Entscheidung schlägt hohe Wellen im Berchtesgadener Land

Militärische Sicherheitszone im Kirchholz: Bürgerinitiative gegründet

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Das etwa 113 Hektar große Areal des Standortübungsplatzes Kirchholz liegt zwischen Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain.

Bad Reichenhall - Große Wellen schlägt derzeit die Entscheidung, aus dem Kirchholz eine militärische Sicherheitszone zu machen. Jetzt formiert sich eine Bürgerinitiative, die am Freitagabend, 13. Dezember, zum ersten Mal zusammentrifft.

Am 29. November gab die Bundeswehr in einer Pressemeldung bekannt, dass aus dem militärischen Bereich im Kirchholz ab 1. Juli 2020 eine militärische Sicherheitszone wird. Das betrifft den Standortübungsplatz und den Hochgebirgsübungsplatz Reitalpe. Die Entscheidung schlägt derzeit hohe Wellen in der Region.


Bürgerinitiative formiert sich

Im Zuge dieser Veränderung formiert sich eine Bürgerinitiative mit dem Titel "Kirchholz für Alle". "Ziele der Gruppe sind die Bewahrung einer lebenswerten Heimat mit historisch gewachsenen Naherholungsgebieten und auf ein adäquates Maß reduzierte Schallemissionen für Anwohner und Gäste", beschreiben die Initiatoren ihr Anliegen.

Außerdem soll "zeitnah ein nachhaltiges Konzept entwickelt werden, damit die bisher gelebte Vereinbarkeit von Tourismus und Bundeswehr fortbestehen kann." Wichtig sei für die Gruppe, dass die "unzähligen Arbeitsplätze" erhalten bleiben.


Bislang sind etwa 300 Personen der Facebook-Gruppe beigetreten. Der sichtbare und hörbare Lärm habe in den vergangenen vier Jahren zugenommen. Die Bürgerinitiative trifft sich zum ersten Mal am Freitag, den 13. Dezember, um 19 Uhr in der Gmoa Arena in Bayerisch Gmain. Angemeldet sind bislang 30 Personen, die Gründer gehen aber von deutlich mehr Interessenten aus.

Das sagt die Bundeswehr dazu

"Wir werden unsere Planung hinsichtlich der militärischen Sicherheitszone nicht abändern", teilte ein Sprecher der Bundeswehr auf Nachfrage von BGLand24.de mit. Die Gremien und das Touristikbüro wurden mehrere Wochen vorab informiert. Ziel sei es jetzt, alle Bürger mit ins Boot zu holen. Für den Kirchholz habe man um einen Aufschub für die Umwidmung gebeten, da hier besondere Verhältnisse herrschen. Ansonsten hätte das Areal bis zum 31. Dezember zur Sicherheitszone umbenannt werden müssen.

Die Bundeswehr stellt auch klar, dass "das Kirchholz seit 1957 ein Truppenübungsplatz ist. Deshalb ist dieses Gebiet kein Naherholungsgeb iet." Außerdem wird in diesem Zusammenhang betont, dass "keine anderen Waffen bei den Übungen benutzt werden". Einzige Neuerung sei, dass Drohnen fliegen werden, die aber die Bürger nicht beeinträchtigen werden.

Damit alle Bürger ihre Fragen stellen können und beantworten bekommen, richtet die Bundeswehr am Montag, den 16. September ein Bürgertelefon ein. Dieses ist am Montag, 16. Dezember, von 9 bis 11 Uhr und 13 bis 15 Uhr eingerichtet und unter der Telefonnummer 08651/79 2179 erreichbar

Was bedeutet das jetzt für die Bürger und Kurbesucher?

"Das Betreten des Bereichs war bislang außerhalb der Militäreinsätze geduldet", teilte die Pressestelle der Bundeswehr mit. Ab 1. Juli 2020 wird dann der Zutritt generell verboten. Hintergrund: Sollte jemanden bislang etwas auf dem Areal der Bundeswehr außerhalb der Übungen passieren, wäre die Bundeswehr dafür haftbar. Dies soll sich nun im kommenden Jahr ändern. 

Denn dann wäre, egal wann und zu welcher Zeit ein Bürger die Sicherheitszone betritt, automatisch bei Unfälle selbst haftbar. Außerdem hätte man dann gegen Personen, die während einer Übung den Bereich betreten oder ihren Hund frei laufen lassen, mehr Handhabe. "Das betrifft alle Standortübungsplätze in ganz Deutschland", so die Bundeswehr weiter. 

Damit die Besucher und Bürger weiterhin in dem Bereich spazieren gehen können, will die Bundeswehr den bislang U-förmig verlaufenden Wanderweg im Bereich Markzoll zu einem geschlossenen Kreis ausbauen. Außerdem soll kein Zaun um die Sicherheitszone entstehen.

ma

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