Bergwacht setzt auf Prävention

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Zuerst muss das Gesicht eines Verschütteten freigelegt werden.

Bad Reichenhall - Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das sagt sich auch die Bergwacht Bad Reichenhall und hält Seminare zur Lawinenkunde und Kameradenrettung ab.

Unter dem Motto „Risikomanagement bei Skitouren und beim Freeriden“ haben 21 Wintersportler ein Seminar zur Lawinenkunde und Kameradenrettung auf dem Predigtstuhl absolviert, das gleich doppelt der Sicherheit am Berg zu Gute kommt:

„Die Teilnehmergebühren werden abzüglich der Unkosten komplett für den Bau der neuen Reichenhaller Bergrettungswache gespendet“, erklärt Maria Leitenbacher vom Sporthaus Riap, die den Kurs zusammen mit Peter Geyer, dem Ausbildungsleiter der Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer sowie Hans Lohwieser und Martin Neubauer von der Reichenhaller Bergwacht organisiert hat.

Nach einer theoretischen Unterweisung am Samstagabend konnten die Teilnehmer am Sonntag auf dem Predigtstuhl ihr Wissen in Geländebeurteilung, Risikoeinschätzung und Lawinenrettung praktisch trainieren. „Die Ausbilder haben honorarfrei gearbeitet, die Predigtstuhlbahn hat alle Fahrten kostenlos durchgeführt, die Saline hat ihr Salzforum für den theoretischen Unterricht zur Verfügung gestellt und auch die Verpflegung in der Schlegelmulde hat nichts gekostet; somit bleibt ein stattlicher Betrag für unseren Neubau übrig“, freut sich Bergwacht-Ausbildungsleiter Hans Lohwieser.

Seit über acht Jahren bietet das Reichenhaller Sporthaus Riap Lawinenseminare an, um die Sicherheit beim Tourengehen und Freeriden zu erhöhen. Nachdem die Ausbilder am Vorabend im Salzforum über die Grundlagen zum Risikoverhalten, zum Beurteilen und Entscheiden in der Lawinensituation sowie zur Kameradenrettung referiert hatten, durften die Teilnehmer am Sonntag auf dem Predigtstuhl die Suche und Rettung von Verschütteten nach einem Lawinenabgang unter fachkundiger Anleitung praktisch üben.

Lawinen-Seminar am Predigtstuhl

Peter Geyer erklärte zunächst den richtigen Umgang mit der persönlichen Notfallausrüstung, bevor Hans Lohwieser und Martin Neubauer mit der Gruppe die Signalsuche, die Grobsuche, die Feinsuche per Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät) sowie die Punktortung mit Lawinensonde bei einer Einfachverschüttung trainierten.

Wie viele Helfer unter Zeitdruck Hand in Hand zusammenarbeiten müssen, wurde bei der anschließenden Übung deutlich: Eine vergrabene lebensgroße Puppe musste mittels Sondierung geortet und anschließend geborgen werden. Im Ernstfall sind die Ersthelfer und Einsatzkräfte auch immer wieder mit der Gefahr von Nachlawinen konfrontiert. „Allein das Freischaufeln ist bei tiefer verschütteten Lawinenopfern sehr aufwändig und ein enormer Kraftakt, der ein optimales Zusammenspiel erforderlich macht. Die anschließende medizinische Erstversorgung und der Abtransport ins Krankenhaus sind bedingt durch Schnee, Kälte und steiles Gelände besonders schwierig“, erklärt Lohwieser.

Oberstes Ziel ist es, zuerst den Kopf des Verunfallten freizulegen, um an seine Atemwege zu gelangen, diese freizumachen oder direkt mit der Beatmung zu beginnen. Die Realität ist hart: Statistisch betrachtet wird nur jeder dritte Verschüttete durch die schnelle Kameradenhilfe mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel lebend gerettet. Aufgrund des geringen Zeitfensters von rund einer halben Stunde, in dem etwa die Hälfte der Verschütteten trotz Atemhöhle am eigenen ausgeatmeten Kohlendioxid erstickt ist, kommt organisierte Fremdhilfe durch die Bergwacht in 90 Prozent aller Fälle zu spät. Die Bergwacht im BRK setzt daher auf Prävention: Die Vermeidung der Lawinenauslösung ist die wichtigste Strategie, um den Lawinentod zu verhindern. Während der Wintersaison bringen die ehrenamtlichen Retter interessierten Wintersportlern die Grundlagen der Lawinenkunde und Kameradenrettung bei.

Pressemitteilung BRK BGL

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