Große Ehren für das BRK

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Berchtesgadener Land - Höchste Auszeichnung für das BRK im Landkreis: Für über 20 Jahre geleistete Ungarnhilfe wurde der Kreisverband nun mit dem großen Sternorden ausgezeichnet.

Der Präsident des Ungarischen Roten Kreuzes (URK), Georg von Habsburg, hat dem BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land für seine über 20-jährige Ungarnhilfe den großen Sternorden verliehen. BRK-Kreisgeschäftsführer Tobias Kurz und sein Vorgänger Edi Schmid nahmen die höchste Auszeichnung des URK im Rahmen einer großen Ehrungsfeier im ungarischen Dunakilitis stellvertretend für alle heimischen BRK-Helfer entgegen. Wie der URK-Präsident in seiner Laudatio betonte, wird dieser selten vergebene Orden dem BRK im Berchtesgadener Land für seine außerordentliche Unterstützung des URK im Komitat Zala überreicht.

Partnerschaft als Dank für aktive Hilfe bei DDR- Grenzöffnung Am 24. September 1991 hatten die Oberbayerischen BRK-Kreisverbände als Dank für die aktive Hilfe der Ungarischen Bevölkerung anlässlich der bevorstehenden Grenzöffnung zur früheren DDR eine Art Partnerschaft für 20 ungarische Rotkreuzverbände übernommen. Seit dieser Zeit besteht eine intensive Freundschaft zwischen dem Roten Kreuz im Komitat Zala und dem BRK im Berchtesgadener Land. Das Komitat Zala liegt westlich vom Plattensee und hat rund 300.000 Einwohner; überregional bekannt ist es durch die Badeorte Heviz, Zalakaros und Lenti. Es gibt dort zehn Städte und fast 250 Siedlungen, die alle vom URK betreut werden. Das ganz normale Leben in der Region wird immer schwieriger, denn es gibt fast 16 Prozent Arbeitslose; nur zehn Prozent der Bevölkerung sind finanziell abgesichert, 60 Prozent haben ein mittleres Einkommen und rund 30 Prozent leben in großer Armut. Ungarn ist zwar ein EU-Land, doch die Mehrheit der Bevölkerung ist vom so genannten europäischen Wohlstand weit entfernt. Mit mittlerweile 27 Prozent Mehrwertsteuer hat Ungarn den höchsten Satz in der Europäischen Union erreicht. Die Durchschnittsrente liegt bei monatlich 300 Euro, die Mindestrente bei 100 Euro. Nur fünf Prozent der Bevölkerung sind finanziell abgesichert. 50 Prozent haben ein mittleres Einkommen und 45 Prozent leben in Armut und müssen vom Roten Kreuz unterstützt werden. Es gibt sehr viele Dörfer mit alten und alleinstehenden Bewohnern.

Vielfältige Hilfe für verarmte Menschen Das Ungarische Rote Kreuz (URK) im Komitat Zala unterhält deshalb sechs Obdachlosenheime für arbeitslose Familien, für Männer, die sich keine Wohnung mehr leisten können und nur im Heim übernachten dürfen und eigene Frauenheime, wo Frauen mit ihren Kindern wohnen und arbeitslose Frauen untergebracht sind. Insgesamt werden vom URK täglich rund 250 Menschen betreut. Im Winter, wenn es auf der Straße lebensfeindlich wird, sind es über 600 Personen, die trotz der Kälte auf der Straße leben und mit dem Nötigsten, wie Kleidung, Essen und Tee versorgt werden. Für diese Brückenschläfer stellt das URK zusätzlich Unterkünfte und Verpflegung für zur Verfügung. In zwei Städten gibt es so genannte Volksküchen, wo verarmte Menschen einmal pro Tag Essen bekommen. Als neue Einrichtung wurde in Zalazentgrot eine Tagespflege für 20 Behinderte und psychisch Kranke eröffnet, die werktags betreut werden. Als weitere Dienste betreibt das URK Zala in 73 Dörfern 530 Geräte für den Hausnotrufdienst, sammelt jährlich 15.000 Blutkonserven, bietet Erste-Hilfe-Ausbildungen und Erste-Hilfe-Wettbewerbe für Kinder und Jugendliche an, unterhält in vielen Orten Kleiderkammern, verleiht Pflegebetten im Rahmen seines ambulanten Pflegedienstes und verteilt gespendete Hilfsgüter an verarmte Menschen.

Über 80 Hilfsgütertransporte in 20 Jahren In den vergangenen 20 Jahren haben die Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes in Bad Reichenhall und Berchtesgaden viele Hilfsgüter gesammelt und in über 80 Lastfahrzeugen zum URK im Komitat Zala transportiert: Sehr große Mengen an Kleidern und Möbeln, Haushaltsgeräte, Medizingeräte, Elektrogeräte, Pflegebetten, Kinderspielsachen und viele andere brauchbare Dinge des täglichen Lebens. Viele gut erhaltene, aber in Deutschland ausgemusterte Fahrzeuge wurden überstellt, darunter Kranken- und Behindertentransporter. Die BRK-Wasserwacht Berchtesgadener Land bildete Rettungsschwimmer am Plattensee aus. Ein Berchtesgadener Lehrer-Ehepaar unterrichtete Kinder in einem ungarischen Dorf in deutscher Sprache. Im Berchtesgadener Land wurden Arbeitsplätze für ungarische Beschäftigte vermittelt. Für schwer Kranke aus Ungarn konnten in deutschen Kliniken und bei Spezialärzten Behandlungen und Operationen organisiert werden. Das örtliche Jugendrotkreuz (JRK) organisierte internationale Treffen mit ungarischen, slowenischen und deutschen Jugendlichen.

Viele engagierte ehrenamtliche Helfer „Sehr aktiv und außerordentlich engagiert waren besonders in der Anfangszeit der Ungarnhilfe die mittlerweile verstorbenen BRK-Mitarbeiter Niko Kießling und Harry Schrenk. Kießling war früherer Sachgebietsleiter beim BRK und dann Geschäftsführer der Bergwacht Chiemgau, Schrenk ehrenamtlicher Helfer aus Laufen“, erinnert sich Edi Schmid. Während der letzten Jahre haben sich viele weitere Ehrenamtliche der örtlichen BRK- Bereitschaften sehr intensiv für Ungarn eingesetzt, darunter Horst Sobotta, Ludwig Koller, Siegi und Kathi Eisl und Edi Schmid. „Unterstützt werden wir immer wieder von freiwilligen Helfern aus den Kreisen der Blutspender, der Bergwacht, der Wasserwacht und des Deutschen Alpenvereins in Bad Reichenhall, die hilfsbereit zur Seite stehen, um die Hilfsgüter für die ungarische Bevölkerung zu sammeln und zu transportieren“, freut sich Schmid. Die BRK-Bereitschaft Bad Reichenhall hat im vergangenen Jahr aus dem Erlös einer Benefizveranstaltung und mit Unterstützung eines befreundeten Vereins aus Berchtesgaden 2.250 Euro für die Kinder und Bewohner der Obdachlosenheime gespendet. Bereitschaftsleiter Florian Halter machte sich bei der Scheckübergabe persönlich ein Bild von den schwierigen Verhältnissen, unter denen die Menschen im Komitat Zala leben. „Ich und meine Helferschar werden weiterhin ausgesuchte, brauchbare Hilfsgüter für das URK Zala sammeln, denn die Menschen dort brauchen dringend unsere Hilfe!“, erklärt Schmid.

ml/BRK BGL

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