Kritik an Plänen der Politik

Barrierefreie Bushaltestellen? "Eine Farce"

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Landkreis - Bis 2022 muss auch im Nahverkehr Barrierefreiheit hergestellt werden - das will der Landkreis nun anpacken. Ein Busunternehmer kann bei diesen Plänen aber nur den Kopf schütteln.

"Das ist die Hilflosigkeit der Politik, die zeigen will, dass man was macht" - so sieht das Fazit von Thomas Richter aus, wenn es um die angestrebte Barrierefreiheit im Nahverkehr geht. Richter ist Geschäftsführer der Firma Hogger, eines der größten Busunternehmen der Region. Die Pläne der Politik nennt er eine "Farce".

Mit 16 der 700 Haltestellen wird nun begonnen

Es wird wohl tatsächlich eine Mammutaufgabe: Barrierefreiheit auch im Nahverkehr bis 2022 - eine Vorgabe des Bundes. Das wären im Berchtesgadener Land rund 700 Bushaltestellen und 13 Bahnhaltepunkte. Die Bahnhöfe und über 100 Bushaltestellen wurden nun vom Landkreis untersucht - die 16 wichtigsten Bushaltestellen will man nun barrierefrei ausbauen, auch die 13 Bahnhöfe sollen im Laufe der kommenden fünf Jahre mit behindertengerechten Toiletten ausgestattet werden. Bis zu 275.000 Euro wird der Landkreis den Gemeinden zuschießen.

Die Gehsteige an den Bushaltestellen müssen nun also mindestens 1,80 Meter breit werden und hoch genug, um ohne Höhenunterschied in den Bus zu kommen. "Ein vernünftiger Busfahrer, der den Leuten beim Ein- und Aussteigen hilft, ist doch tausend Mal besser", meint dagegen Hogger-Geschäftsführer Thomas Richter. Ohnehin fragt er sich, wie viele Leute wirklich auf barrierefreie Haltestellen angewiesen wären: "Es kennt doch keiner den Bedarf." Aber aus eigener Erfahrung weiß er: "Im ganzen Linienverkehr gibt es ganz wenige Rollstuhlfahrer - und die melden sich vorher an, dann kommen wir ohnehin mit einem gesonderten Fahrzeug."

Vor Altenheimen, ja - aber ansonsten?

Einstimmig wurden die Pläne zum Umbau der drängendsten Haltestellen in der jüngsten Kreistagssitzung verabschiedet: "Es wäre wichtiger den Freilassinger Bahnhof barrierefrei zu machen, aber man kann doch am Land nicht alle Gehsteige umbauen. Da steigen jährlich vielleicht fünf Leute ein und aus, die das bräuchten", meint dagegen Richter. Vor Sportkliniken oder Seniorenheimen erkennt auch er den Bedarf, aber ansonsten seien Barrieren an Bushaltestellen für die Betroffenen wohl noch das kleinste Problem. Auch der Individualverkehr würde bei diesen Gruppen immer mehr.

Richters Busfahrer hätten ebenfalls so ihre Zweifel, denn mit Niederbodenautos bleibt man lieber mal 30 Zentimeter vom Gehsteig entfernt stehen, bevor man an den hohen, "barrierefreien" Randsteinen noch das Fahrzeug beschädigt. Ob alle 700 Bushaltestellen bis zum Jahr 2022 umgebaut sind, darf man stark anzweifeln. Mit den ersten 16 sollen die Gemeinden nun beginnen: Zwei Beispiele sind die Bushaltestelle am Bahnhof Hammerau oder am Mitterfeldener Rathaus.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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