Am Beispiel Bayerisch Gmain

So schaut der Alltag an unseren Grundschulen in Corona-Zeiten aus

+
Stimmkreisabgeordnete Michaela Kaniber und Landrat Bernhard Kern machten sich bei Esther Lau in der Grundschule Bayerisch Gmain ein Bild von der Umsetzung der Corona-Maßnahmen.

Bayerisch Gmain - Stimmkreisabgeordnete Michaela Kaniber und Landrat Bernhard Kern verschaffen sich einen Eindruck von der Situation an Schulen durch die Corona-Maßnahmen.

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Stimmkreisabgeordnete Michaela Kaniber und Landrat Bernhard Kern verschaffen sich einen Eindruck von der Situation an Schulen durch die Corona-Maßnahmen. Es ist nicht nur für Schüler und Eltern eine extreme Situation, ebenso für die Lehrkräfte: Sie stemmen Notfallbetreuung, ausgeklügelte Sicherheitsmaßnahmen, Hygienekonzept, neue Schülergruppenkonstellationen. Mit Schulleiterin Esther Lau besprachen Kaniber und Kern Ansätze, wie Landkreis und Freistaat die kleinen Schulen jetzt unterstützen können. Und wie der Schulalltag nach den Pfingstferien aussehen wird.


Einbahnstraßen haben in der Grundschule Bayerisch Gmain Einzug gehalten. Auf den vorgezeichneten Wegen im Flur und auf der Treppe bewegen sich auch Michaela Kaniber und Bernhard Kern - mit Masken. Die Stimmkreisabgeordnete und der Landrat verschaffen sich bei Schulleiterin Esther Lau einen Eindruck vom Schulalltag. Mit der Corona Pandemie hat sich der Tagesablauf in der Schule komplett verändert. "Die Eltern schulpflichtiger Kinder meistern seit Wochen eine riesige Herausforderung, die größten Respekt verdient", so Kaniber. "Aber auch die Schulleitung und Lehrkräfte kommen durch Corona an ihre Grenzen." Landrat Bernhard Kern pflichtet ihr bei: "Uns ist es wichtig, dass wir einen Live-Bericht bekommen, um herauszufinden, wie wir helfen können." Große Schulen hätten vermutlich weniger Probleme, die Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen: Sie haben mehr Lehrkräfte. "Wir wollen aus erster Hand erfahren, wie es an einer kleinen Schule des ländlichen Raums klappt", so die Staatsministerin.

Großer organisatorischer Mehraufwand

Das Kultusministerium gebe den Schulen insgesamt sehr viel Freiraum in der Gestaltung des veränderten schulischen Alltags, erklärt Esther Lau. "Gleichzeitig bedeutet Freiraum einen hohen organisatorischen Mehraufwand." Bestes Beispiel: die Notfallbetreuung für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen zwischen 7.30 und 16 Uhr auch in den Ferienzeiten. Bis zu neun Kinder nahmen die Möglichkeit bisher in Anspruch. "Wir haben großes Glück, dass die Eltern unserer Schüler so verständnisvoll sind: Sie bringen ihre Kinder wirklich nur dann, wenn es gar nicht anders geht." Die Wertschätzung der Eltern gegenüber den Lehrkräften sei in den vergangenen Wochen maßgeblich gestiegen.


Den Lehrplan musste man wegen des Homeschoolings gänzlich umstellen. Ein Problem sei außerdem, dass eine optimale technische Ausstattung der Familien nicht vorausgesetzt werden kann: Viele besitzen entweder keinen Computer, haben kein Internet oder keinen Drucker.

"Zwei Drittel aller Eltern wollen die Unterrichtsmaterialien in Papierform. Wir bereiten immer eine Woche vor und müssen dann die kontaktfreie Übermittlung gewährleisten."

 Die Kommunikation mit den Eltern laufe über Klassenelternsprecher, erzählt Esther Lau. "Das ist ein großer zeitlicher Aufwand, aber es lohnt sich: Es klappt sehr gut."

Wunsch nach Zusammenarbeit der Schulen im Landkreis

Dennoch sei die Belastungsgrenze der Lehrkräfte allmählich erreicht: Durch die Tatsache, dass vom Kultusministerium notwendigerweise täglich mit neuen Vorgaben zu rechnen ist, sei man immer in Habachtstellung. "Wir versuchen natürlich allen so gut es geht gerecht zu werden", erzählt Esther Lau. Eine Bitte gab sie Kaniber für die bayerische Staatsregierung mit auf den Weg: die Einhaltung der Ferienzeiten. "Wir brauchen einen geschützten zeitlichen Raum, in dem sich die Lehrkräfte erholen dürfen." Gleichzeitig äußerte sie den Wunsch nach einer Zusammenarbeit der Schulen im Landkreis bei der Notbetreuung. Landrat Bernhard Kern schlägt eine zentrale Koordinationsstelle vor, an der Bedarf und Angebot gebündelt werden. "Räumlich wird das schwer umzusetzen sein, bedingt durch die Topographie unseres Landkreises. Aber die Probleme sind ja überall die gleichen. Durch bessere Zusammenarbeit könnten Betreuungseinrichtungen auch mal eine Erholungspause einlegen."

Schulen stoßen an personelle und räumliche Grenzen

Die nächste Herausforderung kündigt sich schon an: Nach den Pfingstferien sollen alle Schüler wiederkommen. Sie werden zwei beziehungsweise drei Tage zur Schule gehen und die restliche Zeit im Homeschooling verbringen - ein von den Eltern präferiertes Konzept. Die Klassenstärke wird dazu halbiert. In der Grundschule Bayerisch Gmain geht es sich mit den erforderlichen Abständen gerade aus."Wir sind mit dem Meterstab durchs Schulhaus gelaufen", erzählt die Schulleiterin. Dennoch wird es knapp: Aktuell sind es 105 Schüler – und es werden immer mehr. Noch dazu sind die Klassen mit 26 oder 28 Schülern sehr groß. Bei vier Klassenlehrkräften und zwei Teilzeitkräften sei der Unterricht personell kaum zu schaffen. Noch dazu, weil die Teilzeitkräfte ihre Stellenzusage immer erst kurz Beginn des kommenden Schuljahres erhalten. "Das verhindert eine vorausschauende Planung, derzeit insbesondere im Hinblick auf die Notfallbetreuung in den Sommerferien", sagt Esther Lau. Ein Problem, das Kaniber versprach in München anzusprechen. Mit Kultusminister Professor Michael Piazolo wolle sie zudem über die Möglichkeit reden, Springer einzusetzen. "Das ist ein Ausnahmejahr. Wir müssen jetzt alle zusammenhalten. Denn was hier an den Schulen gemeistert wird, verdient größten Respekt." An Esther Lau gewandt meinte Kaniber: "Wir brauchen euch ganz extrem. Viele Eltern haben mir berichtet, dass die Dreifachbelastung aus Homeoffice, Homeschooling und dem Meistern des allgemeinen Alltags mit Corona zu hoch war." Anpassungsbedarf sieht Bernhard Kern in naher Zukunft bei den räumlichen Möglichkeiten der heimischen Schulen. "Wir haben vermutlich bald nicht nur zu wenig Lehrer, sondern bei kleineren Klassen auch zu wenig Platz."

Corona hat die Schüler verändert

Auf die Schüler angesprochen, berichtet die Schulleiterin von Veränderungen. "Es tut ihnen gut, wenn die Klassen jetzt kleiner sind. Aber ich beobachte, dass sie verunsichert sind. Manche haben auch wirklich Angst. Sie kommen verändert wieder zur Schule." Die belastende Situation in allen Lebensbereichen der vergangenen Wochen habe Spuren hinterlassen. Wohlmöglich haben auch viele Kinder die finanziellen Sorgen der Eltern mitbekommen. Das Tragen der Masken tut sein Übriges. "Den Abstand halten sie erstaunlich gut ein. Aber mir blutet das Herz, weil es nicht einfach für sie ist. Es wird sicherlich Kinder geben, die über Jahre hinweg intensive Betreuung brauchen werden."

Für Ihr Engagement dankten Kaniber und Kern der Schulleiterin abschließend - und baten sie gleichzeitig, ihren Dank auch an das gesamte Lehrerkollegium weiterzugeben.

"Es war und ist eine nie dagewesene Situation: Sie stemmen Notfallbetreuung, ausgeklügelte Sicherheitsmaßnahmen, Hygienekonzept und neue Schülergruppenkonstellationen.

Dafür sagen wir von ganzem Herzen Dankeschön."

Pressemeldung Michaela Kaniber, MdL Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Kommentare