Junge Union erstellt Energieatlas

Landkreis - Geothermie, Biomasse oder Windenergie - was passt zu Berchtesgaden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die JU in ihrem Energieatlas.

„Es ist Zeit, dass sich die junge Generation der Herausforderung und Verantwortung zur Energiewende annimmt.“ Mit diesen Worten beginnt der Energieatlas der Jungen Union (JU) Berchtesgadener Land, welcher vor allem die Bereiche Erzeugung, Speicherung und Transport thematisiert. „Wir wollen durch den Energieatlas das Bewusstsein in der Bevölkerung im Landkreis schärfen, wo überall noch mögliche Potentiale zur Energieerzeugung sind“ erklärt JU- Kreisvorsitzender Maximilian Lederer aus Surheim zusammenfassend und weist darauf hin, dass Deutschland durch den Atomausstieg eine weltweite Vorbildfunktion in der regenerativen Energieerzeugung habe.

Der Hauptbereich des JU-Energieatlas ist der Punkt „Erzeugen“. Die JU erläutert ausführlich die Potentiale von Wasserkraft-, Geothermie-, Biomasse-, und auch Windenergienutzung. „Die Wasserkraft ist eine der am längsten genutzten Energien der Welt, da bereits Griechen und Römer vor tausenden Jahren dieses Potential erkannten“, erklärt Andreas Thanbichler aus Laufen, der für das Gebiet Wasserkraft im Energieatlas zuständig ist. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde bereits Sole von Bad Reichenhall nach Traunstein gepumpt, deutet Andreas Thanbichler die geschichtliche Bedeutung für unseren Landkreis an. Die JU ist der Meinung, dass es im Berchtesgadener Land an kleineren Fließgewässern, wie Sur, Stoißer Ache oder Königsseer Ache, noch Potentiale zur Energieerzeugung vorhanden sind, weshalb kleinere Wasserkraftanlagen gefördert und genutzt werden sollten. Kreisrat Sven Kluba wies darauf hin, dass im Bereich der Saalach erhebliches Potential für die Energieerzeugung aus Wasserkraft liegt. Bereits jetzt wird für das Stahlwerk Annahütte mehr als ein Drittel der benötigten Energie aus Wasserkraft generiert, so Kluba weiter. In einer sehr differenzierten Sachlichkeit beleuchtet der Energieatlas ein mögliches Wasserkraftwerk an der Salzach zwischen Freilassing und Laufen.

„Die JU BGL spricht sich ganz klar für ein Kraftwerk an der Salzach aus, welches ökologisch und ökonomisch am sinnvollsten ist“, stellt JU-Kreisvorsitzender Maximilian Lederer heraus und erklärt: „Die Vorteile des Salzachkraftwerks wären erstens eine langsamer fließende Salzach, wodurch ein Sohldurchbruch verhindert werden kann, zweitens die Erhöhung des Grundwasserspiegels, wodurch die nebenliegenden Altwasser wieder reaktiviert werden könnten, und vor allem drittens der Erhalt von über 50 Hektar Auwald, die im Zuge einer Salzachrenaturierung unwiederbringlich zerstört werden.“

Im Bereich Windenergie kann sich die JU auch eine Nutzung im Berchtesgadener Land vorstellen. Die CSU-Jugendorganisation schließt jedoch Windräder im Nationalpark aus, da es für sie logistisch und wirtschaftlich schwierig erscheint im südlichen Landkreis Windenergie zu nutzen. „Windräder haben eine ebenso historische Bedeutung für unsere Kultur wie die Wasserkraft“, verdeutlicht Maximilian Amort aus Unregelmäßigkeit der Windenergieerzeugung, so der Berchtesgadener, der den Ausbau der Infrastruktur zur optimalen Einspeisung und Nutzung deshalb für unerlässlich hält. Nach Ansicht der Kreis-JU könnten im nördlichen Landkreis durchaus Windräder gebaut werden, wenn die politischen Rahmenbedingungen passen und die Bevölkerung in den Entscheidungsprozess mit eingebunden wird. Landwirtschaftsmeister Thomas Reiter-Hiebl führt den Bereich Biomasse im Energieatlas aus. Deutschlandweit liegt die Stromerzeugung durch Biomasse bei 5,2 Prozent und im Landkreis bei 5,3 Prozent der Gesamtstromerzeugung. „Im Berchtesgadener Land teilt sich die Biomasse in zwei Verfahren auf“, erklärt der Freilassinger Landwirt und weist auf die Biomasseheizkraftwerke, welche mit Holz oder Pflanzenöl betrieben werden, und die Biogasanlagen, welche mit Gras, Getreide und Mais betrieben werden, hin. Größter Vorteil beider Verfahren ist, dass sowohl Strom als auch Wärme erzeugt Hackschnitzelnachfrage im Landkreis nach Ansicht von Reiter-Hiebl auf sehr hohem Niveau, welches aber durch das Angebot noch gedeckt werde. Er rät deshalb vom Bau weiterer großer Hackschnitzelkraftwerke ab, da bei einem jährlichen Durchschnittszuwachs von zehn bis 14 Kubikmeter Holz Angebotsdefizit entstehen könnte. Wichtig sei es, dass heimische Hölzer in dezentrale, heimische Anlagen kommen, so Reiter-Hiebl. Das gleiche gilt nach Ansicht der JU Berchtesgadener Land auch für Biogasanlagen, für die Acker- und Berchtesgaden. Unterschied zur Wasserkraft sei aber die werden kann. Derzeit liegt die pro Hektar ein  Grünflächen im Umkreis ca. zehn Kilometern zur Verfügung stehen sollten. „Je weiter weg die Flächen liegen, desto weniger rentabel und CO2 einsparend wird die Biogasnutzung, da viel Zeit und Sprit auf der Straße liegen bleibt“, so der Landwirtschaftsmeister. Biomasse kann nach Meinung der JU nur in diesen Teilen unseres Landkreises betrieben werden, in denen genügend Flächen zur Verfügung stehen. Wenn dies der Fall ist, kann die Forst- und Landwirtschaft hier CO2 einsparen und dadurch die Umwelt schonen.

18 Mio. Kilowattstunden Solarstrom werden derzeit schon im Berchtesgadener Land erzeugt. Photovoltaikanlagen auf bis zu 30 Mio. Kilowattstunden zu steigern“, zeigt sich JU- Kreisvorsitzender Maximilian Lederer sicher, schließt aber große Freiflächenanlagen aus. „Wir sollten unsere Flächen landwirtschaftlich nutzen und Photovoltaikanlagen zu pflastern“, sagte Thomas Reiter-Hiebl. Um das Ziel zu erreichen schlägt die JU unter anderem vor, dass beispielsweise Parkplätze mit Photovoltaikdächern Bundesstraßen und Autobahnen errichtet werden, und staatliche Zuschüsse, sowie zinsgünstige Kredite nur für Privathaushalte weitergeführt werden. Doch nicht nur bei der Stromerzeugung, sondern auch bei der Wärmegewinnung spielt Solarenergie eine große Rolle. Nach Ansicht der JU sollten zukünftig möglichst viele Häuser mit einer Solaranlage ausgestattet sein, da der Wirkungsgrad hier bei bis zu 75 Prozent liegt. „Ein interessantes Beispiel hierzu ist ein Wohnblock in Laufen, der durch eine 156 Quadratmeter große Kollektorfläche zwölf Wohnungen das ganze Jahr mit Wärme versorgt“, erläutert Andreas Thanbichler. „Ziel muss und kann es sein,überdacht werden, Photovoltaiklärmschutzwände.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Energiewende betrifft die Speicherung von erzeugter Energie. Schwankende Einspeisungen aus Wind- und Solarenergie müssen aufgenommen und verarbeitet werden. Laut JU Berchtesgadener Land ist es zwingend notwendig, die Speicherung von Energie auszubauen und wirtschaftlicher zu gestalten. Aufgrund zu geringer Subventionen für die Erforschung von Speichermöglichkeiten der Wind- und Solarenergie ist man derzeit noch vollkommen auf Pumpspeicherkraftwerke angewiesen. Wenn es nach dem Willen des JU- Kreisvorsitzenden Maximilian Lederer geht, kann deshalb auch im Landkreis ein Pumpspeicherkraftwerk oder Gasspeicherkraftwerk entstehen. Oberstes Ziel muss es sein, dass ein Zusammenspiel zwischen Ökologie und Ökonomie gegeben ist, so Kreisrat Lederer.

Simon Seyfferth aus Surheim führte den Punkt Energietransport im Energieatlas aus. Er stellt fest, dass das deutsche Stromnetz komplex und schwer steuerbar sei. Regenerative Energiequellen, wie z.B. Photovoltaik und Windkraft, können mit ihren Schwankungen zu Stromausfällen führen, da stets ein Gleichgewicht zwischen Stromentnahme und -zuführung im Netz herrschen muss. Hinzu kommt noch, dass Strom über weite Strecken transportiert werden muss und bisher noch zu wenig installierte Speichertechnologien Schwankungen ausgleichen können. Nach Ansicht der JU Berchtesgadener Land kann zukünftig ein solcher Angebot-Nachfrage-Ausgleich über ein intelligentes Stromnetz, ein sog. Smart-Grid, welches mittels Kommunikationstechnologien Speicherkraftwerken, regelbaren Energieerzeugern und Verbrauchern, die Erzeugung und vor allem die Entnahme von Strom beeinflussen und regeln kann, erfolgen. „Eine unflexible Marktdynamik der deutschen Stromanbieter und Netzbetreiber, sowie fehlende effiziente Speichertechnologien erschweren den Netzumbau zusätzlich“, meint Simon Seyfferth. „Möglichen Veränderungen stehen jedoch noch der illiberale Strommarkt und die Inflexibilität der Netzbetreiber im Weg, sodass die Umstrukturierung nicht nur an technischen und wirtschaftlichen Problem scheitern kann“, befürchtet Seyfferth.

„Wie die Zusammenstellung in diesem Energieatlas zeigt, ist die Energiewende ein äußerst komplexes und sensibles Thema“, sagt JU-Kreisvorsitzender Maximilian Lederer abschließend, “und die Junge Union Berchtesgadener Land bekennt sich zur Energiewende kompromissbereit, denn es wird ein gesamtgesellschaftlicher Konsens mit vereinten Kräften von Nöten sein, um das deutsche Großprojekt Energiewende zu stemmen.“ Den Energieatlas findet man unter www.ju-bgl.de im Internet. mit erneuerbaren Energien und erklärt sich jederzeit.

Pressemitteilung JU-Kreisverband

Rubriklistenbild: © dpa

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