Unfallstatistik: 2011 absolutes Ausreißerjahr

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Schülerlotsen-Ausbildung in Ainring.
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Berchtesgadener Land - Die jüngst veröffentlichte Statistik über Straßen-Verkehrsunfälle mit Kindern bis 14 Jahren stammt aus dem Jahre 2011 - einem echten Ausreißerjahr.

Das teilte der Vorstand der Kreisverkehrswacht Berchtesgadener Land, Peter Starnecker, am 60. Geburtstag der Schülerlotsen unserem Portal BGLand24 auf Anfrage mit: „2011 war in jeder Hinsicht ungewöhnlich, nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland“. Die jüngst veröffentlichte Unfallstatistik, in der vor allem die Stadt Rosenheim, aber auch das Berchtesgadener Land nicht besonders gut abschnitten, bezieht sich auf das Jahr 2011.

Fokus auf Präventivarbeit

Mittlerweile – also im Jahr 2012 – hat sich diese Statistik wieder auf den niedrigen Stand der Jahre davor „normalisiert“. Freilich ist jeder Unfall - gerade mit Kindern - einer zu viel. Deshalb setzt die Kreisverkehrswacht im Landkreis verstärkt auf vorbeugende, vorbereitende Präventivarbeit.

Erster Polizeihauptkommissar Peter Starnecker, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Berchtesgadener Land.

2011 gab es auf den Straßen im Berchtesgadener Land 33 Unfälle mit Kindern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr. 2012 waren es „nur“ noch 19 – gleichzeitig der niedrigste Stand seit vielen Jahren, exakt wie 2009. Die Zahl der Schulwegsverkehrsunfälle sank erfreulicherweise auf fünf, lediglich 2010 lag diese mit nur drei Unfällen darunter.

Top-Wert: Keine Verkehrstoten unter 14 Jahren

Tote Kinder im Straßenverkehr gab’s 2012 zum Glück einmal mehr nicht zu beklagen, aber drei Schwerverletzte (2011 waren es noch zehn) und 18 Leichtverletzte (2011 immerhin 31).

All diese Zahlen belegen das außergewöhnliche Jahr 2011. Welche Gründe kennt Peter Starnecker, Erster Polizeihauptkommissar: „Dafür müsste man die einzelnen Unfälle genauer unter die Lupe nehmen. Es gibt solche Jahre immer wieder, ohne dass dafür spezielle Gründe angegeben werden können. Natürlich sind wir sehr zufrieden, wenn die Unfallzahlen schließlich wieder deutlich sinken - so wie 2012“.

Den letzten tödlichen Schulwegsunfall gab es 2008 in Bischofswiesen. Alle Unfälle mit Kindern beschränkten sich in den beiden vergangenen Jahren auf jugendliche Fußgänger oder Radfahrer: 2011 wurden zehn Unter-14-Jährige als Fußgänger verletzt, 2012 waren es acht. Das Jahr 2007 hält nach wie vor den besten Wert mit nur drei Verletzten.

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Alle 2012-Statistiken sind freilich noch inoffiziell, unterstreicht Peter Starnecker. Die offizielle Verkehrsunfall-Statistik wird im Februar veröffentlicht.

Die Ziele in diesem Jahr

Auch 2013, so versichert der Kreisverkehrsvorsitzende, wird seine Institution mit Hochdruck daran arbeiten, um die Unfallzahlen weiter zu senken. Moderator Günter Rauscher aus dem Polizei-Fortbildungsinstitut in Ainring ist in den Kindergärten des Berchtesgadener Landes tätig, um das Programm „Kind und Verkehr“ zu lehren: Die Kindern lernen da richtige Verhalten im Straßenverkehr. „Dabei dürfen sie nicht nur im Polizeiauto sitzen, sondern bekommen bei einem Dorf- oder Stadtspaziergang die Gefahrenpunkte gezeigt und lernen das korrekte Überqueren der Straße“, berichtet Peter Starnecker, selbst Ausbilder an der Polizeischule in Mitterfelden.

2012 wurde kein Kind bis 14 Jahren als mitfahrende Person in einem Kraftfahrzeug verletzt. Die Kinderrückhalteeinrichtung, in der das richtige Sichern in den Fahrzeugen geschult wird, trägt also erfolgreiche Früchte.

Alle Zahlen der Kreisverkehrswacht BGL bestätigte Daniel Bechtel heute: Er ist im Landratsamt Berchtesgadener Land unter anderem für die Verkehrssicherheit zwischen Laufen und Königssee zuständig.

Verkehrserziehung beginnt im Kindergarten

„Kind und Verkehr“ und „Kind im Straßenverkehr“, zwei Programme, die die Kreisverkehrswacht BGL in Zusammenarbeit mit dem ADAC und dessen Programm „Adacus“ bereits in den heimischen Kindergärten anbietet.

In den Grundschulen werden für die 2. und 3. Klassen Schonraumübungen mit Fahrrädern der Kreisverkehrswacht angeboten. „Dies wird hervorragend angenommen“, informiert Peter Starnecker. Auf einem abgesperrten Areal kann der richtige Umgang im Straßenverkehr geübt werden, elf Kinder können gleichzeitig „an den Start gehen“. Dabei dürfen Übungen der Sensorik nicht fehlen, beispielsweise das Aufnehmen und Ablegen eines Tennisballs.

In der Verkehrsschule für die 4. Klassen erwerben die Schüler bei den beiden Verkehrserziehern Ralf Würzinger und Reimund Freundl aus der Polizeiinspektion Bad Reichenhall den Fahrradführerschein.

5. Klassen „im toten Winkel“

Bei den 5. Klassen geht es dann verstärkt in die „eingemachte“ Verkehrserziehung: Eine ganze Klasse passt in den toten Winkel eines LKW’s oder Busses. Die Schüler im Lkw-Führerhaus oder im Buscockpit sind immer erstaunt, dass sie ihre Klassenkollegen nicht im Rückspiegel sehen können. Kinder, Jugendliche und Erwachsene verunglücken als Fahrradfahrer oft, weil sie sich im toten Winkel abbiegender LKW's oder Busse bewegen und die für sie bestehende Gefahr nicht erkennen.

THW und heimische Busunternehmen unterstützen die Aktionen, den Rest bezahlt die Kreisverkehrswacht BGL, deren Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. Die vielfältigen Programme sind nicht nur für Kinder und Jugendlich gedacht, auch Erwachsenen und Senioren können sich schulen lassen.

Schülerlotsen und Schulweghelfer sind im Berchtesgadener Land in Freilassing, Teisendorf, in Piding, Berchtesgaden und in Schönau am Königssee im Einsatz. Sie sorgen für einen sicheren Weg zur Schule und wieder nach Hause. Die Schülerlotsen werden von Schülern gestellt, die Schulweghelfer und Schulbusbegleiter sind Erwachsene.

Alle Infos gibt es unter www.kreisverkehrswacht-bgl.de.

Hans-Joachim Bittner

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