Christoph Strom: "Eher Handwerker als Künstler"

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Christoph Strom: Der Bayerisch Gmainer erregt jetzt mit einer neuen Sichtweise auf die Bürgerinnen und Bürger Bad Reichenhalls Aufmerksamkeit - "MENSCHEN in Bad Reichenhall".

Bayerisch Gmain - Seine Fotos wurden in der ganzen Welt veröffentlicht: Christoph Strom. Jetzt ging er mit einer ganz neuen Sichtweise auf die Bürgerinnen und Bürger Bad Reichenhalls zu. ** Neu: FOTOS **

Er sieht sich nicht als Künstler, eher als Handwerker: Doch die künstlerische Ader ist bei Christoph Strom jedes Zweifels erhaben. Der Vater ist Maler und Grafiker, der heute 47-Jährige wuchs zwischen Farbtöpfen und Pinselstrichen auf. In München. Und lernte in den Werkstätten von Gustav van Treek den professionellen Umgang mit der Kamera.

Fotograf Christoph Strom und sein neues Buch

Etliche Besucher seiner Ausstellung im Alten Feuerhaus (von 18. bis 20. Januar), etliche Reichenhallerinnen und Reichenhaller werden mit seinem neuesten Werk - dem Buch "MENSCHEN in Bad Reichenhall" zufriedener sein. Zufriedener als 2010, als es Christoph Strom wagte, die glänzende Kurstadt von - sagen wir - "nicht ganz so schönen Seiten" zu portraitieren. Ich habe oft aussagen wie "warum fotografiert er sowas" oder "warum fotografiert er nichts Schönes" gehört, so der Wahl-Bayerisch Gmainer. Seine Postkartenserie "Ansichtssache" kam nicht bei allen Betrachtern gut an. Auch aus dieser Diskussion heraus entstand die neue Idee.

Hartes Sonnenlicht wird gemieden

Die weiß-blaue Postkarten-Kitsch-Idylle ist nicht die Sache von Christoph Strom: "Viel zu harte Schatten - ich liebe das weiche, diffuse Licht". Jeden Besitzer seines neuen Buches erwarten 51 Bilder, nur eine Handvoll davon im harten Sonnenschein - von Reichenhallerinnen, Reichenhallern, jeden Alters, jeder Schicht, vieler verschiedener Berufszweige, vom Haflingerzüchter über den Kurgärtner bis zum Zahnarzt. 51 Bilder - nur minimal bearbeitet, etwas optimiert - mit über 70 Menschen, außergewöhnlich inspiriert portraitiert in ihrer jeweiligen Umgebung, zumeist am Arbeitsplatz. "Da war schon besonderer Mut gefragt, sich der Öffentlichkeit derart privat zu offenbaren", erzählt Fotograf und Texter Christoph Strom in seinem Bayerisch Gmainer Haus gegenüber BGLand24.

Letztlich entstanden gestellte, deshalb aber keineswegs unnatürliche Bilder. Die Liebe zum Detail ist deutlich herausgestrichen, gekonnt eingesetzte Blickwinkel und Perspektiven unterstützen die Harmonie in den dennoch oft spannend aufgebauten Arrangements. Linienführung, Lichtstimmung, Goldener Schnitt - auch mal bewusst ausgesetzt - zeigen das gezielte Arbeiten Christoph Stroms. Dabei wusste er bis kurz vor dem Treffen mit seinen "Mandanten" oft noch nicht, in welcher Situation, in welcher Umgebung er sie würde ablichten können.

Inspiriert wurde Strom vom chinesischen Fotografen Hu Yang und dessen Serie "Menschen in Shanghai". Das Besondere daran: Die Bürger/-innen Shanghais leben oft in äußerlich unattraktiven Häusern und öffnen ihre Wohnungen nur selten für Gäste. Diese Tabuzonen gab es für Christoph Strom freilich nicht - wenngleich seine Situationen durchaus eine Art Innenansicht auf die Stadt gewährten. Sein neues Buch sieht er auch als Liebeserklärung für den Organismus Bad Reichenhall mit seinen wunderbaren Menschen, verbunden mit ihren Tätigkeiten.

"Wo ich bin ist immer gut!"

Teils stockte das Projekt, fast ein Jahr ging nahezu nichts voran: "Ich kenne ja viele Menschen hier, zu Beginn war es daher relativ einfach, Leute zu finden, die ich von diesem Projekt überzeugen konnte. Dann stockte es eine zeitlang. Deshalb hat es fast drei Jahre bis zur Fertigstellung gedauert". Herausgekommen ist ein hochinteressanter Talkessel-Querschnitt. Besondere Brisanz birgt der jeweils textliche Zusatz: Alle Portraitierten legten ihre ganz persönlichen Sichtweisen auf Bad Reichenhall offen: Vorzüge, Vorteile, Angenehmes, aber auch Nachteile, Mängel, Unangenehmes - ab und an mit Wünschen für die Zukunft bestückt. Außergewöhnliches Selbstbewusstsein legte Galerist und Rockbassist Helmut Malsy auf "seine Seite" unter dem Motto in der Kürze liegt die Würze: "Wo ich bin ist immer gut".

Ansonsten ähneln sich die Aussagen: Es lässt sich gut leben, hier, in der schönen Natur, zwischen den Bergen, im Kurklima. Doch für die Jugend würde zu wenig geboten und getan. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner hält auf Seite 42 dagegen: "Positive Dinge werden im Vorfeld oft ohne genau Detailkenntnisse schlecht gemacht".

Fotos weltweit veröffentlicht

Für den promovierten Mediziner Christoph Strom ist es die dritte Ausstellung: Zwischen der aktuellen und dem Auftakt mit seinen "Alltagsansichten" lag 2011 "Phaintings" - strukturelle Fotos im Stile von Radierungen, Zeichnungen. Leben kann der Familienvater (zwei Töchter) davon nicht. Seit 2003 arbeitet der Bayerisch Gmainer am Salzburger Krankenhaus der Barmherzigen Brüder als Anästhesist und betreibt zusammen mit seiner Gattin, der Dermatologin und Medizin-Journalistin Dr. Kerstin Strom, die ProHealthMedia GbR, ein Spezialbüro für medizinische Texte, Fotos und Illustrationen. Seine Fotos erschienen in unzähligen Publikationen auf der ganzen Welt. Sogar zwei Diashows jenseits des Büroalltags entstanden: "Namibia" und "Traumlandschaften der USA".

In Kürze wird die Ausstellung im Alten Feuerhaus (Volkshochschule Bad Reichenhall) mit einer Vernissage eröffnet. Axel Brötzner, ein Freund der Familie, die im Buch ebenfalls portraitiert wird, spricht "einführende Worte".

Christoph Stroms Werke sind auf der Homepage www.christoph-strom.de zu erwerben. Das neue, in den Niederlanden gedruckte Buch "MENSCHEN in Bad Reichenhall" ist am Eröffnungsabend der Ausstellung zum ermäßigten Preis erhältlich.

Hans-Joachim Bittner

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