Bürgermeister legte sein Amt nieder

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Bayerisch Gmains Bürgermeister Hans Hawlitschek sprach als Privatperson zum Thema Hotelprojekt und dem damit verbundenen Bürgerentscheid am kommenden Sonntag.

Bayerisch Gmain - Einen Abend lang war Bürgermeister Hans Hawlitschek kein Bürgermeister: Als Privatperson informierte er all jene, die ins Haus des Gastes gekommen waren.

Rund 150 Zuhörer wollten wissen, wie sich ihr Gemeindechef das angedachte Hotel-Projekt in ihrer Gemeinde vorstellt. Hans Hawlitschek legte sein Amt für einen Abend nieder, mietete den Haus des Gastes-Saal mit eigenen finanziellen Mitteln und sprach als Privatmensch, der seit 1954 - also seit seiner Geburt - ununterbrochen in Bayerisch Gmain lebt. "Ich spreche für die Dauer dieser Veranstaltung nicht als Bürgermeister zu ihnen", so Hawlitschek, sondern "mit meiner Privatmeinung".

Rund 150 Zuhörer im Haus des Gastes.

"Demnach wird die Kasse der Gemeinde sowohl an diesem Abend als auch durch meinen Info-Brief mit keinem einzigen Cent belastet", informierte der Bürgermeister. Er hatte Papier, Druck und Verteilung seines Schreibens selbst finanziert.

Keine Dienstaufsichtsbeschwerde

Hawlitschek widerlegte die Argumente der "Bürgerinitiative zum Erhalt der Grünfläche" mittels anwaltschaftlicher Beratung. Später stellte die Sprecherin der Gegenseite, Christl Pischl, klar, lediglich den Antrag auf rechtsaufsichtliche Prüfung des Info-Infobriefs beim Landratsamt gestellt zu haben: "Es war keine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister", so die 75-Jährige.

"Ich habe auch keine 'groben inhaltlichen Fehler' in diesem Info-Brief begangen", so Hawlitschek. "Denn als Privatperson darf ich Empfehlungen öffentlich aussprechen und Werbung für eine Sache betreiben - unterzeichnet und verantwortlich im Sinne des Presserechts". Demnach müsse er der Aufforderung der Projektgegner, seine Empfehlung "deutlich und unmissverständlich zurückzunehmen", auch nicht nachkommen.

Auch mit der Wiese kaum noch Gäste

Christl Pischl, Sprecherin der Bürgerinitiative "Erhalt der Grünfläche".

Hawlitschek ist für das Hotelprojekt, ein Vier-Sterne-Familienhotel auf dem Grundstück Flurnummer 309, zwischen altem Sportplatz am Rotofen und Dorfbauernstraße. 30.477 Quadratmeter groß, aktuell umzäunt von Sträuchern, Büschen und Bäumen: "Bebaut würden lediglich rund 6.500 Quadratmeter, das entspricht 21 Prozent der Fläche, der Rest bliebe Grünland". Das entspräche der mittleren Bebauungsdichte Bayerisch Gmains, so der CSU-Rathauschef, der unter anderem Unterstützung vom Anlieger und selbsternannten "oberbayerischen Landarzt" Dr. Florian Pichler erhielt: "Wir haben 50 Prozent unserer Gäste verloren, obwohl wir diese Wiese haben".

Die Bürgerinitiative hielt dagegen, dass im gleichen Zeitraum auch die verschriebenen Kuren in entsprechender Größenordnung schwanden - und ein Arzt dies wissen müsse. Pichler unterstellte der Gruppe um Christl Pischl, bislang nicht einen einzigen stichhaltigen Grund vorgebracht zu haben. Die Bayerisch Gmainer Gästebetten seien laut Hawlitschek mittlerweile um knapp 800, also 40 Prozent auf unter 1.000 gesunken.

"Akt der Fairness"

Hans Hawlitschek gestattete der Bürgerinitiative auf seiner Privatveranstaltung gleiches Rederecht und betitelte diese Geste als "Akt der Fairness". Christl Pischl bedankte sich und nutzte die Gelegengheit, um ihre Standpunkte öffentlich zu machen: "Unser vorrangigstes Anliegen ist ganz einfach - der Erhalt der Grünfläche, vor allem einer so zentralen Wiese". Pischl monierte, dass der Hotel-Investor aus Adnet mit dem Slogan "Urlaub auf der Blumenwiese" wirbt, denn schließlich sie diese ja dann verbaut.

Pischl vertritt die Standpunkte, dass die Langlaufloipe Bayerisch Gmains vernichtet würde (Hawlitschek stellte klar, dass nur 520 Meter einer 11,2 Kilometer langen Spur wegfallen würde - obendrein ein Stück, das sich in Privatbesitz befände), erhöhte Kosten auf jeden Gemeindebürger zukommen und weitere Grundstücke für die Zufahrt verschandelt würden, kaum Arbeitsplätze für die heimische Bevölkerung entstehen, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zu befürchten ist und letztlich eine unwiederbringliche Zerstörung der ortsprägenden Landschaft entstehen würde.

"Grünflächen nicht verscherbeln"

"Wir dürfen unser Grünland nicht verscherbeln", forderte Christl Pischl die Zuhörer auf, am kommenden Sonntag, 18. November, mit "ja" zu stimmen. Eine Aufforderung, die die Initiative auch mit Flugblättern an den Autos der Gegner, auf Flugblättern in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz sowie auf roten Regenschirmen im Foyer des Haus des Gastes deutlich sichtbar kundtat.

Der noch minderjährige Julian, ein direkter Anwohner des angedachten Grundstücks, wünschte sich, dass alles so bleibt, wie es ist: "Ich spiele gern auf dieser Wiese, benutze im Winter die Langlaufloipe und möchte weiterhin die schöne Aussicht genießen". Bayerisch Gmain "hat erst jüngst mit dem Edeka-Markt eine grüne Wiese für immer verloren - es reicht", so die Gegner, die im Vorfeld 500 Unterschriften im Ort sammelten, um den Bürgerentscheid durchzudrücken.

Bürgermeister Hans Hawlitschek, der sich von einem Gegner als "König von Bayerisch Gmain" betiteln lassen musste, der "inzwischen mache was er wolle", plädierte natürlich für ein "nein" am kommenden Sonntag. Während seines Vortrags präsentierte er fünf Hotel-Projekte aus Österreich und Süditorl als Vorzeige-Objekte, wie sich diese harmonisch in die Landschaft eingebunden hätten und ein Vorbild für Bayerisch Gmain sein könnten. "Davon gefällt mir nicht eins", warf ein Zuhörer ein.

bit

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