„Diese Bewerbung ist ein Desaster“

Berchtesgadener Land - Nach Ansicht des Kreisvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen entwickelt sich die Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 immer mehr zu einem Debakel.

Auf einer Kreisvorstandssitzung bemerkte Kreisvorsitzender Franz Eder, dass nahezu jeden Tag neue Negativschlagzeilen produziert würden. Hatte sich zuletzt im Landkreis die Debatte um die Olympiabewerbung vor allem darum gedreht, ob und wenn ja welche finanziellen Risiken mit der Durchführung der Olympischen Winterspiele verbunden wären, so sei aktuell das Sportstättenkonzept Gegenstand der medialen Berichterstattung. Eder erinnerte daran, dass die Grünen von Anfang an Kritik am Sportstättenkonzept geübt hätten. Doch von den Olympiabefürwortern im Landkreis sei diese Kritik immer wieder zurückgewiesen worden. Nun zeige sich aber, dass diese Kritik voll und ganz berechtigt gewesen sei.

Die Kreis-Grünen hätten seit Beginn der Bewerbung darauf verwiesen, dass ein Verzicht auf bestehende Sportanlagen wie das Biathlonleistungszentrum in Ruhpolding völlig abwegig sei. Dass stattdessen zunächst in Garmisch-Partenkirchen und später in Oberammergau sogenannte „temporäre“ Sportstätten für Biathlon und Langlauf hätten errichtet werden sollen, sei aus ökologischen Gründen untragbar. Wenn wertvolle Bauernwiesen wegen 14 Tagen Wettkampf zerstört oder stark beeinträchtigt würden, könne nicht von einem ökologisch ausgewogenen Konzept gesprochen werden. Gerade mit dem Argument ökologischer Spiele hätten die Olympiabefürworter aber immer wieder die Bewerbung begründet.

Auch dass der Wettkampfort Garmisch-Partenkirchen durch die dort geplanten Sportstätten und sonstigen Infrastrukturmaßnahmen wie olympisches Dorf und Medienzentrum enormen Belastungen ausgesetzt wäre, sei von den Kreis-Grünen immer wieder eingewandt worden. Genau diese schweren Beeinträchtigungen würden von einem Großteil der Grundbesitzer in Garmisch-Partenkirchen offenbar ähnlich bewertet. Und deshalb tue sich die Bewerbergesellschaft schwer damit, die notwendigen Nutzungsverträge für die benötigten Grundstücke abzuschließen.

Angesichts der Negativschlagzeilen bezweifelt Eder, dass sich die aktuelle Olympiabewerbung positiv auf die Tourismuswirtschaft im Landkreis auswirkt. Die „immerwährenden“ Olympiabewerbungen des Berchtesgadener Landes würden auch immer mit angeblich positiven Effekten auf den Tourismus im Berchtesgadener Land begründet. Er könne nicht sehen, dass diese Bewerbung einen solchen positiven Effekt habe, so Eder abschließend.

Grünen-Kreisvorstandsmitglied Edwin Hertlein sprang seinem „Chef“ bei. „Diese Bewerbung ist ein Desaster“, so Hertlein wörtlich. Die Grünen im Berchtesgadener Land hätten in den letzten drei Jahrzehnten ja schon einige „weniger professionelle“ Bewerbungen zu Olympischen Winterspielen unter Einbeziehung des Landkreises erlebt. Anscheinend habe die derzeitige Bewerbergesellschaft aber den Ehrgeiz, „das noch zu toppen“. Dass fleißig geplant werde, ohne die Grundbesitzer ausreichend in diese Planungen einzubeziehen, sei offenbar eines der Hauptmerkmale dieser Bewerbung. „Das kenne ich auch aus Projekten in Teisendorf“, so Hertlein in Anspielung auf die Debatte um ein geplantes Containerterminal in der Marktgemeinde.

Das zweite Hauptmerkmal sei eine „konzeptionelle Planlosigkeit ersten Ranges“. Hertlein fassungslos: „Die Biathlon- und Langlaufwettbewerbe zuerst in Garmisch, dann in Oberammergau, jetzt in Schwaiganger, welcher Ort wird als nächstes ins Rennen geschickt?“ Bemerkenswert sei auch die plötzliche Aufgabe des Standortes Oberammergau, nachdem die notwendigen Unterschriften zur Einleitung eines Bürgerbegehrens zusammen gewesen wäre. Die Olympiabefürworter behaupteten ja ständig, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung die Olympiabewerbung unterstütze. Wenn dies der Fall wäre, hätten sich die Olympiabefürworter nicht vor dem Bürgerentscheid in Oberammergau fürchten müssen. Wie überhaupt Olympia und Demokratie aus Sicht der Olympiabefürworter offenbar nur schwer zu vereinbaren wären. Wie anders sei sonst ein Hinweis in der offiziellen Broschüre zum sogenannten Mini Bid Book zu werten, nachdem „die Bewerbung auf keiner Ebene durch Wahlen beeinflusst werde“.

Pressemitteilung Grüne BGL

Rubriklistenbild: © dpa

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