte jedes Mal schnell und effizient Hilfe leisten bzw. auch die Unklarheiten aus dem Weg räumen, die sich etwa bei der Klassifizierung der Ladung ergeben können. Oft sind da nämlich die Angaben in den Frachtbegleitpapieren, auf den Verpackungen und auf den Fahrzeugen sehr unterschiedlich. „Und bei der Chemie kann schon ein Buchstabe einen sehr wesentlichen Unterschied ausmachen“, so Niederbauer. In den beiden anschließenden Vorträgen wurden zwei Großschadensereignisse in Deutschland aufgearbeitet, nämlich der Flugzeugzusammenstoß am Bodensee im Juli 2002 und das Transrapid-Unglück im Emsland im September 2006. Sowohl Leitender Polizeidirektor Karl-Heinz Brüggemann, Einsatzführer der Polizei beim Transrapid-Unglück, als auch Polizeidirektor Bernd Hummel, Leiter der Sonderkommission Flug beim Flugzeugunglück, schilderten minutiös und für die Zuhörer äußerst spannend die Abläufe von der Alarmierung bis zur Rekonstruktion der Unglücke. Ihr Hauptaugenmerk lag dabei auch auf den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Angehörigenbetreuung. „Eine gute und klare Organisation in diesen beiden Bereichen ist ganz entscheidend für eine erfolgreiche Einsatzabwicklung.“, lautete denn auch ihre Empfehlung für die Führungskräfte der Einsatzorganisationen in der EuRegio. Große Bedeutung kommt aber auch der Betreuung der Einsatzkräfte sowie dem Einsatz des Betreuungspersonals, zum Beispiel aus den Kriseninterventionsteams, zu, gerade dann, wenn es um die Bergung und Identifizierung von Leichen gehe. Hier sind die Führungskräfte besonders gefordert, um psychische Belastungen und Grenzsituationen zu erkennen und die betroffenen Kräfte rechtzeitig und konsequent aus dem Einsatz heraus zu nehmen bzw. die Betreuung bedarfsgerecht einzusetzen. Beide Referenten verstanden es perfekt, die Zuhörerschaft über mehrere Stunden hinweg zu fesseln, indem sie offen und ehrlich alle Facetten ihrer Einsätze aufzeigten, eine Fülle von praxisrelevanten Beispielen brachten und ihre Vorträge mit aktuellen Beiträgen wie etwa Nachrichtensendungen kurzweilig hielten. Moderator Fritz Braun vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd und EuRegio-Geschäftsführer Steffen Rubach schlossen das 1. EuRegio-Sicherheitssymposium mit der Erkenntnis, dass alle Teilnehmer grenz- und organisationsübergreifend nun einen wichtigen gemeinsamen Erfahrungsschatz besäßen, der eine ausgezeichnete Grundlage für zukünftige, auch gemeinsame, Einsätze darstelle. Der Erfolg der Veranstaltung bestärkte auch die Facharbeitsgruppe Sicherheit in der Zielsetzung, dass ein weiteres derartiges Symposium folgen soll. Für das leibliche Wohl der Zuhörerschaft sorgten bei der ganztägigen Veranstaltung die Küche des Österreichischen Roten Kreuzes Salzburg mit Kaffee, Gebäck und einer ausgezeichneten Würstelbrotzeit zu Mittag sowie der Landkreis Berchtesgadener Land mit den Getränken.

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser