„Bürgermeister hätte uns vor der Sitzung informieren müssen“

Nach Corona-Ausbruch im Rathaus in Bayerisch Gmain: Gemeinderäte mit scharfer Kritik an Bürgermeister

Ortsschild Bayerisch Gmain
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Der gesamte Gemeinderat von Bayerisch Gmain ist bis 23. März in Quarantäne, das Rathaus ist bis einschließlich Freitag geschlossen.

Nach dem Corona-Ausbruch im Rathaus üben Gemeinderäte jetzt scharfe Kritik am Bürgermeister. Dieser habe erst nach einer rund zweistündigen Sitzung die Gemeinderäte beiläufig über einen Corona-Fall in der Gemeindeverwaltung informiert, am Tag danach wurde auch der Bürgermeister positiv getestet. Alle anwesenden Gemeinderäte, sowie Besucher und Pressevertreter sind seither als Kontaktpersonen in Quarantäne.

Bayerisch Gmain - Einzig Ministerin Michaela Kaniber, gleichzeitig auch Gemeinderätin, hat an der Sitzung wegen einer Plenarsitzung in München nicht teilgenommen. 

In einem Interview mit BGLand24.de schildert 2. Bürgermeister und CSU-Ortsvorstand Wilhelm Färbinger den Ablauf der Sitzung, in der es unter anderem um den Haushalt der knapp 3000 Einwohner zählenden Gemeinde ging. „Die Verwaltung hat für die Corona-Zeit ein Sitzungskonzept vorgelegt, wir tagen seit Ausbruch im gesamten Saal des Haus des Gastes, wo normalerweise 250 Personen Platz haben“.

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Am Dienstag (9. März) seien rund 25 Personen anwesend gewesen, also Gemeinderäte, Verwaltungspersonal und einige wenige Besucher. Anders als in vielen anderen Kommunen wie zum Beispiel in Freilassing sah das Konzept allerdings nicht vor, dass die Gemeinderäte an ihrem Platz eine FFP2-Maske tragen. „Unsere Tische sind aber sehr weit auseinander, fast 2,5 Meter und der Saal hat eine eigene Lüftung“, so Färbinger. Ob diese Lüftung allerdings noch technisch auf dem neuesten Stand ist ist eher zu bezweifeln. 

Bürgermeister positiv getestet

Vor der Sitzung habe es wohl einige Vorbesprechungen gegeben, die infizierte Mitarbeiterin hat am Tag vor der Sitzung die Verwaltung mit Symptomen verlassen und am Dienstag einen positiven Corona-Test vorgelegt. Mittlerweile ist auch der Bürgermeister positiv getestet, sowie dem Vernehmen nach ein weiteres Gemeinderatsmitglied.

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Färbinger selbst hat keine Symptome, muss aber wie die anderen Teilnehmer der Sitzung auch 14 Tage in Quarantäne bleiben, also bis 23. März. Sie wurden vom Gesundheitsamt offensichtlich deshalb als Kontaktpersonen eingestuft weil sie eben keine FFP2-Masken während der Sitzung trugen und so den Aerosolen schutzlos ausgeliefert waren. „Als Landratsamt-Mitarbeiter arbeite ich seit acht Wochen ohnehin im Home Office, aber viele Kollegen sind selbstständig und können jetzt Aufträge nicht ausführen“.

Information vor der Sitzung, was dann?

Auf die Frage, ob die Sitzung abgebrochen worden wäre wenn der Bürgermeister gleich zu Beginn den Corona-Fall in der Verwaltung erwähnt hätte meint Färbiger, „also vielen wäre das sicher zu heiß gewesen und sie hätten nicht teilgenommen, ich persönlich wäre geblieben, aber eben nur mit der FFP2-Maske“. Außerdem hätte sich nach Ansicht Färbingers der Bürgermeister schon vor der Sitzung beim Gesundheitsamt informieren müssen, ob und wie eine Sitzung abgehalten werden kann wenn in der Verwaltung ein Corona-Fall aufgetreten ist. 

hud

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