Bergwacht Reichenhall heute im TV

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Gezeichnet von einem Skiunfall gab Bereitschaftsleiter Urs Strozynski am Ende der Bergwacht-Jahreshauptversammlung seinen Rücktritt bekannt.

Bad Reichenhall - Der Rücktritt von Bad Reichenhalls Bergwacht-Bereitschaftsleiter Urs Strozynski hat hohe Wellen geschlagen. Auch der Bayerische Rundfunk thematisiert ihn heute.

In der Sendung Schwaben und Altbayern aktuell am Freitag um 17.30 Uhr gibt es einen Bericht über die Situation der Bergwacht Bad Reichenhall.

"Derzeit sehe ich keine Lösung mehr für unsere Situation und weiß auch nicht, wie es weitergehen soll." Mit diesen Worten trat Bergwacht-Bereitschaftsleiter Urs Strozynski jetzt zurück. „Ich bin nicht mehr länger bereit, die Verantwortung für den Bergrettungsdienst im mittleren Landkreis zu übernehmen; deswegen trete ich jetzt mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Bereitschaftsleiter zurück!“, erklärte Urs Strozynski sichtbar frustriert und enttäuscht am Ende der Bergwacht- Jahreshauptversammlung im Salzforum der Saline und setzte damit ein Zeichen. Die anwesenden Gäste, darunter Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner reagierten bestürzt und hatten Mühe, die richtigen Worte zu finden.

Was war passiert?

Die Reichenhaller Bergwacht hatte zur Finanzierung ihrer dringend notwendigen neuen Bergrettungswache unter anderem die Gemeinden in ihrem Zuständigkeitsbereich um Hilfe gebeten; jede sollte zehn Euro pro Einwohner beisteuern, damit das mit insgesamt rund 300.000 Euro veranschlagte Projekt gemeinsam realisiert werden kann. Der Plan wäre aufgegangen, doch nun fehlen 65.000 Euro, denn mit Ausnahme der Stadt Bad Reichenhall, die sogar mehr als die erbetene Summe in die Bergwacht investiert, war keine Gemeinde bereit, die notwendigen Geldmittel im erbetenen Umfang beizusteuern.

Aktuell haben die ehrenamtlichen Bergretter keine Perspektive mehr, ihr Ziel jemals zu erreichen, denn in rund vier Jahren sind ihre Reserven wegen der hohen Miete für ihre Notunterkunft in der Frühlingstraße alle aufgebraucht, es sei denn, sie würden dauerhaft und laufend Benefizveranstaltungen organisieren, bei denen Spenden für das Bauvorhaben gesammelt werden. Dass das nicht geht hat sich im letzten Jahr gezeigt. „Viele von uns haben die Belastungsgrenze erreicht. Neben dem ehrenamtlichen Bergwachtdienst mit über 50 Einsätzen, vielen Ausbildungen und Übungen auch noch regelmäßig große Spendenprojekte organisieren; da ist irgendwann bei allen die Luft raus“, sagt der freiwillige Projektleiter für den Neubau Marcus Goebel, der wegen der schwierigen Situation einen Rückgang der aktiven Mitglieder befürchtet, denn viele der ehrenamtlichen Bergwachtmänner und –frauen sind frustriert und sauer, wie mit ihnen umgegangen wird.

Die Frage nach dem Stellenwert der Bergwacht

„Jeder bekundet uns mit viel anerkennenden Worten seine Wertschätzung, aber jetzt, wo wir finanzielle Hilfe brauchen, greifen uns nur wenige unter die Arme. Wir hatten gehofft, dass wir von den Gemeinden stärker unterstützt werden und mehr wert sind als nur einen Euro pro Bürger. Es ist doch im Interesse der Gemeinden, dass wir auf ihrem Gebiet den Bergrettungsdienst gewährleisten“, meinte Strozynski erkennbar betroffen; es ginge hier um die Frage nach dem Stellenwert der Bergwacht. Bischofswiesen steuert zum Neubauprojekt kostenloses Bauholz bei, könne aber sonst nichts bezahlen, da auf dem Gemeindegebiet insgesamt vier Bergwachten tätig sind, die dann alle Forderungen stellen könnten. Bayerisch Gmain zahlt sechs Euro pro Bürger – „das sind 18.000 Euro und jede Menge Geld, für das wir sehr dankbar sind, aber leider einfach nicht genug für unseren Bau“, erklärt Strozynski. Schneizlreuth beteiligt sich mit einem Euro pro Einwohner, da die Gemeinde nach eigenen Aussagen zwar gern mehr helfen würde, aber derzeit einfach nicht mehr zur Verfügung habe.

Strozynski war vor allem aber aufgrund der ablehnenden Haltung der Gemeinde Piding erkennbar betroffen und sparte nicht mit Kritik: „Was mich persönlich furchtbar stört, ist die Art und Weise, wie mit uns Bergwachtleuten umgegangen wird. Auf Pidinger Gebiet haben wir jedes Jahr einen Haufen schwieriger Einsätze, oft mit schwer Verletzten, vor allem im Pidinger Klettersteig am Hochstaufen, der von der Gemeinde selbst betrieben und intensiv touristisch vermarktet wird.“ Die Bergwacht hatte die Pidinger Gemeinderäte und politisch Verantwortlichen angeschrieben und eingeladen, sich die derzeitige Raumsituation in der Frühlingstraße anzuschauen und nicht einmal eine Antwort bekommen. Nach vielen Versuchen ohne erfolgten Rückruf hatte es Strozynski endlich geschafft, Bürgermeister Hannes Holzner ans Telefon zu bekommen, doch das Gespräch war knapp und die Aussage klar: Es bestehe kein Interesse daran, dass die Bergwacht ihr Projekt dem Gemeinderat vorstellt. Mehr als einen Euro pro Bürger gebe es nicht. Strozynski ist enttäuscht: „Dieses ganze Vorhaben ist in meinen Augen so nicht mehr durchführbar. Wir planen kein Vereinsheim, sondern eine Bergrettungswache im Interesse der Verletzten, damit wir schnell und effizient Hilfe leisten können. Das geht in die Köpfe vieler nicht rein.“

65.000 Euro fehlen

Rund 60.000 Euro wurden bisher für den Neubau gespendet und über Benefizaktionen eingenommen. Von der Stadt Bad Reichenhall gibt’s fünf Euro Zuschuss pro Einwohner, ein kostenloses Baugrundstück auf Erbpachtbasis, Mietzuschüsse und die gebührenfreie Organisation des Benefizkonzerts der Bundeswehr Big Band. „Das sind über zehn Euro pro Einwohner, genauso viel wie wir brauchen“, dankte Strozynski Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, der sich in der Vergangenheit mehrmals intensiv für den Neubau der Bergwacht eingesetzt hatte. Der Landkreis steuert über die Landesstiftung zehn Prozent der Baukosten bei. Aktuell hat die Bergwacht damit 175.000 Euro für den Bau zusammen; jeweils 20.000 Euro sollen 2011 noch über weitere Spenden und Geldbußen dazukommen. 20.000 Euro wollen die Ehrenamtlichen mit Eigenleistung bei Planung und Bau einbringen. „Damit bleibt ein Restbetrag von 65.000 Euro offen. Die hätten wir uns von den Gemeinden erhofft“, bedauert Strozynski.

Auch die wochenlange Arbeit von Projektleiter Goebel an einem ausgefeilten Antrag auf eine INTERREG-Förderung der Europäischen Union, mit der die Hälfte des damals noch viel größer geplanten und mit 700.000 Euro veranschlagten Baus finanziert werden sollte, war umsonst, denn gefördert werden nur Pilotprojekte, und die erste und damit zugleich letzte gemeinsame bayerisch-österreichische Bergrettungswache steht schon, aber am Samerberg. Die Reichenhaller Bergwacht musste daraufhin ihren Bau- und Finanzierungsplanung kurzerhand komplett umwerfen, viele Abstriche machen, die Kosten neu schätzen, neue Pläne zeichnen und neue Angebote von Baufirmen einholen. Geblieben ist ein schlanker aber vernünftiger Zweckbau mit einer Doppelgarage, einem Mannschaftsraum, zwei Lagern, einem Einsatzraum, einem Ausbildungsraum, einer Küche und einem Besprechungsraum. Platz für die Geschäftsstelle der Bergwacht-Region und das Rechenzentrum der Bergwacht Bayern ist jetzt keiner mehr; aus Kostengründen fehlt auch ein Keller, dafür konnten die Kosten auf 300.000 Euro reduziert werden.

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz

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