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Eine unglaubliche Leistung

Kathi Demmelbauer setzt sich gegen alle Männer durch – Gold bei der Schlittenhunde-WM in Schweden

Kathi Demmelbauer setzt sich gegen alle Männer durch – Gold bei der Schlittenhunde-WM in Schweden
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Kathi Demmelbauer in Action mit ihren Huskies: Bei der WM in Schweden holte die 40-Jährige souverän die Goldmedaille im Skijöring.

Kathi Demmelbauer holte sich mit ihren beiden Huskies bei der Schlittenhunde-WM die Goldmedaille.

Östersund / Weißbach - „Ihre Leistung auf den Langlauf-Skiern ist nicht hoch genug einzuschätzen“, bestätigt der unersetzliche Trainingspartner Andi Birkel vom SC Weißbach. Den Vergleich mit der Konkurrenz – vor allem der Männerwelt – muss Katharina Demmelbauer weder scheuen noch fürchten, im Gegenteil: Sich bei der Schlittenhunde-Weltmeisterschaft gegen fünf starke Herren mit am Ende klaren Zeit-Vorsprüngen souverän durchzusetzen, ist aller Ehren wert.

Wie berichtet holte die Bayerisch Gmainerin, geboren in Bad Reichenhall, Gold in der Skijöring-Klasse mit zwei Hunden. Im perfekten Zusammenspiel mit dem erfahrenen Isko, acht Jahre alt, und Youngster Edge, eineinhalb, setzte sich die 40-jährige Top-Athletin nach dreimal harten 12,4 Skating-Kilometern an die Spitze. Silbermedaillengewinner Silver Viira aus Estland lag bereits 1:32 Minuten zurück. Igor Stefan – immerhin zweifacher Weltmeister dieser Klasse und Titelverteidiger aus der Slowakei – musste als Dritter bereits einen 2:44 Minuten-Abstand zur Konkurrentin aus Deutschland hinnehmen.

Hinter Kathi Demmelbauer folgten noch ein Finne, ein Norweger, zwei Schwedinnen und deren Landsmann. Nach Tag eins im 2300 Kilometer entfernten Östersund führte sie bereits mit gut einer Minute vor dem schärfsten Rivalen, Silver Viira. „In den zweiten Durchgang musste ich deshalb als Erste starten. Kein Vorteil, weil ich niemanden vor mir hatte, auf den ich möglicherweise hätte auflaufen können und der einen quasi zieht“, erzählt die in Großgmain lebende Sportlerin. Der Schnee war im Gegensatz zum Trainingstag, als es zu hart und eisig war, nun weich und tief und die Temperaturen für ihren Sport im Grunde zu warm. Ihr Mann Thomas befürchtete zum Glück nur, der Ski könnte nicht laufen.

„Die „Bedingungen an diesem zweiten Tag waren aber wirklich schwierig“, bestätigt seine Frau. Prompt war sie – „das hab ich sofort gemerkt“ – fast drei Minuten langsamer als am ersten Tag. Bei Isko und Edge mündete die Wärme zudem in erhebliche Müdigkeit. „Doch sie lassen mich nie im Stich, wenn‘s mal schwierig wird“, sagt die glückliche Sportlerin. Freilich erging es der Konkurrenz nicht anders, lediglich Silver Viira konnte seine Zeit nahezu halten und lag vor dem finalen Lauf elf Sekunden vor Kathi Demmelbauer – Spannung war also vorprogrammiert. Und obwohl bei Sport mit Tieren immer alles passieren kann und wirklich erst die Ziellinie das Ergebnis fixiert, waren in den Kampf um Gold „nur“ noch die Deutsche und der Este „verwickelt“.

Schwierigkeiten mi tdem Transponder

Angesichts der möglichen Schlittenhundesport-„Gefahren“ – Stürze, die Hunde sind nicht gut beinand – auf der Strecke ereilte Kathi Demmelbauer am dritten Tag, an dem es zum Glück wieder kälter geworden war, ein ganz anderes Problem: Ihr Transponder, zuständig für die Zeitnahmen-Ermittlung, sendete keine Zwischenzeiten. Daheim beim SC Weißbach, live per Streaming dabei, brach bereits Panik aus. „Wir dachten wirklich, jetzt ist alles aus und die Kathi wird disqualifiziert“, so Abteilungsleiter Andi Birkel, 2019 selbst WM-Bronzemedaillengewinner.

Doch es ging gut: Nach nur sechs Kilometern holte sie den führenden Silver Viira ein, der als Zweiter letztlich seinem Namen alle Ehre machte. Kathi Demmelbauer wusste, dass ihr Gold nun niemand mehr nehmen konnte. Ihre Zeiten konnten zum Glück ermittelt werden. Und da sie kurz hinter dem vor ihr gestarteten Esten mit Blickkontakt ins Ziel kam und von niemanden eingeholt worden war, stand fest: Sie hatte die elf Sekunden Rückstand locker aufgeholt. Platz 1 wurde spontan mit zwei Deutschland-Fahnen gefeiert, überreicht von Michael Landau, Präsident des Deutschen Schlittenhunde-Verbandes VDSV. Die ersten Fotos im bekannten Biathlon-Stadion von Östersund zeigen die Demmelbauers strahlend und überglücklich, das über den Winter viermal wöchentliche, nicht ganz einfache Training der puren Idealisten hatte sich gelohnt.

„Gewonnen haben wir am Berg. Der zweite Teil war der anspruchsvollere, viele Steigungen, entsprechende Abfahrten, sehr kurvig. Das mögen Isko und Edge – und ich mittlerweile auch“, schmunzelt Kathi Demmelbauer. „Ich konnte Ski und Hunde laufen lassen.“ Und nun doch zwei Vergleiche, um ihre Leistung einzuordnen: Jan Neger aus der Slowakei, ein extrem starker Langläufer, der selbst mit einem Hund alles in Grund und Boden läuft, war in allen drei Durchgängen langsamer als die Weltmeisterin – in der Addition fehlten ihm 1:19 Minuten. Und in der Sechs-Hunde-Kategorie mit Schlitten waren jene ab Rang 5 platzierten Musher in ihren Läufen teils langsamer unterwegs als die Skijöring-Athletin aus dem Berchtesgadener Land. Ihre drei Zeiten über je 12,4 sehr selektive Kilometer: 31.48, 34.40 und 32.19 Minuten.

Mit einem lieben Willkommensgruß wurde die Wintersportlerin daheim von ihren Kindern empfangen.

Nach einer feierlichen Eröffnungsfeier mit dem Einmarsch der Nationen fiel die Siegerehrung am frühen Abend vorsichtig ausgedrückt „leider etwas nüchtern“ aus. Wie überhaupt keinerlei Stimmung an den Strecken war, weil der Schlittenhundesport im schwedischen Biathlon-Mekka noch nicht angekommen scheint. Alle bekamen den gleichen Pokal, eher eine Art „Finisher-Präsent“ als ein würdiger Preis für Weltmeisterinnen und Weltmeister. Trotz 40.000 verteilter Flyer ließen sich die Einheimischen nicht recht hinterm Ofen hervorlocken, obwohl viele diese „Art der Fortbewegung“ mit Huskys und Schlitten in ihrer Freizeit betreiben.

Kathi Demmelbauer hatte 2018 in Sveg (Schweden) und 2019 in Haidmühle (Bayerischer Wald) jeweils WM-Bronze geholt und wurde jetzt, nach ihrem ganz großen Wurf in Skandinavien, daheim mit vielen Geschenken entschädigt und herzlich empfangen: Von ihren drei Kindern, der Familie und den zwei weiteren Huskys Pina und Yuma an der Haustür mit Plakaten und einem selbstgebastelten Stadion. Andi Birkel, Sabine Steinbacher und Robert Öttl vom SC Weißbach sind voller Stolz – und Kathi Demmelbauer weiß: „Ohne deren Unterstützung wäre dieser Erfolg nicht möglich“. Natürlich mache sie weiter, verrät sie auf die Frage einer Karriere-Fortsetzung. Die WM im Trentino (Italien) – endlich auch mal etwas näher gelegen – birgt schon jetzt eine gewisse Vorfreude auf 2023. In Östersund gingen übrigens sechs von 14 möglichen WM-Titeln nach Deutschland.

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