JU informiert sich über Fischzucht

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Tobias Starnecker, Matthias Wich, Kreisvorsitzender Maximilian Lederer, Ortsvorsitzender Markus Hauke, Josef Landthaler, Jugendwart Rainer Stähler, Simon Seyfferth und Gewässerwart Christian Fries (von links).

Landkreis - Beim Besuch der Jungen Union bei einer Fischzucht wurde über die Probleme und Vorteile von Kleinwasserkraftwerken gesprochen.

Gewässerwart Christian Fries (links) zeigt den Mitgliedern der Jungen Union die Fischzuchtanlage des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee e.V.

Die Junge Union (JU) Berchtesgadener Land traf sich mit dem Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee e.V. zu einem Gespräch über die Hege und Verwaltung der Gewässer des Vereins und vertiefend zum Thema Realsierung von Kleinwasserkraftwerken. Jugendwart Rainer Stähler und Gewässerwart Christian Fries informierten die Delegation um JU-Kreisvorsitzenden Maximilian Lederer aus Surheim und JU-Ortsvorsitzenden Markus Hauke aus Marktschellenberg. Gewässerwart Christian Fries zeigte der CSU-Jugendorganisation die Fischzuchtanlage am Kainbach in Unterau. In fünf Jahren Bauzeit und unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz in über 18.000 Arbeitsstunden wurde die Vereinseigene Fischzuchtanlage im Jahr 2012 eingeweiht. Insgesamt werden mehr als 120.000 Fische pro Jahr für Gewässer im gesamten Nordalpenraum aufgezogen.

Bei der Aufzucht hat sich der Verein auf Regenbogenforelle, , Bachforelle und Seesaibling spezialisiert. Der Seesaibling ist mittlerweile sogar vom bayerischen Land- und Forstwirtschaftsministerium zertifiziert worden. Mit ungefähr der Hälfte der Aufzucht in allen Größenordnungen werden die gepachteten Gewässer des Vereins je Jahr besetzt. In 2011 erfolgte erstmals der gesamte Besatz aus eigener Aufzucht. Der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee zählt derzeit über 200 Mitglieder und davon sind 31 Jugendliche als Jungfischer im Verein aktiv. Die gepachteten Gewässer sind Hintersee, Ramsauer-, Königsseer-, Berchtesgadener- und Bischofswieser Ache, sowie deren Nebenbäche. Für diese Gewässer trägt der Verein besondere Fürsorge und ist laut Gesetz auch zur Hege dieser Gewässer verpflichtet. Jugendwart Rainer Stähler erklärte, dass die Vereinsmitglieder pro Jahr knapp 1.500 ehrenamtliche Stunden aufwenden, um die Gewässer zu pflegen und mit neuem Fischbesatz zu versorgen. „Wir machen Besatz mit Hirn und dieser Besatz darf nicht nur dem Fang dienen“, führte Rainer Stähler aus und verwies auf die Bedeutung der Fische für die Gewässerökologie. So wird auch mit dem Jugendprojekt „Brutbox“ die natürliche Population unterstützt. Bei einer Fischzählung im Juli 2011 stellte das neutrale Landesamt für Umwelt fest, dass in den Gewässern die notwendige Alterspyramide mit einem überwiegenden Anteil an Kleinfischen zu größeren Fischen zu finden ist und damit der ökologische Zustand als gut zu bezeichnen ist.

In diesem Zusammenhang erwähnte Stähler auch die Herausforderungen für Fische in den Gewässern. In freier Natur brauchen Fische zusammenhängend Kieslaich-, Jungfisch- und Erwachsenenfischbereiche, sowie Winter- und Hochwassereinstand. „Für den Fisch ist es wichtig, dass diese Bereiche viel Schutz und viel Fressen bei wenig Kraftaufwand bieten“, sagte Stähler. „So manche Flussbauliche Maßnahme widerstrebt unserem Interesse zum Schutz der Fischpopulation“, sagte Rainer Stähler und zeigt sich kritisch gegenüber Kleinwasserkraftwerken. Wasserkraftwerke mit Altrechten seien dabei gesondert zu betrachten.

Mit Nachdruck stellte er klar, dass die Fischer Wasserkraftwerke an bestehenden Querverbauungen befürworten, wenn dadurch Behinderungen in den Gewässern für die Fischwanderwege aufgelöst würden. „Doch so manches neue Kleinwasserkraftwerk diene weder dem Gemeinwohl noch der Fischpopulation, wenn es zudem noch in oder unter einem Fischlaichgebiet geplant ist“, meinte der Jugendwart des Fischereivereins. Im Wasserhaushaltsgesetz sei die Mindestwasserführung und Durchgängigkeit gesetzlich verankert, doch viele Wasserkraftwerke entziehen den Flüssen und Bächen zu viel Wasser, welches dann speziell in Laichzeiten im Herbst und in den Wintermonaten fehle und die Gewässer für Fische schwer durchgängig mache, so Stähler.

Beispielsweise bräuchte eine Bachforelle eine Mindestwasserhöhe von 20 cm, um zu wandern und damit dem Ziel des Fischaufwuchses in den Gewässern gerecht zu werden. JU-Kreisvorsitzender Maximilian Lederer fragte nach, wie der Fischereiverein das geplante Wasserkraftwerksprojekt am Hintersee beurteile. Dazu erläuterte Rainer Stähler, dass zweifellos durch den Bau und Betrieb eines Wasserkraftwerkes ökologische Schäden an dem Fließgewässer sowie an den Fischbeständen verursacht werden. Andererseits sei damit der Seespiegel dauerhaft nivelliert und durch den Einbau einer Fischtreppe kann erstmalig eine Verbindung und damit ein „Nachwuchsgebiet“ zwischen Hintersee und Ramsauer Ache entstehen.

Daher sehe der Fischereiverein nach Abwägung aus fischereilichen und gewässerökologischen Gesichtspunkten keine dringenden Gründe für eine mögliche Ablehnung des geplanten Bauvorhabens. Zum aktuellen Stand des Verfahrens liegen keine Informationen vor. Abschließend bedankte sich der JU-Kreisvorsitzende Maximilian Lederer für das sehr informative Gespräch und erklärte, es sei von großer Bedeutung, dass sich die JU sowohl mit Kraftwerksbetreiber als auch jetzt mit dem Fischereiverein über Wasserkraftwerke ausgetauscht habe. „Um die Energiewende zu schaffen, müssen wir alle Kräfte und Interessen bündeln, sowie Kompromisse eingehen“, betonte Maximilian Lederer.

Pressemeldung Junge Union Berchtesgadener Land

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