Nach jüngster Vorstandswahl im Berchtesgadener Land

„Es geht um Macht und Posten“: Für Birgit Filzer ist der AfD-Kreisverband verloren

Birgit Filzer, AfD, Berchtesgadener Land
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Birgit Filzer will mit den Missständen in der AfD Berchtesgadener Land nicht mehr hinterm Berg halten.

Bayerisch Gmain/Freilassing - Bereits bei der Kommunalwahl im Frühjahr hat es bei der AfD Berchtesgadener Land interne Unstimmigkeiten gegeben. Die jüngste Vorstandswahl soll das Fass zum Überlaufen gebracht haben, zumindest für die ehemalige zweite Schatzmeisterin Birgit Filzer und einige Mitstreiter.

Der AfD-Kreisverband Berchtesgadener Land ist verloren“, ist sich Birgit Filzer nach der jüngsten Vorstandswahl im Freilassinger Rathaussaal sicher. Bereits kurz nach der Versammlung hat sich die zweite Vorsitzende des Ortsverbandes Bad Reichenhall über die sozialen Medien Luft verschafft.


„Was für eine intrigante, lächerliche, unprofessionelle Vorstandswahl vom KV BGL! Der Untergang desselbigen ist somit besiegelt!“ schrieb die Bayerisch Gmainerin mit einem lachenden Smiley auf ihrer Facebook-Seite. Dabei ist Birgit Filzer gar nicht zum Lachen. Sie ist 2016 der AfD beigetreten, weil ihr die Einstellung der Partei zugesagt hat. Sie brachte es zur zweiten Vorsitzenden im Ortsverband Bad Reichenhall und zur zweiten Schatzmeisterin im Kreisverband. Jetzt denkt sie über ihren Austritt nach.

Streit bei Vorstandswahl der AfD im Berchtesgadener Land


„Das war von Anfang an ein abgekartetes Spiel“, bezieht sich die 58-Jährige gegenüber BGLand24.de auf die AfD-Kreis-Versammlung am 19. September im Freilassinger Rathaussaal. „Es geht um Macht und Posten.“ Allein deshalb sei es im Kreisverband zu so einem Zerwürfnis gekommen, das aus ihrer Sicht nicht mehr zu retten ist. „Wir werden intern zerlegt.“

Im Gespräch mit BGLand24.de beschrieb der neu gewählte AfD-Kreisvorsitzende Hansjörg Müller den Verlauf des Abends aus seiner Sicht. Die fünf Stunden hätten überwiegend in „friedlicher, gesitteter und harmonischer“ Atmosphäre stattgefunden. In einer etwa 15 Minuten langen Phase habe es allerdings Unstimmigkeiten gegeben.

Geht ein Riss durch die AfD Berchtesgadener Land?

Die Unstimmigkeiten seien eine reine Abrechnung mit Jens Schosnowski gewesen, so Birgit Filzer. „Er hat ein Angebot ausgeschlagen.“ Darum ist sie sich sicher, dass der AfD-Kreisverband Berchtesgadener Land in seiner jetzigen Konstellation nicht mehr lange besteht: „Ich war von der Sache überzeugt, aber jetzt ist der Schaden nicht mehr abzuwenden.“

Das sieht Hansjörg Müller anders. Er will davon nichts wissen, dass bei der AfD-Berchtesgadener Land ein Riss selbst durch alle ideologischen Lager gehe. Es gelte, Frieden im Kreisverband zu stiften. Dabei setze er auf seine berufliche Erfahrung als Sanierungsgeschäftsführer.

Keine Zusammenarbeit mehr in der AfD Berchtesgadener Land?

Birgit Filzer traut ihm das nicht zu. „Wir haben wirklich gute Leute“, ist sie sich sicher, nur die hätten spätestens seit der jüngsten Vorstandswahl keinen Posten mehr inne. Sie sieht nur dann eine Chance für die AfD Berchtesgadener Land, wenn bestimmte Leute nicht mehr das Sagen hätten. „Das Vertrauen ist absolut zerstört.“

Zumindest in diesem Punkt sind sich Müller und Filzer einig. Er antwortete auf die Frage, ob das Tuch zu Filzer und Schosnowski vollkommen zerschnitten sei, gegenüber BGLand24.de nur indirekt: „Filzers Aussagen sprechen für sich, Schosnowski wiederum hat seine Chance gehabt, und diese nicht genutzt.“

Kreisvorstandssitzung per E-Mail? Birgit Filzer prangert Methoden in der AfD an

Für Birgit Filzer ist es Fakt, dass es unter dem Vorstand von 2016 Roland Kapser harmonisch zugegangen ist. Sie und ihr Lebensgefährte hätten schnell aktiv mitgearbeitet. Doch als Wolfgang Koch AfD-Kreisvorsitzender wurde, habe es immer weniger Vorstandssitzungen gegeben. „Alles wurde nur per E-Mail oder WhatsApp ausgemacht“, kritisiert Filzer. Immer wieder hätten die Vorstandsmitglieder auf eine Sitzung gedrängt, immer sei das als unnötig abgetan worden.

„Deshalb kam es zu zwei Aufstellungsversammlungen für die Kreistagsliste“, blickt die 58-Jährige auf ein weiteres öffentliches Zerwürfnis der AfD Berchtesgadener Land zurück. Intern habe man sich darauf verständigt, Wolfgang Koch nicht auf der Liste haben zu wollen, auch seine Landratskandidatur sollte nicht weiter unterstützt werden. „Wolfgang Koch hat den Willen der Mitglieder ignoriert. Außerdem haben wir beim ersten Mal die Liste nicht vollbekommen“, nennt sie weitere Gründe.

Letztlich reichten sowohl Wolfgang Koch, als auch Jens Schosnowski je eine Kreistagsliste ein, die nach genauer Prüfung von Seiten des Landratsamtes zu einer zusammengefasst wurde. Wolfgang Koch, Anton Edfelder und Jens Schosnowski zogen in den Kreistag ein, eine Fraktion bilden die drei nicht.

cz

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