Wasserwacht plagen große Nachwuchssorgen

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Der Ehrenvorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Alfons Kandler.

Bad Reichenhall - Die BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Bad Reichenhall hat mittlerweile große Nachwuchssorgen: Seit dem Einsturz der Eislaufhalle und dem anschließenden Abriss der Schwimmhalle fehlt den Wasserrettern des Roten Kreuzes noch immer eine geeignete Trainingsstätte, was sich vor allem in der Nachwuchsausbildung bemerkbar macht.

Von den in besten Zeiten bis zu 50 Kindern und Jugendlichen sind nur noch 15 übrig geblieben, da viele Eltern ihrem Nachwuchs die Fahrten und den Bustransfer zum Training nach Freilassing oder Berchtesgaden auf Dauer nicht mehr zumuten wollen. „All unsere Hoffnungen richten sich daher auf die Fertigstellung des neuen Bades an der Therme im Jahr 2011“, sagte Jugendleiterin Alexandra Hausmann bei der Jahreshauptversammlung im Feuerwehrhaus an der Reichenbachstraße.

Durchschnittliches Einsatzjahr: Über 3.700 ehrenamtliche Stunden geleistet

Gemessen an der Zahl der Einsätze war 2009 kein außergewöhnliches Jahr für die Reichenhaller Wasserwacht: Bei den Wachdiensten am Thumsee , im Aufhamer Staufenbad und am Höglwörther See mussten die derzeit 48 Aktiven 98 mal Erste Hilfe leisten, wobei vier Patienten durch den Rettungsdienst zur weiteren Behandlung in Kliniken gebracht wurden. Die mobile Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) wurde von der Rettungsleitstelle Traunstein zu 13 Einsätzen alarmiert, davon fünf Suchen nach Vermissten. Insgesamt haben die Freiwilligen über 1.600 Stunden beim Dienst an den Wachstationen und im SEG-Einsatz, rund 1.400 Stunden in der Aus- und Fortbildung sowie weitere 700 Stunden bei der Wartung von Ausrüstung und Geräten verbracht. Bei zwei großen Übungen trainierten die Einsatzkräfte das Zusammenspiel in komplexen Schadenslagen: Als Bootstrupp nahmen die Reichenhaller Wasserretter an einer zweitägigen Übung des Wasserrettungszugs Bayern in Ingolstadt Teil , wo die Rettung aus überfluteten Häusern und die Deichsicherung mit Tauchern trainiert wurde; im Oktober mussten sie bei der Kreis-Wasserwacht-Übung am Höglwörther See vier vermisste, beziehungsweise untergegangene Schwimmer retten. „Es freut mich besonders, dass Katja Preusche und Kathrin Simstich letztes Jahr erfolgreich ihre Ausbildung zum Wasserretter vollendet haben und Sebastian Simstich die Prüfung zum Rettungs- und Bergetaucher bestanden hat“, lobte der Technische Leiter der Ortsgruppe, Günter Eisenschink in seinem Jahresrückblick.

Mitgliederzahlen in den Jugendgruppen drastisch zurückgegangen

Ende 2009 bekamen die Reichenhaller Wasserretter bessere Trainingszeiten für Berufstätige im Freilassinger Badylon zugeteilt, wo die Erwachsenen nun einmal wöchentlich am Abend schwimmen können. „Im Bereich der Jugendarbeit läuft es derzeit aber leider nicht so gut, da das Training aufgrund der langen Fahrzeiten nur schlecht angenommen wird“, beklagte Ortsgruppenvorsitzender Siegfried Hauber. In den beiden Jugendgruppen der Reichenhaller Wasserwacht sind von ehemals bis zu 50 Mitgliedern noch zehn Kinder im Alter zwischen neun und 13 Jahren sowie fünf Jugendliche zwischen 15 und 18 übrig geblieben. „Uns fehlt eine geeignete Trainingsstätte am Ort. Seit dem Abriss der Schwimmhalle sind die Mitgliederzahlen in den Jugendgruppen drastisch zurückgegangen, wobei wir echte Nachwuchs- und Zukunftssorgen haben“, berichtete Jugendleiterin Alexandra Hausmann. Seit 2010 werden die Kinder aufgrund der geringen Teilnahme nur noch im Vier-Wochen-Takt mit BRK-Bussen zum Training in die Berchtesgadener Watzmanntherme und ins Freilassinger Badylon gebracht. Mit einem abwechslungsreichen Ausbildungs- und Freizeitprogramm versuchen die Jugendgruppenleiter Alexandra Hausmann , Susanne Lehnart , Günter Eisenschink und Julia Wedel dennoch die verbliebenen Nachwuchs-Wasserretter unter dem Motto „aus Spaß am Sport und aus Freude am Helfen!“ weiter für die Arbeit in der Wasserwacht zu begeistern: 2009 fanden mehrere Erste-Hilfe-Übungen, Bastelstunden, Bootsausbildungen, eine Fackelwanderung sowie Ausflüge zum Traunsteiner Rettungshubschrauber und zur Rettungshundestaffel statt. Hausmann: „Trotz der derzeit schlechten Gesamtsituation blicken wir positiv in die Zukunft und hoffen auf die Fertigstellung des neuen Bads an der Therme im Jahr 2011.“

Umzug in die Frühlingstraße war ein finanzieller Kraftakt

Seit Beginn der Umbauarbeiten im BRK-Haus in der Riedelstraße darf die Wasserwacht die Schulungsräume im Reichenhaller Feuerwehrhaus und im Gebäude der Wäscherei Abel in Aufham mit benutzen. Der Umzug zusammen mit der BRK-Bereitschaft von der Riedelstraße in die Frühlingstraße war aufgrund der vielen Renovierungsarbeiten ein finanzieller Kraftakt; mittlerweile sind die Kassen aber wieder ausgeglichen. Aufgrund der vermehrten Austritte fehlen der Wasserwacht auch Mitgliedsbeiträge, um die Ausgaben für Fahrzeug, Ausbildungen und Rettungsausrüstung zu finanzieren. 2009 konnte Kassenwart Grit Schulz dank eines eisernen Sparkurses und vieler Spenden aber dennoch mit einem leichten Plus abschließen. Nach über 16 Jahren musste 2009 ein altes Motorrettungsboot durch ein neues, leichteres Modell ersetzt werden; damit verfügt die Reichenhaller Wasserwacht aktuell über zwei Rafting- und fünf Motorrettungsboote, von denen zwei am Thumsee und am Höglwörther See stationiert sind. Zusätzlich mussten drei neue Notfallrucksäcke für die Wachstationen und weniger wartungsaufwendige Taucherlampen gekauft werden. „Nur mit dieser guten Ausstattung können wir den Rettungsdienst an und auf den Gewässern für die Einwohner und Gäste im mittleren Landkreis gut bewerkstelligen“, sagte Ortsgruppenvorsitzender Siegfried Hauber.

Neun Mitglieder für langjährige aktive Mitarbeit geehrt

Die derzeit 38 aktiven Mitglieder der Reichenhaller Wasserwacht haben mehrere Spezialausbildungen in der Wasserrettung durchlaufen und 2009 regelmäßig an Aus- und Weiterbildungen teilgenommen. Alle sind als Rettungsschwimmer und Wasserretter, 15 als Motorbootführer und 14 als Rettungs- und Bergetaucher ausgebildet. Zur Ortsgruppe gehören auch vier Einsatzleiter Wasserrettung, sieben Canyon-Retter und drei Luftretter. Für langjährige treue Dienste in der Wasserwacht des BRK zeichneten Ortsgruppenvorsitzender Siegfried Hauber und Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer neun Mitglieder mit Auszeichnungsspangen aus: Christian Eisenschink (15 Jahre), Günter Eisenschink (15 Jahre), Christian Hausmann (15 Jahre), Bernhard Kolodzie (15 Jahre), Christian Standl (25 Jahre), Rainer Moltke (30 Jahre), Gerald Rothkopf (35 Jahre), Andreas Mayer (40 Jahre) und Werner Lenk (45 Jahre). Nachträglich zu seinem 70. Geburtstag gratulierte Hauber dem Reichenhaller Wasserwacht-Urgestein Albert Bruckner; Stüberlwirtin Alexandra Hausmann bekam einen Blumenstrauß überreicht und dankte ihren Stellvertretern als Jugendleiterin mit kleinen Geschenken. Bad Reichenhalls zweiter Bürgermeister Manfred Adldinger , Angers Bürgermeister Sylvester Enzinger , Bad Reichenhalls Polizeichef Wilhelm Bertlein , BRK-Bereitschaftsleiter Florian Halter , Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer und der Ehrenvorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Alfons Kandler dankten den aktiven Wasserrettern für ihren Beitrag zu mehr Sicherheit an den heimischen Gewässern.

Pressemitteilung BRK Bad Reichenhall

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