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Jahresbilanz der Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden

Mehr Brennholz für die Region – und mehr Bäume fürs Klima

Dr. Daniel Müller ist Forstamtsleiter der Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden
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Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden

Nachdem die Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden in den Vorjahren noch ein starkes Minus verbuchten, heißt es nun etwas aufatmen. Doch die Energiekrise und der Klimawandel machen vor dem heimischen Wald nicht halt. Vor welchen Herausforderungen die Staatsforsten stehen, präsentierte Forstamtsleiter Dr. Daniel Müller in der Jahresbilanz.

Teisendorf - Dr. Daniel Müller ist stolz auf die Teamleistung der Beschäftigten der Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden. Am Dienstag, 22. November, hat der Forstbetriebsleiter Bilanz gezogen. „Wegen des Schneebruchs 2019 liegen harte Jahre hinter uns, wir hatten einen außerordentlich hohen Aufwand.“

Bilanz weist nach schweren Jahren ein Plus auf

Im Geschäftsjahr 2021 verbuchte der Forstbetrieb, der sich vom Berchtesgadener Land über den Rupertiwinkel bis hin zu Teilen des Chiemgaus erstreckt, noch ein dickes Minus von 1,8 Millionen Euro. Im Jahr 2020 lag das Minus sogar bei 2,1 Millionen Euro. Nun steht nach der Abarbeitung der verheerenden Schneeschäden von 2019 wieder ein Plus von 150.000 Euro in der Bilanz.

Die Holzerlöse waren in diesem Geschäftsjahr mit 6,4 Millionen Euro deutlich höher als noch 2021 mit 5,1 Millionen Euro. Dabei lag der Holzeinschlag zwar unter Plan, um die starken Schäden von 2019 kompensieren zu können. Der Anstieg der Erlöse lässt sich aber durch die gestiegenen Holzpreise erklären.

Für Materialkosten, unter die etwa der Erhalt der 450 Kilometer langen Forststraßen und der Einkauf von Futtermitteln fallen, gaben die Staatsforsten Berchtesgaden eine Million Euro weniger aus als im Vorjahr.

„Wir wollen einen Bergmischwald“

Die Mitarbeiter des Forstbetriebes pflanzten auch fleißig Bäume. Etwa 80.000 bis 100.000 waren es im letzten Jahr. Die Bayerischen Staatsforsten verfügen über einen eigenen Pflanzenzuchtbetrieb. Sie kaufen aber auch Setzlinge bei privaten Baumschulen. Ein Baum kostet etwa einen Euro, mit dem Pflanzen und dem Sichern des Baumes vor Konkurrenzpflanzen kommt man schließlich pro Baum auf fünf Euro.

Dr. Müller hat vor allem ein Ziel: „Wir wollen einen Bergmischwald.“ Das heißt, dass sich der Wald aus Fichten, Tannen, Buchen, Ulmen und Bergahornen zusammensetzen soll. Auch die Mischung aus jungen und alten Bäumen ist wichtig: „So ist ein Wald dann, etwa bei Stürmen, stabil.“

Dr. Daniel Müller und Martin Lang vor einer 200 Jahre alten Weißtanne. Mit 4,5 Metern Umfang und 133 Zentimetern Durchmesser gehört sie zu den geschützten Methusalem-Bäumen. Eine Tanne kann bis zu 600 Jahre alt werden.

Um die Bedeutung der Tanne für den Mischwald hervorzuheben, verweist Dr. Daniel Müller zusammen mit dem neuen Revierleiter Martin Lang auf eine stattliche, etwa 200 Jahre alte Weißtanne am Teisenberg im neu geschaffenen Revier Hammer. Mit 133 Zentimetern Durchmesser gehört sie zu den Methusalem-Bäumen, die geschützt sind. Tannen können auch dort stehen, wo Fichten zu wenig Licht haben. Sie sind weniger anfällig für Borkenkäfer, werden aber gerne von Rehen verbissen. Ein Mischwald kann somit weniger leicht einem Schädling zum Opfer fallen.

Mehr Brennholz für die Region

Normalerweise verkaufen die Bayerischen Staatsforsten 2000 Festmeter Brennholz im Jahr. Dieses Jahr sollen es aber 3000 bis 4000 sein. Dabei geht es überwiegend um Buchenholz. Viele haben sich ja aufgrund der Energiekrise entschieden, mehr mit Holz zu heizen und weniger Öl und Gas zu verbrauchen. Die Staatsforsten möchten mit ihrem Beitrag die Holzversorgung in der Region unterstützen und den Holzmarkt stabilisieren.

Holzdiebstahl kennen auch die Bayerischen Staatsforsten. „Ein paar Kriminelle gibt es immer, aber für uns ist das kein wirkliches Problem. Wir haben sogar GPS-Tracker, die wir gelegentlich einbauen. So haben wir schon den einen oder anderen dingfest gemacht,“ sagt Dr. Müller.

Temperaturanomalie im Nationalpark noch extremer

Während die Temperaturen seit 1881 in Deutschland um 1,6 Grad gestiegen sind, waren es im Nationalpark Berchtesgaden sogar 3 Grad. Der Klimawandel wird somit in der Region immer bedrohlicher. Der online abrufbare Dürremonitor zeigt, dass es in manchen Regionen Deutschlands nicht mehr möglich sein wird, den Wald zu halten. „Auch bei uns hat die Dürre den Bäumen Stress gebracht, aber wir hatten einen feuchten Mai und damit ein gewisses Reservoir an Feuchtigkeit“, so Müller. Der Borkenkäfer konnte glücklicherweise trotz der Trockenheit, bei der er sich schneller vermehrt, in Zaum gehalten werden.

Die Staatsforsten setzen für die Zukunft vor allem auf klimatolerante Baumarten. Das können heimische wie Tanne und Buche, aber auch neue Baumarten wie Schwarznuss und Douglasie sein. Diese gehen besser mit Trockenheit und neuen Krankheiten um. „Vielfalt ist nötig. Das kostet Zeit, Kraft und Geld, aber das sind unsere Aufgaben. Unser Ziel ist es, einen Klimawald für die kommende Generation zu schaffen“, so Müller.

Herausforderungen für die kommenden Jahre

Das Hauptziel für die Zukunft ist für die Bayerischen Staatsforsten der Erhalt des Waldes. Er bietet neben nachwachsenden Rohstoffen auch Tieren einen wichtigen Lebensraum und den Menschen ein Erholungsgebiet. Außerdem schützt er vor Steinschlag, Lawinen und Erdrutschen. Die Bäume fixieren Kohlenstoff und sind somit unabdingbar beim Klimaschutz.

Durch eine effektive und tierschutzgerechte Jagd von Wildtieren kann zum einen der Verbiss an den Bäumen reduziert werden, zum anderen steht damit den Menschen in der Wildboutique Berchtesgaden preiswertes Wildbret aus der Region zur Verfügung. „Mehr Bio geht nicht,“ unterstreicht Dr. Müller.

Auch die Teilnahme am Ökokonto, bei dem Flächen ökologisch verbessert und als Ausgleichsflächen verwertet werden, soll ausgeweitet werden. „Wir betreiben seit Jahrzehnten Naturschutzprojekte, jetzt setzen wir den Naturschutz beginnend in Wert. Wir machen das nicht wegen des Geldes, sondern weil wir es für richtig halten, die Natur zu schützen“, schließt Müller.

mf

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