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"Bergwacht-Ötzi" Alfred Nürbauer wird 90

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Der Jubilar Nürbauer.

Bad Reichenhall - Das Bergwacht-Urgestein Alfred Nürbauer feierte heuer bei einer Überraschungsfeier zusammen mit Verwandten, Bekannten und Freunden seinen 90. Geburtstag.

Bergwacht-Urgestein Alfred Nürbauer musste am vergangenen Sonntagabend mit auf den Tag genau 90 Jahren nochmal in den Einsatz: „Uns fehlen die Leute für eine große Suchaktion auf der Reiter Alpe; es brennt der Hut!“ Mit diesen Worten läutete Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger in Einsatzkleidung bei ihm Sturm. Kamerad Helmut Lutz stand bereits mit dem Rettungsfahrzeug mit laufendem Motor vor der Gartentür. Alfred wusste nicht, wie ihm geschah. Erst im Bürgerbräu, wo die zahlreich versammelten jungen und alten Weggefährten bereits auf ihn warteten, konnte er schließlich durchatmen; die Überraschung war gelungen. Eine Surprise-Party, würde man heute sagen. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, Nürbauers Familie mit Kindern und Enkeln, Brauereichef Christoph Graschberger, die Bergwacht-Kameraden und alte Freunde erwarteten ihn zu seinem 90. Geburtstag.

Der Jubilar Alfred Nürbauer (Vierter von rechts) umrahmt von seinen beiden Enkeln, sein Sohn Michael Nürbauer, Bergwachtchef Dr. Klaus Burger, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, Kamml Wigg, Sohn des legendären Bergwacht-Bereitschaftsleiters und Brauereichef Christoph Graschberger (von links).

Bergwachtchef Burger, der Nürbauer seit seiner Kindheit als Nachbar kennt, ließ in einer kurzweiligen und mitunter sehr erheiternden Rede Leben und Wirken des Jubilars Revue passieren. Er begann im Geburtsjahr 1921 und erzählte zahlreiche Episoden aus Rettungseinsätzen und kameradschaftlichen Ereignissen, gut gewürzt mit kabarettistischem Humor. Es gebe wohl keinen Busch, keinen Baum, und keinen Borkenkäfer oder Holzwurm im Reichenhaller Talkessel, den der begeisterte Holzhändler Alfred nicht persönlich und mit Vornamen kenne. Auch finde man immer noch keinen noch so abgelegenen Ort im hiesigen Forst, an dem man vor Nürbauer sicher sein könne. Burger verlieh Nürbauer sodann offiziell den Titel Bergwacht-Ötzi, wenngleich der Vergleich hinke, denn Nürbauer sei ein Bayer und der Ötzi wohl ein Preuße, weil er mit Sandalen auf dem Gletscher unterwegs gewesen sei.

Oberbürgerneuster Dr. Herbert Lackner gratulierte ebenfalls herzlich und freute sich über den raschen Baufortschritt der neuen Bergwacht-Rettungswache an der Reichenbachstraße. Bergwachtkamerad Hannes Jahrstorfer übermittelte sehr persönliche Glückwünsche und kam zur Schlussfolgerung, wer mit so viel Humor wie Alfred durchs Leben gehe, der werde zwangsläufig 90 Jahre und mehr. Wenn Nürbauer selbst ins Erzählen kommt, fallen die Jahre von ihm ab, wie die Nadeln eines Tannenbaums, bald nach dem Weihnachtsfest.

Alfred Nürbauer ist am 30. Oktober 1921, einem Sonntag, in Schrobenhausen geboren. Da durfte er nicht allzu lang verweilen, sonst wäre er vielleicht Spargelbauer geworden. So aber ist er in München und zeitweise im Bayerischen Wald aufgewachsen und hat früh die Liebe zum grünen Tann entdeckt. „Mein Leben war von Kindheit an der Wald“, sagt er heute. Schließlich war der Vater ein Förster und die Mutter Musiklehrerin. Der kleine Alfred war mit fünf Jahren todkrank. Die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben und einer hat empfohlen, den Bub noch einmal in den Forst zu bringen, weil ihm das so viel bedeutet hat. „Ich war damals schon ein Waldspinner“, meint er lächelnd. Dabei glänzen seine Augen und er sieht keinesfalls wie ein alter Mann, vielmehr wie ein Lausbub drein.

Das politische Geschehen holte den jungen Mann ein: Er musste 1938 zum Arbeitsdienst, von 1939 bis 1945 war er Soldat an vielen Fronten und geriet dann in Kriegsgefangenschaft. Endlich wieder frei, absolvierte drei Jahre lang seine Forstausbildung und war danach bald als stellvertretender Revierleiter in Bad Reichenhall eingesetzt. Dann aber orientierte sich der noch nicht einmal 30-jährige Alfred neu.

Ein Freund, Toni Fischer wanderte nach Kanada aus, der andere, Albert Graßl wurde Förster in Falleck in den Saalforsten. Alfred wurde kurzerhand Holzeinkäufer bei der Firma Schowanek in Piding. Diese Familie besaß einmal die größte Holzspielzeug-Fabrik im Sudetenland. Seit 60 Jahren ist nunmehr Alfred Nürbauer selbstständig im Holzhandel und Forstbetrieb tätig. Er kennt die Wälder, Forstleute und Waldbauern vom Allgäu über Fürst Fugger bis zum bayerischen Wald. „I bin halt a Holzwurm“, bemerkt er fröhlich. Da lässt sich erahnen, wie gesund die beständige Arbeit in der freien Natur positiv auf Leib und Seele wirkt.

Es wundert niemanden, dass Alfred Nürbauer auch in seiner freien Zeit kein Stubenhocker sein wollte. Bereits 1943, also mitten im Krieg, trat der spätere „Holzwurm“ vom Lazarett aus der Bergwacht bei. Das war ihm wichtiger, als in die NSDAP einzutreten, denn trotz beständigem Werben der Parteigänger mochte er nicht mittun und dabei blieb es. Am 30. Juni 1946 wechselte er unter dem damaligen legendären Bereitschaftsleiter Ludwig Kamml, dessen Sohn Wigg ebenfalls zur Feier im Bürgerbräu angereist war, zur Bergwacht Bad Reichenhall.

Er war dabei, wie mit der Predigtstuhlbahn Balken und Bretter auf den Berg gebracht wurden. Dann war wieder Muskelkraft gefragt, denn das ganze Baumaterial wurde rund fünf Kilometer weit zum späteren Hüttenplatz geschleppt. Und dort steht sie noch heute, die Bergwachthütte an der Törlschneid.

In seiner Dienstzeit hat Alfred Nürbauer unzählige Einsätze für die Bergwacht absolviert und dabei bisher neun Bereitschaftsleiter erlebt. Er war gerne Kletterer, Bergsteiger und Skitourengeher. „Aber ein berühmter Abfahrtsläufer war ich nie“, sagt der Jubilar. Bei Patrouillen war er mit guten Ergebnissen dabei. Diese Läufe waren Vorgänger des heutigen Biathlonsports. Außerdem war er sieben Mal in der Watzmann-Ostwand. Der schlimmste Bergwacht-Einsatz war jener Moment, als er einen seiner Söhne tot am Berg gefunden hat.

Aber es sind viele Fälle verzeichnet, wo er Menschenleben retten konnte. Schmunzelnd erinnert er sich, dass die Frau des Bereitschaftsleiters Kamml mit dem Fahrrad in ganz Reichenhall unterwegs war, um die rund 30 Bergwachtler aufzuschrecken, weil sie zum Einsatz mussten. „Wir haben noch alles zu Fuß gemacht, auch die Bergungen“, sagt Nürbauer. „90 Prozent unserer Einsätze am Berg sind danach noch ziemlich lustig geworden“, denkt der 90-Jährige zurück.

2003 wurde Alfred Nürbauer vom damaligen Landtagspräsidenten und Chef der Bayerischen Bergwacht, Alois Glück mit dem „Goldenen Eichenlaub für Bergrettung und Naturschutz“ ausgezeichnet. Alfred war bereits seit 60 Jahren als Bergretter unterwegs. Heute noch ist er gerne und oft im Wald bei Fällungen und Forstarbeiten dabei. Immer noch hat er in Karlstein, Nonn und Berchtesgaden treue Bauern, die ihm ihr Holz verkaufen.

Wohl auch weil er ein Kaufmann vom alten Schlag ist. Zuverlässig, sozial und menschlich. Der Mann, der am Staufen, am Zwiesel, am Predigtstuhl und am Untersberg jeden Steig und jeden Stein kennt, wünscht sich für die Zukunft: „Es sollen sich alle Leut, gleich ob alt oder jung, für den Erhalt der Natur einsetzen, denn das ist auch künftig ein großes Kapital!“

Dass ihn Bergwacht-Bereitschaftsleiter Klaus Burger und Sohn Michael mit seiner Geburtstagsfeier im Kreis seiner Reichenhaller Bergwachtler überrascht haben, war ein ganz besonderes Geschenk für den 90-Jährigen. Zu den Gratulanten gehörten neben vielen Freunden auch der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforste, Dr. Rudolf Freidhager, sowie der Präsident der bayerischen Waldbesitzer Sepp Spann.

Alfred Nürbauer erinnert seine Geburtstagsüberraschung an eine alte Geschichte: „Den legendären Bereitschaftsleiter Kamml Wigg hat die Polizei am Aschermittwoch in seiner Werkstatt „verhaftet“! Dann hams ihn mit dem Polizeiauto zum Bürgerbräu bracht, wo wir schon alle gewartet haben.“ Manche kuriosen Geschichten wiederholen sich im Leben eben immer wieder in leicht veränderter Version; die schönen Erlebnisse aber bleiben auch nach Jahrzehnten in Erinnerung.

Pressemitteilung mg / ml BRK

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