„Zu dem Zeitpunkt erschien es mir richtig“

Nach öffentlicher Kritik: Bayerisch Gmains Bürgermeister äußert sich aus der Quarantäne

Bayerisch Gmains Bürgermeister Armin Wierer
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Bayerisch Gmains Bürgermeister Armin Wierer befindet sich aufgrund eines positiven Coronatests in Quarantäne - mit ihm 19 Gemeinderatsmitglieder.

Die Corona-Erkrankung des Bürgermeisters und die darauffolgende Quarantäne für 19 Personen, die bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Bayerisch Gmain anwesend waren, schlägt nach wie vor hohe Wellen. BGLand24.de hat mit Armin Wierer gesprochen.

Bayerisch Gmain - „Es ist eine schwierige Situation“, gibt Bayerisch Gmains Bürgermeister Armin Wierer zu. „ Die Nerven liegen blank.“ Wahrscheinlich mit ein Grund, dass die Stimmung im Ort derzeit so aufgeheizt ist. Aufreger ist die jüngste Gemeinderatssitzung am 9. März.

Information über positiven Corona-Fall an Bayerisch Gmainer Gemeinderat zu spät?

„Erst am Ende des nicht-öffentlichen Teils der Gemeinderatssitzung hat uns der Bürgermeister darüber informiert, dass es in der Verwaltung einen positiven Corona-Fall gibt“, kritisiert FDP-Gemeinderat und dritter Bürgermeister Christoph Langgartner. Zusammen mit der CSU hat die FDP eine Pressemitteilung verschickt und öffentlich Kritik am Verhalten des Gemeindeoberhauptes geübt (Plus-Artikel).

„Zu dem Zeitpunkt erschien es mir richtig, die Sitzung stattfinden zu lassen“, bedauert Wierer gegenüber BGLand24.de. Und auch von Seiten des Landratsamtes Berchtesgadener Land wird bestätigt: „Ein positiver Fall in der Gemeindeverwaltung führt nicht zwingend zu einer Absage einer Gemeinderatssitzung.“ Ausschlaggebend seien die Kontakte der Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu der positiv getesteten Person.

„Wenn ein enger Kontakt bestanden hat, ist es seitens der betreffenden Personen angebracht (gegebenenfalls auch bereits vor offizieller Mitteilung durch das Gesundheitsamt) als Vorsichtsmaßnahme nicht an der Sitzung teilzunehmen, bzw. Rücksprache mit dem Gesundheitsamt zu halten. Die Sitzung als solche muss nicht abgesagt werden.“

Hätte FFP2-Maske Corona-Quarantäne des Bayerisch Gmainer Gemeinderates verhindert?

Armin Wierer galt nicht als Kontaktperson der Corona-positiv getesteten Person in der Verwaltung. „Wir haben alle über 1,50 Meter Abstand und die Lüftungsanlage ist in Betrieb“, begründete der Bürgermeister seine Entscheidung, die Sitzung stattfinden zu lassen. Aus heutiger Erfahrung gibt er zu, eine Information vor der Sitzung und das Tragen der FFP2-Maske auch am Platz verpflichtend auszusprechen, hätte eine Quarantäne und die zusätzliche Testung in Bayerisch Gmain verhindern können.

„Wir müssen uns dem beugen, dass alle in Quarantäne sind“, so Wierer weiter. „Aber es wird auch Auswirkungen auf die nächsten Sitzungen haben.“ Demnach wird das Tragen der FFP2-Maske während der ganzen Sitzung jetzt verpflichtend und auch über mögliche Selbsttests vor der Sitzung und in regelmäßigen Abständen in der Verwaltung wird nachgedacht.

Lehren aus Corona-Quarantäne des Bayerisch Gmainer Gemeinderates?

Derzeit halten zwei Mitarbeiter in der Verwaltung die Fahne hoch und auch der zweite Bürgermeister Wilhelm Färbinger (Plus-Artikel) darf nach negativem Corona-Test mit Sondergenehmigung das Rathaus betreten. Mit Ende des 19. März läuft dann voraussichtlich auch für Armin Wierer die Quarantäne aus. Seine Corona-Erkrankung verlief bisher symptomlos.

„Ich weiß, was es für die Gemeinderäte bedeutet, die sich in der Ausübung ihres Ehrenamtes der Gefahr aussetzen, sich anzustecken“, gibt der Bürgermeister zu. „Sie haben Betriebe, Arbeitsplätze und sind jetzt durch die Quarantäne an daheim gebunden.“ Deshalb will Wierer aus „vermutlichen Fehlern lernen und es künftig anders machen“.

Rechtliche Konsequenzen wird das Abhalten der Sitzung für Armin Wierer aber nicht haben. Von Seiten des Landratsamtes wurde BGLand24.de bestätigt, dass die vorgeschriebenen Mindestabstände eingehalten wurden. „Daher wurde rechtlich gesehen keine Ordnungswidrigkeit begangen. Am Platz selbst besteht, wenn die Mindestabstände eingehalten werden, keine rechtliche Verpflichtung zum Tragen einer Maske.“

Bei der Einstufung als Kontaktperson I und den damit verbundenen Quarantänemaßnahmen müssten jedoch noch weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Aerosolbelastung im Raum berücksichtigt werden. Daher sei in diesem Fall für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die keine FFP2-Maske getragen hätten, eine Quarantäne als Kontaktperson der Kategorie I erforderlich.

„Warum dauert es 5 Tage bis dem Gesundheitsamt alle Daten des Gemeinderats vorliegen?“

Den Vorwurf Langgartners (Plus-Artikel), warum es fünf Tage dauerte bis dem Gesundheitsamt alle Daten von den Gemeinderäten übermittelt werden konnten, lässt der Bürgermeister dagegen so nicht gelten. „Mit meinem positiven Corona-Test wurde ich am Donnerstag (11. März) umgehend in Quarantäne geschickt. Ich konnte nur mehr von zuhause aus organisieren. Am Freitag habe ich mich mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Sie hatten alle Namen, aber nicht alle Kontaktdaten.“

Denn privat zuhause habe er eben nicht alle diese Daten zur Hand. „Ich bin derzeit relativ abgeschnitten“, so seine Aussage. Da die Verwaltung aufgrund der Corona-Fälle eben auch nur minimal besetzt sei, habe die Übermittlung der Daten etwas gedauert. Spätestens kommende Woche sollte die Normalität in der Bayerisch Gmainer Verwaltung wieder anlaufen, die Gemeinderäte müssen dagegen noch in der Quarantäne ausharren.

cz

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