Stimmen aus dem Berchtesgadener Land zur Landtagswahl

Von "wunderbarer Auftrag" bis "bitter"

+
Landrat Georg Grabner gratulierte Michaela Kaniber zu ihrer Wahl als Direktkandidatin für den Stimmkreis Berchtesgadener Land/Traunstein.

Berchtesgadener Land - Mit Spannung haben die Kandidaten am Sonntagabend auch im Berchtesgadener Land auf das Ergebnis der Landtagswahl gewartet. Die Reaktionen darauf waren verständlicherweise sehr unterschiedlich.

Sämtliche Ergebnisse zur Landtagswahl finden Sie hier.

Den Ticker vom Wahlabend zum Nachlesen gibt es hier.

"Das Ergebnis muss ich erstmal verdauen", sagte die heimische CSU-Landtagsabgeordnete und noch Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Damit meinte sie nicht ihr eigenes Ergebnis im Wahlkreis, sondern das bayernweite CSU-Ergebnis. Stand sie bei der ersten Reaktion Markus Söders in München noch neben ihm und schaute betroffen drein, konnte Sie bei ihrer Ankunft im Landratsamt Berchtesgadener Land schon wieder lächeln. Klar ging sie in jeder Gemeinde als Siegerin hervor. "Das ist ein wunderbarer Auftrag aus dem Stimmkreis. Jetzt müssen wir uns auf die Neuausrichtung der CSU konzentrieren und unsere Strukturen überdenken." Die meisten Anhänger hat die Ministerin in Schneizlreuth (53,19%), die meiste Konkurrenz in Laufen (34,99%).


Susanne Aigner und Kreisvorsitzender Roman Niederberger wollen weiter für die SPD kämpfen.

Das ist die Heimatstadt von SPD-Kandidatin Susanne Aigner und die einzige Gemeinde, in der der Polit-Neuling über 10 Prozent (10,40%) erreichen konnte. "Mit der Wahl kann man nicht zufrieden sein", erklärte sie gegenüber BGLand24. "Von der Bayern SPD ist man zwar ähnliche Ergebnisse gewohnt, aber ein einstelliges Ergebnis ist wirklich bitter." Trotzdem will sie ihr Engagement in der SPD fortsetzen. Das kündigte sie auch auf Facebook an: "Das Ergebnis ist weit von unseren Zielen entfernt, aber wir kämpfen weiter!"

Bernhard Zimmer ist mit seinem Wahlergebnis sehr zufrieden. Zieht er noch in den Landtag ein?

Sehr aktiv war auch der Grünen-Kandidat Dr. Bernhard Zimmer. Er postete auf Facebook: "BGL ist ausgezählt: Erststimmen 15,97% und Zweitstimmen 16,74%, damit sind wir deutlich zweitstärkste Partei im BGL." Für ihn sind somit seine beiden Wahlziele erreicht: "Die Grünen sind zweitstärkste Kraft in Bayern und ich habe mein Ergebnis der Bundestagswahl 2014 übertroffen", sagte er im Gespräch mit BGLand24. Seine Chancen, über die Oberbayernliste in den Landtag zu kommen, seien noch nie so groß gewesen wie heute. Allerdings werde er das erst im Laufe des Montags erfahren.


Er habe seinen Teil zum Erfolg der Freien Wähler beigetragen, freut sich Michael Koller.

FW-Kandidat Michael Koller ist sich sicher, dass es auch über die Oberbayern-Liste nicht reicht, aber mit seinem Ergebnis von 13,62 Prozent ist er sehr zufrieden: "Wir sind stark in Bayern vertreten, es ist ein tolles Ergebnis." Die Freien Wähler hätten ihr Wahlziel erreicht, "die CSU hat keine absolute Mehrheit mehr und ich habe meinen Teil dazu beigetragen." Vor allem im inneren Landkreis lag er immer um die 20 Prozent, in seiner Heimatgemeinde Berchtesgaden sogar bei 26,32 Prozent.

Barbara Paiva von der ÖDP freute sich, "dass generell so viele Wähler für die Themen Klima, Umweltschutz und Offenheit in Bayern ihre Stimme gesetzt haben! Ich bedanke mich bei allen, die für die ÖDP und damit für echten Umweltschutz, direkte Demokratie und ethische Wirtschaftspolitik stehen! Die 5% - Hürde und damit verbundene Befürchtung der verlorenen Stimme hält leider immer noch zu viele Wähler ab, letztendlich ihre Stimme der ÖDP zu geben." Paiva bekam 1,52 Prozent der Stimmen im Stimmkreis. Bei der Landtagswahl 2013 schaffte es Agnes Thanbichler auf 3,66 Prozent.

Für die FDP war der Wahlabend eine heftige Zitterpartie, auch für den Direktkandidaten Wilhelm Gschossmann. "Ich freue mich, dass wir im Landtag vertreten sind. Wenn es der FDP gelingt eine gute Arbeit dort zu leisten, kann man Stück für Stück auf einem Grundstock aufbauen", sagte er gegenüber BGLand24. Ihm selbst sei es nicht gelungen, mehr Berchtesgadener von dem FDP Programm zu überzeugen. 3,51 Prozent der Stimmen konnte er erreichen. "Dies ist für mich enttäuschend, aber ein Ansporn weiter zu machen. In vielen Wahlkampfgesprächen habe ich wertvolle Anregungen für die weitere Parteiarbeit bekommen und meinen Erfahrungsschatz ausgebaut, nachdem ich erst seit 11/2017 in der FDP bin."

"Wenn wir den Tag der Landtagswahl als Anlass nehmen, zurückzublicken, dann können wir sehr stolz sein, was wir in knapp einem Jahr alles geschafft haben", bilanzierte Maria Mayr von mut. "Im Juni 2017 wurde mut gegründet, dann hieß es Mitglieder, Direktkandidaten zu finden, das Ziel war in jedem Regierungsbezirk antreten zu können, dann in einem Turbo-Sprint über 8.000 Unterstützungsunterschriften gesammelt, und dann sofort in den Wahlkampf eingestiegen. Viele von uns sind Politik-Neulinge, aber mit Kreativität, Freude, großer Motivation und viel Mut haben wir Infostände, mut-Stammtische, mut-Spur Kabarett und vieles mehr auf die Beine stellt. (...) Aus dem Stand heraus auf 0,3% zukommen ist sehr gut, natürlich hatten wir auch auf mehr gehofft, aber egal wie viele Prozente - wir haben mut gegründet und sind zu mut gekommen, weil es uns um Werte geht, die in den letzten Jahren immer mehr verloren haben: Menschlichkeit, Menschenwürde, Solidarität, Respekt vor Mensch Tier und Natur, gesellschaftliche Vielfalt, soziale Gerechtigkeit. Diese Werte gilt es nach wie vor zu schützen und mehr denn je zu stärken. (...) Mut hat erst angefangen, mut wird (schnell) wachsen - davon bin ich - sind wir bei mut - überzeugt."

Die anderen Kandidaten von AfD, Linke und Bayernpartei waren am Sonntagabend nicht im Landratsamt Berchtesgadener Land. BGLand24 wird aber versuchen, sie am Montag noch für ein Statement zu erreichen.

Kommentare