Bergwacht Bad Reichenhall gründet Förderverein

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Vereinsvorsitzender Dr. Klaus Burger (Dritter von links), sein Stellvertreter Martin Neubauer (Dritter von rechts), Kassier Werner Thaler (Zweiter von rechts), Schriftführer Thomas Dendl (rechts) und die Ausschussmitglieder Christian Schieder, Marcus Goebel und Urs Strozynski (von links).

Bad Reichenhall – Die Bergwacht Bad Reichenhall steht vor schweren Aufgaben, denn sie braucht dringend eine neue Rettungswache.

Längst fällige Umbaumaßnahmen im BRK-Haus in der Riedelstraße und die Raumnot sowohl für das BRK als auch für die Bergwacht im BRK führten dazu, dass die Retter vorübergehend ihre Wache und das Ausrüstungsdepot in angemietete Räume in der Frühlingsstraße verlagern mussten.

Dr. Klaus (Nik) Burger zum Vorsitzenden gewählt

Für die meisten ist der Gedanke befremdlich, dass die Bergretter, die Tag und Nacht bereitstehen, um in jedem Gelände und bei jeden Witterungsbedingungen zu helfen und in Extremfällen auch ihr Leben aufs Spiel zu setzen, sich neben vielfältigen Aufgaben und ständiger Aus- und Fortbildung auch noch ehrenamtlich um die Finanzierung und den Bau einer neuen Bergrettungswache kümmern müssen. „Wir sind nun zur Wahrung einer weiterhin bestens funktionierenden Bergrettung im Saalachtal gezwungen, eigene und neue Wege zu gehen“, sagt Urs Strozynski, Bereitschaftsleiter der Bergwacht in Bad Reichenhall. „Deshalb haben wir nun einen eigenen, gemeinnützig anerkannten Verein gegründet und mit Nik Burger als Vorsitzendem und der weiteren Mannschaft Martin Neubauer, Tom Dendl und Werner Thaler ein starkes Team gefunden. Nik ist Reichenhaller Urgestein, Einsatzleiter und Ausbilder in unserer Bergwacht und verfügt als Vorsitzender des Deutschen Gutachterkreises für Alpinunfälle, alpine Ausrüstung und Materialprüfung über einen internationalen Ruf.“

Ehrenamtliche müssen sich neben vielfältigen Aufgaben auch um Neubau-Finanzierung kümmern

„Man fasst es kaum“, meint Burger, „wir ehrenamtliche Retter müssen uns nun auch noch um die Finanzierung und den Bau einer Rettungswache kümmern. Wir erfüllen leidenschaftlich gerne ehrenamtlich öffentliche Rettungsaufgaben im existentiellen Bereich der Gesundheitsfürsorge, aber wir sind Alpinisten und keine Finanzmakler oder Bauherrn.“ Interne und externe Fortbildungen, Einsätze und auch ständige Bereitschaften ohne Einsätze bestimmen große Teile der Freizeit eines ehrenamtlichen Bergretters – zum Leidwesen der Familie und unter Verzicht auf nicht wenige private Kletter- oder Bergtouren. Da bleibt eigentlich nur wenig Zeit für ein Neubau-Projekt. „Jammern hilft nichts, wir müssen durch, vergleichbar einem komplexen Einsatz, nur ungeübter, ungewohnter, länger und nervenaufreibender“, meint Martin Neubauer, Einsatzleiter und zweiter Vorsitzender des Vereins entschlossen.

Warum ein Neubau für die Bergwacht Bad Reichenhall?

Der derzeitige Standort der Bergrettungswache in der Frühlingstraße ist ohne Zweifel zentral in der Stadt gelegen, und genau das ist für die Retter aber ein Problem. Konnten die Einsatzkräfte vor ihrem Umzug Ausrückzeiten von rund sieben Minuten vorweisen, brauchen sie jetzt bis zu zehn Minuten Anfahrtszeit zum Depot. Verkehrsberuhigte Bereiche, 30-er Zonen und Stadtverkehr mit roten Ampeln und Staus bremsen die Retter mit ihren Privatfahrzeugen auf dem Weg zur Wache buchstäblich aus. Besonders interessant ist die Aussage von Marcus Goebel, Pressesprecher der Bergwacht und Mitinitiator des Vereins: „Gerade die Einsatzleiter, für die sich die Strecke zwischen Arbeitsstelle oder Wohnung und Rettungswache durch den Umzug in die Frühlingstraße verkürzt hat, sind besonders engagiert beim Neubauprojekt. Sie erleben bei jedem Einsatz die quälenden Minuten, bis die Mannschaft im Depot eintrifft, sich umzieht und dann ausrücken kann.“ Das von der Stadt in Aussicht gestellte Neubau-Grundstück liegt vis-a-vis der alten Rettungswache im BRK-Haus und ist damit aus verkehrstechnischer Sicht für die Retter optimal. Auch wären bei diesem Standort wieder alle Blaulichteinheiten der Rettungsorganisationen in Bad Reichenhall an einem Ort untergebracht. Goebel: „Schon weil dieses Grundstück unbebaut ist, müssen wir die Chance nutzen und einen zweckmäßigen Neubau realisieren.“

Jährlich 30 Euro für einen gemeinnützigen Zweck

Der jährliche Mindestbeitrag für Mitglieder beträgt 30 Euro. „Wir wären froh, wenn sich der ein oder andere für eine Mitgliedschaft entscheidet, damit wir auf einem finanziellen Fundament aufbauen können“, sagt Goebel. Die Bergwacht-Bereitschaft Bad Reichenhall ist wie die anderen Bergwachten keine eigene juristische Person, sondern Teil der Bergwacht Bayern und damit eine der vier Gemeinschaften des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Mit einem rechtsfähigen eigenen Verein ist nun der Handlungs- und Entscheidungsspielraum größer und effektiver, um das Heft juristisch selbst in die Hand zu nehmen. „Die Gründung des Vereins war angesichts der gegenwärtigen Umstände das Mittel der Wahl. Wir suchen und brauchen Partner und Sponsoren und wollen diese starken Helfer als Vereinsmitglieder oder Ehrenmitglieder im Gegenzug an unseren Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben lassen.

Neue Internetpräsenz informiert über Bergrettung und Bergwelt

Da der Vereinsvorstand nach der Satzung immer aus aktiven Einsatzkräften der Bergrettung bestehen muss, ist die personelle Verankerung des Vereins im Bad Reichenhaller Leben gewiss, und der sachliche Vereinszweck sei ohnehin die Förderung der Bergrettung Bad Reichenhall, einschließlich der damit verbundenen Jugendarbeit. Mittelfristiges Ziel neben starken Partnern und Sponsoren seien etwa 300 Vereinsmitglieder. Die Mitgliedsbeiträge kommen dabei unmittelbar der Bergwacht Reichenhall zugute und wären insbesondere für optimierte Ausrüstung und den zukünftigen Unterhalt der neuen Rettungswache vorgesehen. Öffentliches Herzstück des neu gegründeten Vereins ist der Internetauftritt. Unter www.bergrettung-reichenhall.de ist eine bergwachtspezifische Webseite mit schnell zugänglichen Informationen für Bergwanderer und Kletterer entstanden. Auch können Mitteilungen aus der alpinen Sicherheitsforschung und dem Einsatzgeschehen im Saalachtal abgerufen werden. Die von Schriftführer und Webmaster Tom Dendl professionell gestalteten Seiten sollen die Welt über die Reichenhaller Bergwacht und damit auch die Bergwelt von und um Reichenhall informieren, „also dem identitätsprägenden Teil unserer Stadt, - Werbung pur für unser Reichenhall“, erklärt Nik Burger.

Bergwacht 2009 bei 71 Einsätzen und über 100 Ausbildungsterminen gefordert

Seit über hundert Jahren hilft die Reichenhaller Bergwacht Verunglückten und in Not geratenen Bergsteigern. Das Einsatzgebiet reicht vom östlichen Bereich des Sonntagshorns bis zum Untersberg, von der Reiteralpe und dem Lattengebirge über Staufen und Zwiesel bis zum Teisenberg. Das Leistungsspektrum der Reichenhaller Bergretter war auch im Jahr 2009 wieder umfangreich: 71 Bergrettungseinsätze, darunter neun Suchaktionen, sechs Nachforschungen, drei Totenbergungen, drei Klettersteigbergungen, drei Unterstützungen des Landrettungsdienstes, drei Lawineneinsätze, zwei Pistenunfälle, zwei Kletterunfälle, ein Rodelunfall und ein Forstunfall forderten die Einsatzkräfte am Tag und in der Nacht. Hinzu kamen ebenfalls allein im Jahr 2009 über 100 Aus- und Fortbildungstermine, und dies in der Freizeit. Insbesondere der Einsatz mit Hubschraubern an der Winde oder am bis zu 90 Meter langen Tau bedingt die realitätsnahe, nicht ungefährliche und ständige Fortbildung der aktiven Einsatzkräfte und Einsatzleiter als ergänzende Besatzungsmitglieder auf dem Rettungshubschrauber.

Breites Aufgabenspektrum & Zusammenarbeit mit anderen Organisationen

Das Einsatzspektrum in der Bergrettung umfasst dabei nicht nur die klassische bodengebundene oder durch Hubschrauber unterstützte Hilfe im alpinen Gelände. Verstärkt wird die Reichenhaller Bergwacht auch in Hilfsaktionen eingebunden, die ein abgestimmtes Ausbildungs- und Einsatzgeschehen mit anderen Einheiten wie beispielsweise dem Landrettungsdienst des Roten Kreuzes oder der Feuerwehr erfordern. „So retteten wir einen verletzten Zimmerer vom steilen Kirchendach in Anger, führten Sicherungsmaßnahmen bei der Bergung eines Tanklastzuges an der B21 durch und waren bei Katastropheneinsätzen wie dem Eishalleneinsturz und dem Waldbrand am Thumsee gefordert“, berichtet Bereitschaftsleiter Urs Strozynski. Bei der Rettung von acht zum Teil schwer verletzten Soldaten nach dem Absturz eines Truppentransporters im März 2009 bewährte sich die gute Ausbildung und angemessene Ausrüstung der hoch motivierten Bergwacht-Mannschaft vor Ort.

Einsatzgebiet beginnt gleich hinter der Leitplanke

Bergrettung heißt nicht zwangsläufig die Bergung aus steilem Fels oder Eis. Marcus Goebel meint: „Die Einsatzkräfte der Bergwacht sind spezialisiert auf die Hilfeleistungen im exponierten Gelände, auch im Tal, dort, wo jeden Menschen ein Unfall treffen kann, der Landrettungsdienst aber nicht an die Unfallstelle gelangt.“ Das Einsatzgebiet der Bergwacht ist nicht nur der Berg, es beginnt gleich hinter der Leitplanke, dort, wo sich auch der Nichtbergsteiger schnell verletzten oder hilflos wiederfinden kann. So sichern die Bergretter Feuerwehrleute beim Abschaufeln von Dächern im Winter, kümmern sich um die Bergung und Rettung abgestürzter Fahrzeuge und Insassen, retten verletzte Handwerker von Dächern, versorgen Autofahrer im Schneesturm, suchen mögliche Verschüttete nach Muren- und Lawinenabgängen über öffentliche Straßen, putzen Felsen, um öffentliche Wege zu sichern und leisten auch im Stadtgebiet Erste Hilfe, wenn gerade Not am Mann ist.

Pressemitteilung BRK BGL

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