"Leuchtturmprojekt mit Vorbildfunktion"

Bio-Braugerste von Berchtesgadener Feldern

Berchtesgadener Land - Die Biosphärenregion und die Brauerei Wieninger stellen ein gemeinsames Projekt vor. Staatsministerin Michaela Kaniber spricht von einem Pilotprojekt für Bayern.

Der Aufbau und die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Hebung der Lebensqualität. Ein gemeinsames Projekt der Biosphärenregion Berchtesgadener Land und der Brauerei Wieninger zeigt nun am Beispiel der Bio-Braugerste wie die Idee „Aus der Region. In der Region. Für die Region“ erfolgreich umgesetzt werden kann. Landwirte aus der Region bauen das Getreide hier an, ein Teisendorfer Betrieb verarbeitet und lagert es, die Brauerei Wieninger verwendet es als Rohstoff zur Herstellung des Bieres, dass in der Region vermarktet wird. 


Zu der Vorstellung des Projektes bei der Brauerei war neben den Akteuren auch Staatsministerin Michaela Kaniber gekommen, die von einem „Pilotprojekt zum Aufbau einer regionalen Öko-Wertschöpfungskette“ und einer „Blaupause auch für andere Regionen Bayerns“ sprach. Gerade in Krisenzeiten, wie jetzt durch Corona, habe sich gezeigt, wie wichtig die heimische Produktion zur Versorgung der Bevölkerung auch bei Lebensmittelprodukten sei. Sie freue sich, dass Initiativen wie dieses Projekt „Öko- Landbau und Regionalität leben und voranbringen“. Es sei wichtig, dass in einem bayerischen Bier „dem bayerischen Produkt per excellence“ auch Rohstoffe aus Bayern sind. Bei Braugerste, einer „unterschätzten Fruchtart“ sei dies nicht immer der Fall, da derzeit rund 70.000 Hektar Anbaufläche in Bayern fehlen würden. Auch deshalb seien Initiativen wie die vorgestellte für die heimische Bierproduktion wichtig und für die Landwirte eine Chance. Sie freue sich, dass mit der Biosphärenregion und der Brauerei Wieninger zwei für Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagierte Institutionen hierfür erfolgreich eintreten. Anwesend waren auch die Vertreter der Gemeinden Teisendorf (3. Bürgermeister Georg Quentin) und Saaldorf-Surheim (2. Bügermeister Maximilian Lederer. Es sei für die ganze Gemeinde etwas Besonderes, einen Betrieb zu haben, der nicht nur gutes Bier braut, sondern sich auch ökologisch voll engagiert, so Qunetin in seinem Grußwort. 

„Die Wiederbelebung des Braugetreideanbaus im Rupertiwinkel und der Einsatz dieser lokalen Rohstoffe für unsere Braumeisterbiere“ sei für ihn eine „schöne und wichtige Gesamtidee“ und für sein Unternehmen ein „spannendes Projekt“. Begonnen habe es vor einigen Jahren mit dem „Hoamat Weißbier“, bei dem erstmals der Laufener Landweizen als regionaler Rohstoff verwendet wurde. „Der Spaß, den wir dabei hatten, die netten Leute mit denen uns dieses Projekt zusammengebracht hat und letztendlich auch der Erfolg des Hoamat Weißbieres, haben uns motiviert, das Ganze ein bisschen größer zu denken.“ Mit Braumeister Bernhard Löw, der den Werdegang des neuen Projekte gemeinsam mit Dr. Peter Loreth, dem Leiter der Biosphärenregion vorstellte, habe er einen überzeugten und kompetenten Mitstreiter, mit der Biosphärenregion einen wichtigen Partner zur Umsetzung gefunden. Nicht zuletzt freue es ihn, dass es durch den großen Einsatz der Projektmanagerin Karin Heinrich von der Biosphärenregion gelungen sei, eine richtige „kleine Familie“ aufzubauen, mit engagierten Landwirten, wie die anwesenden Erich Maier, Bernhard Rehrl, Matthias Auer, Josef Berger, Martin Öttl, Philipp Lindner, Dienstleistern wie Philipp Strohmeier, Beratern wie Naturland und Abnehmern wie die Brauerei Wieninger und iher Kunden.


Idee bereits seit 2018

„Die Idee zu dem Braugersten-Projekt keimte bereits im Dezember 2018, als bei einer Veranstaltung zum Laufener Landweizen und dem Hoamat Weißbier Biosphärenregion und Brauerei über eine mögliche Kooperation zur Produktion von weiterem heimischen Getreide für die Wieninger Bio-Biere nachgedacht haben“ so Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion. Nach einem ersten Treffen zwischen Braumeister Helmut Löw und Projektmanagerin Karin Heinrich gab es bereits im Januar 2019, mit Unterstützung von Naturland Fachberater Thomas Neumaier, eine Fachveranstaltung zum regionalen Bio- Getreideanbau – die ersten interessierten Erzeuger waren gefunden. Es folgte ein Bio- Gerstenfeldtag im Juli und in der Folge im August 2019 die Gründung des Erzeugerkreises für heimische Bio-Braugerste, dem aktuell sieben Bio-Bauern angehören, davon fünf aus dem Berchtesgadener Land, einer aus dem Landkreis Traunstein und ein weiterer aus dem nahen österreichischen Flachgau. Sie haben in diesem Jahr insgesamt knapp 23 Hektar Bio-Braugerste angebaut, davon sind knapp 18 Hektar Sommergerste der Sorte Planet und als Versuchsanbau rund fünf Hektar Bio-Winterbraugerste in Öko- Qualität, Sorte KWS Liga. Diese Sorte hatte sich im Versuchsanbau gut bewährt. „Wintergerste ist generell ertragssicherer und könnte langfristig unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen stabiler angebaut werden“, so Loreth. 

Mit dem Anbau allein ist es aber noch nicht getan. Die produzierte Gerste sollte auch möglichst ortsnah verarbeitet werden, um lange Wege zu vermeiden. Dazu ist es gelungen die Surmühle in Teisendorf zu gewinnen, die die Bio-Gerste reinigen und lagern wird. Vermälzt wird das Getreide in Riedenburg, weil es vor Ort noch keine entsprechende Einrichtung gibt, bevor es wieder zurück in die Surmühle kommt, wo es bis zur Verwendung zwischengelagert wird. „So ist sichergestellt, dass genau das bei uns angebaute Getreide im Bier landet und auf dem Weg vom Feld in die Brauerei keine Vermischung mit anderen Anbauregionen stattfindet“, so Braumeister Bernhard Löw. 

Für die Biosphärenregion ist die Kooperation mit der Teisendorfer Brauerei ein „Leuchtturmprojekt mit Vorbildfunktion“. „So wie wir hier zusammen sind, verantwortungsbewusste Landwirte, Ernährungshandwerk und Unternehmen und politische Entscheidungsträger, ist es ganz im Sinne der UNESCO. So wird Biosphäre zum Erfolgsprojekt und zum Erfolgsfaktor für unsere Region“, war Peter Loreth überzeugt. Die Pläne für die Fortsetzung des Projektes stehen bereits fest. Der Erzeugerkreis ist offen. Bio-Landwirte aus der Region, die auch mitmachen möchten, können sich jederzeit bei der Brauerei oder bei der Biosphärenregion melden.

-Kon-

Rubriklistenbild: © Monika Konnert

Kommentare