Im Gegensatz zu anderen Nebenkosten...

Gaspreise steigen erst mittelfristig

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Deutschland - Verbraucher, die mit Gas heizen, konnten sich in jüngerer Vergangenheit über stagnierende Preise freuen. Im Gegensatz zu anderen Nebenkosten wie Strom mussten sie keine horrenden Kostensteigerungen verkraften. Im Gegenteil: Der Gaspreis ist zwischenzeitlich gesunken.

2011 lag er im Durchschnitt bei 6,11 Cent je Kilowattstunde, er stieg auf 6,77 Cent im Jahr 2014 an. Seitdem geht es wieder abwärts, 2017 betrug er 6,15 Cent und damit fast so wenig wie sechs Jahre zuvor.

Preisstabilität in den letzten Jahren

Diese Entwicklung erklärt sich anhand mehrerer Faktoren. Grundsätzlich handelt es sich bei Gas wie bei Öl um einen endlichen Rohstoff. Zugleich steigt die weltweite Nachfrage, weil sich zum Beispiel Länder wie China wirtschaftlich weiterentwickeln. Diese Kombination deutet auf steigende Preise hin. Die Gasreserven in Ländern wie Russland sind aber weiterhin gigantisch, weswegen eine stärkere Nachfrage nicht sofort die Preise in die Höhe treibt. Zudem hat sich der Gaspreis vom Ölpreis abgekoppelt. Lange Zeit orientierte sich der Gaspreis an den Börsen am Ölpreis und vollzog dessen starke Schwankungen nach. Diese Koppelung gehört der Vergangenheit an, der Gaspreis bewegt sich im Gegensatz zum Ölpreis in deutlich ruhigeren Bahnen. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Bestellen Eigenheimbesitzer für ihre Heizung Öl, sind sie unmittelbar vom aktuellen Weltmarktpreis an den Börsen abhängig. Beim Gasbezug über Versorger gelten dagegen langfristige Verträge mit den Unternehmen in den Herkunftsländern, vertraglich vereinbarte Preise über lange Zeiträume machen die Energieausgaben berechenbar.

Auf lange Sicht Kostensteigerungen wahrscheinlich

Aktuell existieren keine Hinweise, dass sich der Gaspreis dramatisch ändert. Alle Experten gehen von einem weitgehend unveränderten Preis aus. Gefahren bestehen nur, wenn es in den Förderländern zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt oder die Bezugsländer die entsprechenden Staaten aus politischen Gründen boykottieren. Das war unter anderem im Hinblick auf Russland während der Ukraine-Krise, die weiterhin anhält, ein viel diskutiertes Thema. Ein Boykott ist aber unwahrscheinlich. Beide Seiten haben ein großes Interesse daran, dass die Gas-Geschäfte problemlos weiterlaufen. Russland benötigt die Staatseinnahmen, Deutschland und Co. sind auf die Energielieferungen angewiesen. Perspektivisch sollten sich Verbraucher jedoch auf höhere Preise einstellen. Die massiv steigende Nachfrage wird unvermeidbar ein Anziehen der Preise zur Folge haben.

Unterschied zum Strom: Geringer Staatsanteil

Die Preisstabilität beruht auch darauf, dass der Staat im Vergleich zum Strom auf Gas kaum Steuern und Abgaben erhebt. Die Strompreiserhöhungen basieren zum Beispiel auf der erheblich erhöhten EEG-Umlage, das gibt es beim Gaspreis nicht. Die Umsatzsteuer und die Gassteuer machen beim Gas nur rund 25 % aus, wie dem Fachportal Top Tarif zu entnehmen ist. Für weitere 25 % sind die Netzentgelte verantwortlich, knapp 50 % lassen sich auf die Beschaffungskosten, die Vertriebskosten und die Gewinnmarge der Versorger zurückführen. Kurzum: Der Staat agiert beim Gas nicht als Preistreiber.

Sparen mit einem Anbieterwechsel

Mit der Preisentwicklung können alle Kunden zufrieden sein. Dennoch sollten sie sich darauf nicht ausruhen, viele Haushalte können ihre Kosten reduzieren. Seit der Liberalisierung des Gasmarkts wählen sie zwischen zahlreichen Anbietern, die mit enormen Preisunterschieden auffallen. Alle Hausbesitzer sollten einen Tarifvergleich durchführen und sich das Einsparpotenzial sichern.

Julian Vogt

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