Ausbruch in Bayerisch Gmain

Kompletter Gemeinderat in Quarantäne - Bohrende Fragen an den Bürgermeister

Im Rathaus Bayerisch Gmain gab es mehrere Corona-Fälle.
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Im Rathaus Bayerisch Gmain gab es mehrere Corona-Fälle.

Nach dem Corona-Ausbruch mit mittlerweile vier positiv Getesteten im Rathaus wirft nun auch 3. Bürgermeister Christoph Langgartner (FDP) in einem BGLand24-Interview konkrete Fragen auf, erstens „wie kann man nach einem Jahr der Pandemie so grob fahrlässig mit der Situation umgehen?“. Gemeint ist die beiläufige Erwähnung des Bürgermeisters am Ende der nicht-öffentlichen Sitzung, dass eine Verwaltungsmitarbeiterin positiv auf Corona getestet wurde. „Und zweitens, warum dauert es fünf Tage bis dem Gesundheitsamt alle Daten von uns Gemeinderäten übermittelt werden?“. Die ersten Lehren aus dem Vorfall in Bayerisch Gmain hat unterdessen das Landratsamt gezogen.

Bayerisch Gmain - Wie auch andere Gemeinderäte habe er, Langgartner, sich auf das Hygienekonzept der Gemeinde verlassen, dass seit dem ersten Lockdown für Sitzungen gilt. Darin wird eine Lüftungsanlage im großen Saal des Haus des Gastes explizit hervorgehoben, darum seien auch keine Schutzmasken am Platz vorgeschrieben gewesen. BGLand24 hat sich den Saal und die Sitzordnung von außen angesehen, der Abstand zwischen den einzelnen Tischen scheint ausreichend groß zu sein, über die Wirksamkeit der Lüftungsanlage kann nur spekuliert werden. 

Im Rathaus Bayerisch Gmain gab es mehrere Corona-Fälle.


Dass der Bürgermeister erst am Ende der Sitzung von der Infektion im Rathaus erzählte hätte viele Gemeinderäte entsetzt, erinnert sich Langgartner, „ich bin dann am Tag danach, am Mittwoch, sofort zur Teststation in unserer Gemeinde gefahren und habe mich testen lassen, das Ergebnis war am Donnerstag da: negativ“.

Keine Kooperation zwischen Verwaltung und Gesundheitsamt?

Am Samstag, also vier Tage nach der Sitzung, erhielt Langgartner dann einen Anruf vom Bürgermeister, „er sagte mir, dass mich das Gesundheitsamt nicht erreichen kann und ich mich melden soll“. Beim Staatlichen Gesundheitsamt habe Langgartner dann von zwei Mitarbeitern erfahren dass es große Probleme gebe die Daten der Gemeinderatsmitglieder zu erhalten.

Die Sitzung fand im Haus des Gastes statt.

„Das hat mich dann echt verwirrt und stutzig gemacht, wie kann denn das solange dauern, die Gemeinde hat doch nach dem Ende der Sitzung eine Liste mit allen anwesenden Gemeinderäten und sollte doch auch alle aktuellen Kontaktdaten ihre Gemeindevertreter haben“. Langgartner hat dann noch am Samstag per Mail seine Quarantäneanordnung erhalten, „ich weiß aber von einem Kollegen, der den Bescheid erst am Montag zugestellt bekam“, also fast eine Woche nach der Sitzung. 

Anfeindungen in der Öffentlichkeit

Mittlerweile gibt es über die Quarantäne der Gemeinderäte und die Corona-Infektionen in der Verwaltung und des Bürgermeisters zahlreiche Berichte in sogenannten sozialen Medien, Spott und Unverständnis inklusive. Dabei ist die Gemeinderatsarbeit, also Sitzungen, ausdrücklich erlaubt, Entscheidungen zum Wohle der Gemeinde sind ja nach wie vor notwendig.

Auffällig ist allerdings schon, dass es in Bayerisch Gmain im Unterschied zu vielen anderen Gemeinden in Sitzungen keine FFP2-Masken-Pflicht gibt, für normale Besucher des Haus des Gastes wird diese auf großen Plakaten am Eingang vorgeschrieben. Auf die Nachfrage, dass es ihm, Langgartner, freigestellt gewesen wäre, auch ohne Verpflichtung eine FFP2-Maske aufzusetzen meint er: „In den Sitzungen  hieß es immer, durch das Konzept und die vorhandene Lüftungsanlage seien wir ausreichend geschützt, darauf habe ich mich verlassen“.

Der Sitzungssaal.

„Vertraue keinem Hygienekonzept mehr“

Dem FPD-Politiker geht es nach eigener Aussage nicht darum, „jemanden niederzumachen, aber nach einem Jahr der Pandemie sollten wir vernünftig mit so einer Situation umgehen“. In Zukunft werde er keinen Hygienekonzepten mehr vertrauen sondern nur mehr seiner Schutzmaske. Der Bürgermeister sei zwar der Kopf der ganzen Mannschaft, aber seine Fragen  würden sich an die gesamte Verwaltung richten. 

Landratsamt testet vor Ausschuss

Schnell die richtigen Lehren aus dem Vorfall in Bayerisch Gmain gezogen hat offensichtlich das Landratsamt. Es bietet bei der Kreisausschusssitzung am Mittwoch (17. März) zum ersten Mal den teilnehmenden  Kreisräten, als auch Journalisten und Besuchern einen Antigen-Schnelltest vor Beginn der Sitzung an. Außerdem muss während der gesamten Sitzung eine FFP2-Maske getragen werden „und alle 20 Minuten wird eine Stoßlüftung durchgeführt“, heißt es in der Einladung. 

hud

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