Verkehr bleibt für Klima kritisch

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Berchtesgadener Land - Mit der beschlossenen Erarbeitung eines Klimaschutzkonzepts wird das Ziel verfolgt, den Energiebedarf bis 2030 ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu decken.

Der Einladung des Landkreises zur Auftaktveranstaltung im Landratsamt folgten kürzlich über 120 „Energieakteure“ wie Unternehmer, Energieberater, Gemeinde- und Verbandsvertreter sowie Bürgerinnen und Bürger. Nach drei Stunden intensiver Diskussion in den Arbeitsgruppen wurden über 15 konkrete Maßnahmenideen in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität entwickelt, die in der Folge aufgegriffen und umgesetzt werden sollen.

Beeindruckende Motivation

Landrat Georg Grabner zeigte sich beeindruckt von der Motivation, mit der sich die Teilnehmer in die Diskussionen der vier Arbeitsgruppen „Rund ums Haus“, „Energiemanagement in Unternehmen“, „Regionale erneuerbare Energieerzeugung und -versorgung“ sowie Mobilität einbrachten. Zu Beginn stellte er die bisherigen Erfolge im Landkreis heraus und appellierte, dass sich die Energiewende und Anstrengungen zum Klimaschutz nur gemeinsam mit allen beteiligten Gruppen der Region meistern lassen.

Königssee Schifffahrt

Diese Einschätzung konnten Michael Wedler und sein Team von B.A.U.M. Consult München, beauftragt mit der Konzepterstellung, bestätigen. Im ersten, zeitintensiven Arbeitsschritt hat das Unternehmen seit April von den Gemeinden, Fachverwaltungen und Energieversorgungsunternehmen umfangreiche Daten erhoben, um zunächst für den Landkreis eine Energie- und CO2-Bilanz sowie eine Potentialanalyse zu erheben.

Bei der Vorstellung seiner Zwischenergebnisse zu Energiebilanz und Potenzialanalyse zeigte sich, dass die Energieverbräuche der öffentlichen Liegenschaften nur wenige Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der Region ausmachen. Deren vorbildliche Entwicklung in Sachen Energieeinsparung und Einsatz erneuerbarer Energie dient vielmehr als wichtiges Vorbild und Anlass für die örtliche Handwerkerschaft, sich auf neueste und kommende Anforderungen der energetischen Gebäude-Optimierung einzustellen.

Verkehr ist immer noch das Problem

Schwergewichte des Energieverbrauchs sind die Haushalte – vor allem mit ihrem Wärmebedarf – und die Wirtschaft. Beide Sektoren zeigten in den letzten zehn bis 20 Jahren sinkende Energieverbräuche. Anders sieht es im Bereich Verkehr aus: Hier ist der Verbrauch seit 1990 um 13 Prozent gestiegen.

Königssee Schifffahrt

Aus der Untersuchung der realisierbaren Einspar-, Effizienz- und Erzeugungspotenziale, die er gemeinsam mit Herrn Prof. Bernhard Zimmer vom Bayerischen Institut für nachhaltige Entwicklung erarbeitet hat, stellte Wedler Szenarien für das Jahr 2035 vor. Danach ist bilanziell eine Deckung des regionalen Strombedarfs aus heimischen erneuerbaren Energien mehr als möglich (130 Prozent hauptsächlich Ausbau von Wasserkraft, Fotovoltaik und einigen Windkraftanlagen). Im Wärmebereich kann bei erheblichen Einsparungen um 40 Prozent durch Gebäudesanierung die Hälfte des künftigen Bedarfs aus heimischen Energiequellen gedeckt werden (Biomasse, Solarthermie und Erdwärme).

Königssee-Schifffahrt vorbildlich

Im Verkehrsbereich gibt es kaum Potenzial zur eigenen Versorgung. Mit einem forcierten Einsatz von Elektroantrieben können Stromüberschüsse genutzt werden. Die Königssee-Schifffahrt praktiziert dies bereits erfolgreich. Auch der Umstieg auf mehr öffentliche Verkehrsmittel sollte in einer ländliche Region wie dem Berchtesgadener Land ebenfalls möglich sein.

Die von den Teilnehmern erarbeiteten Maßnahmenvorschläge zeigen die Richtung: es werden flexible bedarfsgerechte Angebote benötigt. Auch Gäste werden dies nutzen, wenn es bequem mit einer Tourismuskarte über die Kurtaxe läuft.

Für die Unternehmen und Haushalte sollen systematisch aufeinander abgestimmte Angebote, Informationen und Beratungsangebote helfen, die Effizienz- und Einsparpotenziale ausfindig zu machen und gerade wirtschaftliche Möglichkeiten aufzuzeigen. Profitabler Klimaschutz ist die Devise.

Die verschiedenen Projektideen werden über die Sommerpause von allen Beteiligten weiterentwickelt und in der zweiten Regionalkonferenz am 11. Oktober abschließend in das Klimakonzept eingebracht. Ende 2012/Anfang 2013 wird der Konzeptentwurf dem Kreistag vorgestellt werden können.

bit

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