Bescherung beim Gebirgsjägerbataillon 231

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Am Hochstaufen hat die Ausbildung am neuen Fahrzeug „Boxer“ begonnen – die ersten zwei Exemplare sind an die Reichenhaller Gebirgsjäger ausgeliefert worden.

Bad Reichenhall - Nach etwa zwölf Jahren Entwicklungszeit ist es plötzlich ganz schnell gegangen: Die ersten gepanzerten Transport Kraftfahrzeuge „Boxer“ sind an die Gebirgsjägerbrigade 23 ausgeliefert worden.

Hauptfeldwebel Martin Köcher (31) aus der zweiten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 hat von Industrieeinweisung über Bedienerausbildung, Schießlehrer bis zum Führungsinformationssystem kürzlich alle relevanten Lehrgänge zum neuen Fahrzeug besucht und leitet nun die Ausbildung der Gebirgsjäger am Boxer.

Neben der Fahrzeugbesatzung mit drei Mann finden sieben voll ausgerüstete Infanteristen im Bauch des neuen und vor Minen und Beschuss geschützten Fahrzeuges Platz.

„Die lange Entwicklungszeit liegt an der Änderung des Auftrags im vergangenen Jahrzehnt – weg vom Kalten Krieg, hin zu den aktuellen Auslandseinsätzen. Inzwischen ist das Fahrzeug so ausgestaltet worden, dass es in wenigen Monaten in Afghanistan eingesetzt werden kann und auch mit dem IdZ-System (Infanterist der Zukunft, erweitertes System) ausgerüstet ist“, erklärt der Hauptfeldwebel.

Ein Fahrer, der Kommandant, ein Richtschütze und sieben Soldaten (IdZ) finden in dem Fahrzeug in der Variante „Truppentransporter“ Platz, dem man außen, aber insbesondere innen ansieht, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist: Reifendruckregelanlage, Rücksichtkamera, Klimaanlage, Störsender, an jedem Sitzplatz Kabel zum Aufladen der IdZ-Akkus für Funk und GPS und vor allem die fernbedienbare Waffenstation (schweres Maschinengewehr, Kaliber 12,7 mm oder Granatmaschinenwaffe), mit der der Richtschütze über Monitor und einen Richtgriff (vgl. Joystick am PC) den Feuerkampf führt. Wärmebild- und Nachtsichtkameras ermöglichen den Kampf zu jeder Tageszeit und jeder Witterung.

Das neue Fahrzeug stieß auf reges Interesse unter den Soldaten: Hauptfeldwebel Köcher (links) erklärt interessierten Soldaten das schwere Maschinengewehr des Boxers.

220 Exemplare dieses mächtigen, 710 PS starken, 33 Tonnen schweren und bis zu 103 km/h schnellen Fahrzeugs sollen insgesamt an die Bundeswehr ausgeliefert werden und die alten, ungepanzerten Zweitonner (Unimogs) ersetzen. Das Projekt ist ein binationales Projekt von Holland und Deutschland und wird durch die Firmen Kraus-Maffei-Wegmann und Rheinmetall partnerschaftlich umgesetzt. Da das Fahrzeug in Modulbauweise konzipiert ist, kann der Aufbau innerhalb von nur 30 Minuten ausgewechselt werden. Aktuell stehen die Varianten Truppentransporter, Führungsfahrzeug und Sanitätsfahrzeug zur Verfügung.

„Die Ausbildung der Soldaten am Boxer ist wegen der vielen neuen Technik sehr aufwändig“ prophezeit Köcher. Er rechnet mit mindestens zwei Monaten Ausbildungsdauer, bis eine Gruppe das Fahrzeug beherrscht und mit den Gerätschaften vertraut ist, inklusive Funk- und Schießausbildung. „Und damit ist es nicht getan. Um mit einem derart komplexen System einsatzbereit zu bleiben, ist kontinuierliches Training am Standort und auf dem Übungsplatz unverzichtbar“.

Mit der fernbedienbaren Waffenstation kann das Gefecht über Kameras, Monitore und einen Richtgriff aus dem Fahrzeug heraus geführt werden.

Im Mai fährt Köcher mit seinen Boxern zur Einsatzprüfung. Hier gibt es die Gelegenheit, letzte Mängel an den Boxern, die übrigens im Vorfeld schon in Australien getestet wurden, zu entdecken und durch den Hersteller abzustellen zu lassen. Für den Einsatz in Afghanistan soll an den Fahrzeugen noch ein zusätzlicher Minenschutz angebracht werden, der das Gewicht des Fahrzeugs um weitere zwei Tonnen erhöht. Bereits ab Juli 2011 wird das Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen die ersten Boxer in Afghanistan einsetzen.

Pressemitteilung Gebirgsjägerbrigade 23

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