Digitaler Lawinen-Suchhund ausgezeichnet

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(v.l.) Wolfgang Inninger (Leiter Fraunhofer in Prien) und Gerd Waizmann (Geschäftsführer proTime)

Berchtesgadener Land - Unter den Gewinnern des Regionalpreises Bayern 2009 sind heuer auch Berchtesgadener. Dieses Mal wurde ein sogenannter digitaler Lawinen-Suchhund ausgezeichnet.

Die Initiative Satellitennavigation Berchtesgadener Land, das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) und die proTime GmbH, sind mit dem Regionalpreis Bayern der European Satellite Navigation Competition 2009 ausgezeichent worden. Das Team entwickelt ein neuartiges Ortungssystem, das Signale des zukünftigen europäischen Satellitensystems "Galileo" nutzt, um Lawinen-Opfer, die einen Lawinenpiepser oder ein Handy bei sich tragen, auf wenige Zentimeter genau zu orten. Das System wird im kommenden Winter in der Berchtesgadener GALILEO-Testumgebung erprobt werden.

Der erste Schnee ist heuer schon gefallen. Ski- und Snowboardfahrer sowie Tourengeher freuen sich auf die kommende Saison. Für viele liegt der besondere Reiz im unberührten, wenig befahrenen Terrain abseits der regulären Piste. Das wird manchem zum Verhängnis. Denn dort ist die Gefahr höher von einer Lawine erfasst zu werden. Aber Verschüttete haben nur eine Überlebenschance, wenn ihre genaue Position unter den Schneemassen schnell bestimmt werden kann. Werden sie nicht in der ersten halben Stunde nach dem Unfall geborgen, nehmen die Überlebens-Chancen rapide ab.

Die besten Aussichten auf Rettung bestehen, wenn unversehrte Kameraden sofort nach dem Opfer suchen. Allerdings müssen sie dazu mit "Lawinenpiepsern" ausgerüstet sein. "Die Erfahrungen von Bergwacht, Flugrettung und Polizei zeigen jedoch, dass Lawinenpiepser oft nicht mitgeführt werden", sagt Wolfgang Inninger vom IML. "Ein Handy hat hingegen fast jeder mit dabei. Deshalb wollen wir unser automatisches Ortungssystem, das auf Grundlage des künftigen europäischen Satellitennavigationssystem Galileo arbeitet, verbessern".

Der Lawinenrettungsnavigator wird um einige Komponenten erweitert: die Handyortung und ein Verfahren das auf Basis ortsabhängiger Messungen die Position des Verschütteten ermittelt. Die Lawinenretter messen ausgehend von der ungefähren Lage des Verschütteten an bis zu fünf Referenzpunkten die Feldstärke des Signals von Handy oder Lawinenpiepser. Mit einem Algorithmus lässt sich dann hochgenau berechnen, wo der Ursprung des Signals und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit der Verschüttete liegt. Denn in dieser Situation ist nicht die absolute Position in Bezug auf die Weltkoordinaten relevant, die auch Messungenauigkeiten beinhalten können, sondern die Position in Bezug auf den Ausgangspunkt der Rettungsmannschaft. So können die Retter ortsabhängig Abstand, Richtung und Tiefe bestimmen, die der Verschüttete von ihnen entfernt ist. Die Arbeiten für die Ortung von Lawinenopfern, die nur ein Handy bei sich tragen, sind gerade angelaufen. Um auch diese Signale unter dem Schnee ausfindig zu machen, muss nicht nur die Empfangsantenne des Systems angepasst werden. Denn die sonst übliche Ortung über Funkzellen funktioniert bei Handys nicht. Deswegen loten die Projektpartner verschiedene Kniffe und Tricks aus, um auch ein Handy als Funksender hochgenau orten zu können.

Wenn eine Ortungsgenauigkeit von unter einem Meter erreicht wird, kann das helfen Menschenleben retten. Zudem wäre es bei Mehrfachverschüttungen möglich, die Verschüttungstiefe aller Opfer im Vorfeld zu ermitteln. Damit können die Rettungskräfte sofort nach einer optimalen Rettungsstrategie bergen. Oscar der Satellitennavigation Im Ideenwettbewerb European Satellite Navigation Competition 2009 werden europaweit Einreichungen aus 18 Regionen für unterschiedliche Preiskategorien bewertet. Aus den über 100 Einreichungen in der Region Bayern ist die Idee des "innovativen Lawinenrettungsnavigators" mit dem 1. Platz ausgezeichnet worden. Wolfgang Inninger vom IML und Gerd Waizmann von der proTime GmbH nahmen den Preis in der Form eines kleinen Metallsatelliten auf einem Ständer entgegen.

Zur Entwicklung des Systems nutzen die Forscher die "Galileo Test und Entwicklungsumgebung" GATE in Berchtesgaden: Sendeantennen auf sechs Berggipfeln simulieren dort die Galileo-Signale. Diese Signale wollen die Partner mit bereits verfügbaren Satelliten-Navigationssystemen wie dem amerikanischen GPS kombinieren und zusätzlich mit Signalen zur Fehlerabschätzung und -korrektur verrechnen. Das Projekt wurde von einem Konsortium regionaler Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen sowie Anwendern der Initiative Satellitennavigation Berchtesgadener Land initiiert und zurzeit umgesetzt. Gefördert wird das Projekt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Pressemeldung Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land

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