Rettungsschwimmer: 100 neu ausgebildet 

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Berchtesgadener Land - Die Badesaison 2011 ist nun eröffnet und der BRK hat dafür 100 Rettungsschwimmer ausgebildet. Da das Wasser Gefahren birgt, wird an die Baderegeln erinnert.

Die BRK-Wasserwacht im Berchtesgadener Land ruft zum Beginn der Bade- und Schwimmsaison alle Wassersportler zu besonderer Vorsicht auf und erinnert mit ihren Baderegeln an die Gefahren der Gewässer, die immer wieder unterschätzt werden. 2010 sind in ganz Bayern 83 Menschen ertrunken. „13 weniger als 2009, aber immer noch deutlich zu viele“ beklagt Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer. Um im Ernstfall kompetent helfen zu können, haben sich die rund 100 Rettungsschwimmer der BRK-Wasserwacht während der vergangenen Wochen theoretisch und praktisch bei Übungen und mit den notwendigen Untersuchungen auf den kommenden Sommer vorbereitet. Unter anderem fanden Wiederbelebungstrainings mit dem Frühdefi und Tauchuntersuchungen statt.

„Jeder sollte sich über die Gefahren in Seen, Weihern, Bächen und Flüssen ausreichend informieren, denn wer alle Risiken richtig einschätzen kann, kann viele Unfälle und Notfallsituationen von vornherein vermeiden“, erklärt Schierghofer und appelliert an die Wasserfans, die zwölf Baderegeln zu beachten:

• Achte auf die Wassertemperatur!

• Springe nie erhitzt ins Wasser!

• Bade nicht mit vollem Magen!

• Gehe nicht übermüdet ins Wasser!

• Schwimme und tauche nie im Bereich von Sprunganlagen! ´

• Unterlasse das Rennen am Beckenrand!

• Verlasse das Wasser sofort, wenn Du frierst! Trockne Dich nach dem Baden gut ab!

• Stoße nie andere ins Wasser!

• Verlasse bei Sturm, Gischt oder Gewitter das Wasser!

• Gehe nicht unter Alkohol-, Medikamenten- und Drogeneinfluss ins Wasser!

• Benutze als Nichtschwimmer nie aufblasbare Schwimmkörper als Schwimmhilfe!

• Meide Wasserpflanzen!

2010 sind bundesweit 438 Menschen ertrunken

Immer wieder verunglücken Menschen beim Baden tödlich. Im Jahr 2010 sind über 438 Menschen in Deutschland ertrunken (2009: 474) - rund ein Fünftel davon in Bayern. Berücksichtigt man die Zahl der Ertrunkenen je 100.000 Einwohnern, liegt Bayern mit seinen zahlreichen Seen und Flüssen bei den Ertrunkenen bundesweit nur an zwölfter Stelle. „Die meisten Badeunfälle passieren, weil sich die Menschen überschätzen. Sie schwimmen zu weit in den See und merken nicht, dass sie müde werden“, erklärt Schierghofer. Aber nicht nur Selbstüberschätzung, sondern auch leichtsinniges Verhalten führt zu Unfällen beim Baden. Besonders gefährdet sind Kinder. Ursachen für Badeunfälle mit Kindern sind oft die mangelnde Aufsicht und fehlende Schwimmkenntnisse. „Deshalb sollten Kinder möglichst früh schwimmen lernen und regelmäßig trainieren“, mahnt Schierghofer. Bei der BRK-Wasserwacht kann jeder Schwimmen lernen und sich bis zum Wasserretter ausbilden lassen. Unter www.brk-bgl.de sind alle Ansprechpartner der Wasserwacht-Ortsgruppen im Landkreis aufgeführt, die weitere Auskünfte zu den nächsten Schwimm- oder Wasserrettungskursen erteilen können.

„Wegen der Gefahren beim Badespaß stehen unsere Rettungsschwimmer an Seen und in Freibädern für Notfälle aller Art bereit. Unsere Hauptaufgabe ist aber der Wasserrettungsdienst, also die Menschenrettung aus Gewässern mit anschließender notfallmedizinischer Versorgung. Die Badeaufsicht stellt nur einen kleinen Teil unserer Arbeit dar“, erklärt Siegfried Hauber, Technischer Leiter der BRK-Wasserwacht im Berchtesgadener Land. Dass die Wasserretter des Roten Kreuzes alle ehrenamtlich arbeiten, merken ihre Patienten kaum, denn Abläufe und Arbeitsweise sind professionell wie im hauptamtlich geprägten Landrettungsdienst organisiert. Hauber: „Das muss auch so sein, denn im Extremfall geht es um ein Menschenleben!“

Wiederbelebungstraining mit dem Frühdefi

Dr. Martin Eder von der Kreisklinik Berchtesgaden (rechts) führt bei Christoph Golser (Mitte) von der BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Berchtesgaden im Rahmen der jährlichen Tauchuntersuchung ein Belastungs-EKG durch. Ortsgruppenvorsitzender Gerhard Däuber (links) dankte der Firma Synlab Labordienstleitungen, die die Kosten für die Untersuchungen übernommen hat.

In einem solchen Extremfall müssen die Wasserretter auch einen Menschen wiederbeleben können – „natürlich entsprechend der aktuellen notfallmedizinischen Standards“, erklärt Ausbilder Christian Standl, beruflich als Rettungsassistent beim Roten Kreuz und seit vielen Jahren ehrenamtlich bei der BRK-Wasserwacht aktiv. Am letzten Wochenende im März konnten die ehrenamtlichen Helfer der Ortsgruppe Bad Reichenhall die Wiederbelebung beim plötzlichen Herztod trainieren; ähnliche Trainings fanden auch bei den anderen Ortsgruppen im Landkreis statt. An der Veranstaltung nahm das ausgebildete Personal des Wasserrettungsdienstes teil, das bereits zuvor in der Anwendung eines halbautomatischen Defibrillators (AED) geschult worden war. Seit Inbetriebnahme der beiden AED´s am Thumsee und am Höglwörther See konnte bereits der vierte Grundkurs ausgebildet werden.

Im Dezember 2003 wurden für die Wasserrettungsstationen am Thumsee und am Höglwörther See zwei Frühdefibrillatoren mit Monitorüberwachungsfunktion beschafft. Sinn und Zweck der Geräte ist die Bekämpfung des plötzlichen Herztods, dem alleine in Deutschland pro Jahr 120.000 Menschen zum Opfer fallen. Aktuell sind 40 Frauen und Männer der Reichenhaller Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) Wasserrettung an den AED´s ausgebildet – sie durchlaufen in halbjährlichen, beziehungsweise jährlichen Abständen ein halbtägiges Reanimationstraining, bei dem die vermittelten Lehrinhalte praktisch geübt und wieder aufgefrischt werden.

Schwerpunktmäßig vermittelte Christian Standl, Rettungsassistent und Instruktor Frühdefibrillation für die Wasserwacht Bad Reichenhall, die neuen Richtlinien in der Wiederbelebung des European Resucitation Council (ERC) aus dem Jahr 2010. Die Richtlinien gelten zumeist für rund fünf Jahre und bilden die fachliche Grundlage für die Durchführung einer Wiederbelebung. Zusätzlich wurde mit dem so genannten Larynxtubus ein Ausrüstungsgegenstand zur alternativen Atemwegssicherung und Beatmung ausgebildet und trainiert. Der Larynxtubus ist ein notfallmedizinisches Gerät zur einfachen, schnellen und effektiven Sicherung des Luftweges bei Kindern und Erwachsenen.

In einem theoretischen Teil lernten die Gruppen die neuen Reanimationsrichtlinien sowie die Anwendung des Larynxtubus kennen. Im Anschluss konnte jeder der Teilnehmer die praktische Handhabung des neuen Ausrüstungsgegenstands an einer Übungspuppe trainieren, um die Grundtechnik zu erlernen. Der Rest des Tages stand ganz im Zeichen eines realitätsnahen, praktischen Teamtrainings: Die Teams sahen sich mit unterschiedlichen Reanimationssituationen bei Menschen beim plötzlichen Herztod konfrontiert, wobei speziell auf eine qualitativ hochwertige Herzdruckmassage, eine schnelle und sichere Defibrillation und die korrekte Anwendung des Larynxtubus geachtet wurde. Die Teilnehmer des Grundkurses mussten sich abschließend einer schriftlichen und praktischen Prüfung stellen, die sie alle mit guten bis sehr guten Leistungen bestanden.

Christian Standl wurde durch eine dreiköpfige Prüfungskommission unterstützt, die aus einer Notärztin, einem Lehrrettungsassistenten und einem Instruktor Frühdefibrillation des Zoll Südbayern bestand. Bei der abschließenden Feedbackrunde konnten die Teilnehmer ihre Erfahrungen und Eindrücke austauschen und in der Gruppe diskutieren.

Tauchuntersuchung an der Kreisklinik Berchtesgaden

Die Rettungs- und Bergetaucher der BRK-Wasserwacht sind bei ihren Einsätzen teilweise großen körperlichen Belastungen ausgesetzt, weshalb sie sich jährlich einem Gesundheitscheck unterziehen müssen. Bei dieser Tauchuntersuchung werden die Lungenfunktion überprüft, ein Belastungs-EKG durchgeführt, Blutuntersuchungen gemacht und eine Urinprobe genommen. Wie bereits die Jahre zuvor unterstützte die Kreisklinik Berchtesgaden die BRK-Wasserwacht, indem Räume, Geräte und eine Laborantin zur Verfügung gestellt wurden. „Die Kosten für die Laboruntersuchung übernimmt, dankenswerterweise, die Firma Synlab für Labordienstleistungen“, freut sich der Berchtesgadener Ortsgruppenvorsitzende Gerhard Däuber.

Pressemeldung BRK Berchtesgadener Land

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