Advent im Oktober: Nervt Sie das?

Rosenheim - „Ja, ist denn heut‘ schon Weihnachten?“, fragte einst Franz Beckenbauer in der Werbung. Beim Blick in die Geschäfte passt der Satz wunderbar. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem verfrühten Fest? *Video: Meinungsumfrage*

Es ist Mitte Oktober, und schon marschieren mit Macht die Weihnachtsmänner aus Schokolade auf. Sie stehen neben Lebkuchen und Vanillekipferl, bewachen Zimtsterne und Marzipankartoffeln. Viele Kunden sagen, so früh im Jahr sähen sie die weihnachtlichen Leckereien gar nicht gern – und kaufen sie dann doch.

Ältere Menschen erinnern sich gut an die aufregende und geheimnisvolle Zeit vor Weihnachten. Frühestens ein paar Tage vor dem Nikolaustag präsentierten die Geschäfte die ersten weihnachtlichen Süßigkeiten. Hätten die Händler vor 30 oder 40 Jahren diese Dinge schon früher in die Regale gestellt, wäre wohl ein Sturm der Entrüstung durch die Reihen der Kunden gegangen. Inzwischen ist die vornehme Zurückhaltung längst der Frage gewichen: Wer ist der Erste, der Weihnachtssachen ins Regal stellt? Ein Händler tut"s, gleich folgt der nächste, keiner kann sich dem Druck entziehen. Und so ist es heute ganz normal, dass mit Beginn des Herbstfestes auf den verkaufsstrategisch besonders wichtigen Tischen vor der Kasse in den Geschäften schon die Lebkuchen liegen. Stück für Stück kommt hinzu. Mal sind es Zimtsterne, mal Dominosteine, bis schließlich die rot gewandeten Schokoladen-Weihnachtsmänner keinen Zweifel daran lassen: Die Vorweihnachtszeit hat begonnen.

"Ich freue mich, wenn die Lebkuchen schon so früh zu kaufen sind, aber wer will denn jetzt einen Nikolaus?", diese Frage spiegelt den Zwiespalt vieler Kunden wider. Zwar fehlt noch die weihnachtliche Atmosphäre, doch die Süßigkeiten sind willkommen. Manche Kunden ärgern sich geradezu, wenn sich schon im Oktober in den Geschäften Weihnachten ankündigt - aber wie immer regelt die Nachfrage das Angebot, und diese Nachfrage ist nicht zu leugnen.

Bei Karstadt werden bislang nur Lebkuchen und Dresdner Christstollen dezent auf einem kleinen Tisch angeboten; in der Süßwarenabteilung findet der frühe Weihnachtsfreund erst ein paar Adventskalender. Aber immerhin, sie sind da. In den nächsten zwei Wochen, das ist klar, wird kräftig nachgelegt. Dann entsteht der Weihnachtsmarkt im Erdgeschoss.

"Gestern war fast noch Hochsommer und heute soll ich schon einen Glühwein trinken?" Die Kunden bei Tengelmann reagieren ebenfalls verhalten auf die frühe Weihnachtsoffensive. Hier treffen sie schon auf das volle Sortiment. Viel Spielraum für eine Erweiterung bleibt da nicht mehr, wenn Weihnachten tatsächlich vor der Tür steht: am Eingang Lebkuchen, nach wenigen Schritten Magenbrot und Dominosteine. Ob Nikolaus oder Elch, Schokolade wird bereits in allen Ausführungen verkauft. Zusätzlich sind Glühwein und Adventskalender im Angebot.

Nicht anders sieht es aus im Teegeschäft Eilles am Max-Josefs-Platz. Die Schokoladen-Weihnachtsmänner stehen bereits in Reih und Glied, Marzipankartoffeln und Plätzchen gibt es in allen Variationen. Die ersten Weihnachtsartikel treffen auch hier bereits vor dem Herbstfest ein. So läutet die Wiesn im Einzelhandel also bereits den Advent ein. Nach den Worten der Verkäuferin beschweren sich viele Kunden, die Vorfreude auf den Advent werde ihnen durch das frühe Angebot genommen. Spätestens am Heiligen Abend könnten einige keine Lebkuchen mehr sehen. Sie meint aber, wenn es nicht um die Kinder ginge, würden sich wohl noch mehr Erwachsene schon jetzt verführen lassen. Viele Erwachsene wollten den Kleinen aber doch etwas von dem Zauber erhalten, den sie früher in der Vorweihnachtszeit gespürt haben.

lm/bi/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © fkn

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