"Hauptsache nicht zuhause rumsitzen"

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Alfred Pohl (links) fand nach langer Arbeitslosigkeit einen Job bei Johann Brandner (rechts), Chef des gleichnamigen gewerblichen Immobilienservices in Freilassing, und gleichzeitig sein Lachen wieder.

Landkreis - Langzeitarbeitslose haben es bekanntlich schwer, wieder einen Job zu finden. Das Jobcenter beteiligt sich an einem Projekt, um dies zu ändern:

„Zuhause ist mir die Decke auf den Kopf gefallen“, sagt Alfred Pohl, ehemaliger Langzeitarbeitsloser. Nach über 70 Bewerbungen wollte er schon die Hoffnung begraben, wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Schließlich ist er schon über 50 Jahre und gehört somit beruflich gesehen für viele Arbeitgeber zum alten Eisen. Damit Ältere auf dem Arbeitsmarkt jedoch nicht abgeschrieben werden, rief das Ministerium für Arbeit und Soziales schon vor einigen Jahren das Projekt „Perspektive 50 plus – Beschäftigungspakte für Ältere in der Region“ ins Leben. Auch das Jobcenter Berchtesgadener Land beteiligt sich an diesem Programm, das zum Ziel hat, ältere Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Die Geschichte von Alfred Pohl erzählt eine solche erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt.

Der 54-Jährige hat sein Lachen wiedergefunden und trägt stolz seine schwarze Arbeitskleidung mit Firmenlogo. Noch vor einem Jahr sah für ihn die Welt ganz anders aus. Als der gelernte Elektromechaniker nach 23 Jahren seine Arbeit im Zuge einer breiten Kündigungswelle bei seinem Lehrbetrieb verlor, hangelte er sich jahrelang von Job zu Job: Aushilfstätigkeiten, Möbeltransporte und noch einige andere Arbeiten. „Hauptsache nicht Zuhause rumsitzen“, dachte sich Pohl und engagierte sich zusätzlich ehrenamtlich bei der Freilassinger Tafel als Fahrer. Pohl brauchte keine Anstellung um beschäftigt zu sein und doch war er auf der Suche nach etwas Dauerhaftem.

Groß war die Erleichterung für den 54-Jährigen als sein Vermittler vom Jobcenter Berchtesgadener Land, Martin Weibhauser, beim gewerblichen Immobilienservice Brandner in Freilassing eine Chance für ihn fand. Es passte, Pohl bewährte sich beim Einarbeitungstraining und sein Jobvermittler konnte der Firma einen Eingliederungszuschuss anbieten. Das gab den Ausschlag. Der 54-Jährige arbeitet mittlerweile in Festanstellung. „Eingliederungszuschüsse erhalten Unternehmen, die ältere Arbeitnehmer einstellen. Damit wird das finanzielle Risiko in der Phase der Einarbeitung gedeckt“, erklärt Weibhauser, der sich mit seinem ehemaligen Kunden freut und betont, dass er mit dieser Förderform schon viele gute Erfahrung gemacht hat.

Gute Erfahrung hat auch Pohls Arbeitgeber mit älteren Mitarbeitern gemacht. „Sie stehen mitten im Leben, sind aufgrund ihrer Lebenserfahrung belastbar, verstehen Zusammenhänge besser und haben Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit verinnerlicht“, listet der Chef die Vorteile älterer Arbeitnehmer auf und räumt zusätzlich ein, keine Vorurteile gegenüber Langzeitarbeitslosen zu haben. Pohl ist nämlich nicht der erste, der beim Hausmeisterservice Brandner, der seit über 18 Jahren regional sowie überregional für namhafte Konzerne tätig ist, eine neue berufliche Chance bekam. Auch künftig will sein Chef mit Kunden des Jobcenters Berchtesgadener Land zusammenarbeiten.

In dieser Atmosphäre fühlt sich Pohl wohl, der beruflich angekommen scheint. „Wir sind wie eine Familie“, sagt er mit einem breiten Grinsen, das nicht aufgesetzt, sondern echt wirkt.

Pressemitteilung Jobcenter Berchtesgadener Land

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