Olympia, die sechste

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Zum sechsten Mal bewirbt sich das Berchtesgadener Land nun schon um olympische Winterspiele. Fast könnte man für dieses, an den bedauernswerten Sisyphos erinnernde Verhalten Hochachtung und Respekt aufbringen.

Fast, wenn dieses Bewerben um Olympische Winterspiele wirklich eine so gute Idee wäre. Aber wäre es nicht eigentlich wunderschön, für die Jugend der Welt ein Fest des Sportes zu veranstalten? Selbstverständlich.

Aber was haben Olympische Spiele noch mit den olympischen Idealen zu tun? Doping, Betrug, Bestechung, das sind die Stichworte, die mit den Olympischen Spielen der Realität in enger Verbindung stehen. Und sittenwidrige Knebelverträge, die alle Lasten auf den Schultern der Veranstalter abladen und alle Gewinne dem IOC zuschustern.

Die fast 30-jährige Geschichte von Olympiabewerbungen des Berchtesgadener Landes ist vor allem eine Geschichte der gebrochenen Versprechen: Beim letzten Mal hieß es unter anderem, die Bewerbung wird keinen Cent Steuergeld kosten. Einige Zeit später war freilich bei 112.000 € definitiv Schluss. Aus dem Versprechen, keine Steuergelder für die Bewerbung auszugeben, wurden schließlich allein 278.400 € allein für den Landkreis Berchtesgadener Land. Unter den restlichen Sponsoren befanden sich neben der Flughafen München GmbH und dem Sparkassendachverband auch noch zahlreiche andere Firmen, die zu 100 Prozent in öffentlichem Besitz sind.

Die fast 30-jährige Geschichte von Olympiabewerbungen des Berchtesgadener Landes ist aber auch eine Geschichte zahlreicher Mythen, die sich bei näherer Betrachtung als Fata Morgana herausstellen. Einer dieser Mythen ist, dass sich sportliche Großereignisse positiv auf die Tourismuszahlen einer Region auswirken. Tatsache aber ist, dass beispielsweise nach der nordischen Ski-WM 2005 in Oberstdorf die Tourismuszahlen deutlich zurück gegangen sind. Ein weiterer Mythos ist, dass sportliche Großereignisse sich positiv auf die Gemeindehaushalte der betreffenden Orte auswirkt.

Preisfrage: Welche Orte in Bayern, beziehungsweise in der Region, sind die Orte mit der höchsten Verschuldung? Richtig: Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Inzell und Ruhpolding.

Und was blieb für die letzten Veranstalter Olympischer Winterspiele? Vancouver hat wegen der Spiele Schulden von einer Milliarde kanadischer Dollar. Und muss künftig kräftig sparen. Allein die Kulturausgaben sollen um 90 Prozent gekürzt werden. Dem Wintersportgebiet Whistler, wo die Alpin-Ski-Wettbewerbe stattfanden, droht die Zwangsversteigerung.

In Turin gammeln zahlreiche Sportanlagen vor sich hin, zahlreiche extra für die Spiele gebaute Hotels mussten geschlossen werden. Das offizielle Defizit betrug 31 Millionen €, dazu kommen noch die laufenden Defizite für die Sportanlagen. Nicht eingerechnet sind die zahlreichen Infrastrukturbauten, die größtenteils heute nicht mehr benötigt werden. Nagano trägt einen Schuldenberg von 14 Milliarden € vor sich her und ist praktisch pleite. Lillehammer: das jährliche Defizit der olympischen Sportanlagen beläuft sich auf sieben Millionen €. Und so weiter und so fort.

Das Unternehmen Olympia dagegen, das IOC, steigert von Veranstaltung zu Veranstaltung seinen Profit. Und verlangt von den Veranstaltern Steuerfreiheit, Garantiesummen und diplomatische Immunität für seine Funktionäre.

Sind Sie unter diesen Bedingungen wirklich noch für Olympia?

Bündnis 90/Die Grünen - Kreisverband Bechtesgadener Land

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