Staatsanwaltschaft sicher:

Nach Festnahme: Kripo reist nach Norwegen

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Das ist ein Vergleichsmodell der Tatwaffe, mit dem der Soldat Christoph R. zugestochen haben soll.
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    Alexander Belyamna
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Bad Reichenhall - Nach der Festnahme des Tatverdächtigen im Fall der grausamen Bluttat sind nun Kripobeamte nach Norwegen unterwegs. Auch der Auslieferungsantrag wurde gestellt.

UPDATE Donnerstag, 14.20 Uhr

Wie die tz berichtet, sind nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders bayerische Kripobeamte inzwischen Richtung Norwegen aufgebrochen, um den 20-Jährigen dort zu vernehmen. Außerdem wurde bereits der Auslieferungsantrag der deutschen Justiz an die zuständigen Behörden in Norwegen verschickt. Wie lange es dauert, bis der junge Mann nach Bayern überstellt werden kann, hängt aber davon ab, ob er einem beschleunigten Verfahren zustimmt oder nicht.

UPDATE 19 Uhr: Zwischenbilanz der Ermittlungen

24 Ermittlungstage, 600 Hinweise und 60 Beamte, die ihre Zeit ausschließlich der Soko "14. Juli" widmeten – hinter den Ermittler liegt eine Herkulesaufgabe. Wie es nun scheint, waren ihre Mühen nicht umsonst. Bei der Pressekonferenz in Bad Reichenhall zeigten sich Wolfgang Giese, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Jürgen Garbe, Leitender Polizeidirektor des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, und Hans-Peter Butz, Leitender Kriminaldirektor des Polizeipräsidiums, erleichtert über den Verlauf der Ermittlungen.

Wolfgang Giese und Hans-Peter Butz bei der Pressekonferenz:

Butz war es, der die Soko "14. Juli" ins Leben rief. Gerade ihm war anzumerken, dass die Ereignisse des 14. Juli und die darauffolgenden Wochen die Ermittler nicht kalt gelassen haben. So nannte Putz den Überlebenswillen der schwer verletzten jungen Frau "bemerkenswert". Der Soko-Leiter dankte ausdrücklich den Hilfskräften und der Familie der 17-Jährigen. Oberstaatsanwalt Giese sprach den Angehörigen des Ermordeten sein Mitgefühl aus und wünschte der jungen Frau Kraft.

Experten aus ganz Bayern unterstützten die Soko

Wie Butz erläuterte, waren die Ermittlungen der Soko eine "enorme Belastung". Mehrere Beamte hätten ihren Urlaub verschoben, um die Soko unterstützen zu können. Neben den Beamten der Traunsteiner Kriminalpolizei waren Kripo-Beamte aus dem gesamten Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums, Spezialisten des LKA, Beamte aus Würzburg, Augsburg und Bamberg und die Experten der Operativen Fallanalyse Bayern in die Ermittlungen eingebunden. "Die Profiler, wie sie (die Experten der Operativen Fallanalyse, Anm. d. Red.) genannt werden, haben uns sehr, sehr wichtige Ermittlungsrichtungen aufzeigen können", lobte Butz. Selbst Beamte aus dem Ausland unterstützten die Soko, da einige Hinweise die Ermittler über die Landesgrenze führten. Zudem fiel der Polizeiinspektion Bad Reichenhall eine wichtige Aufgabe zu, denn es galt, Sicherheitsstreifen zu fahren.

Motiv bleibt offen

So erfolgreich die Ermittlungen letztlich auch gelaufen sind, gibt es aber immer noch offene Fragen – und es gilt, dem mutmaßlichen Täter die Tat lückenlos nachzuweisen. Die Arbeit der Behörden sei noch nicht beendet, erklärte Giese. "Dem Täter muss die Tat in objektiver und subjektiver Hinsicht nachgewiesen werden." Ob sich der junge Mann im Rahmen der Festnahme zu den Vorwürfen geäußert hat, sei nicht bekannt. "Wir stehen (...) vor einem Puzzle, bei dem viele Erkenntnisse und Indizien zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden müssen", so Giese. Man sei aber davon überzeugt, dass man die Person gefasst habe, die für die Überfälle in Bad Reichenhall verantwortlich ist.

Auch die Frage nach dem Motiv ist noch ungeklärt. "Die Beweggründe des Beschuldigten für die Überfälle auf die völlig ahnungslosen Opfer liegen noch weitgehend im Dunkeln", erläuterte Giese. Möglicherweise hatte der junge Mann gar einen Mitwisser. "Das können wir noch nicht abschließend sagen", erklärte Butz.

UPDATE 15.25 Uhr: Auslieferung nach Bayern beantragt 

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd nun unserer Redaktion mitteilte, wird die Staatsanwaltschaft zeitnah ein Auslieferungsersuchen an die norwegischen Behörden stellen. Wann Christoph R. nach Bayern überstellt wird, ist derzeit aber noch unklar. Der junge Mann befindet sich in Norwegen in Polizeigewahrsam.

Pressekonferenz zur Festnahme des mutmaßlichen Täters

UPDATE 15.11 Uhr: Keine Mittäter

BGLand24-Reporter Alexander Belyamna berichtete uns soeben telefonisch weitere Details aus der Pressekonferenz. Demnach schließt die Polizei noch nicht aus, dass der mutmaßliche Täter am Finaltag unter Drogeneinfluss stand. Untersuchungen in diese Richtung stehen noch aus.

Christoph R. war in seiner Heimat Rheinland-Pfalz bereits wegen Ladendiebstahls und Körperverletzung polizeilich bekannt. Die Opfer in der Finalnacht waren laut Polizei nur Zufallsopfer, eine Verbindung gibt es nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nicht.

Die beiden zuvor verhafteten Tatverdächtigen gelten nach dem jetzigen Ermittlungsstand als umfänglich entlastet. Die Staatsanwaltschaft schließt einen Mittäter aus. 

Warum der Bundeswehrsoldat Norwegen als Fluchtort wählte, wurde in der PK ebenfalls thematisiert. Der Grund ist banal: Das Land sei ihm im Familienkreis als schönes Reiseziel empfohlen worden. Er war dort als Wanderer unterwegs und wurde kurioserweise am Dienstag bereits einmal von der Polizei kontrolliert. Durch diese Personenkontrolle konnte die norwegische Polizei sehr schnell das Gebiet eingrenzen, als dann der internationale Fahndungsaufruf am Dienstagnachmittag einging. So konnte er rasch erneut ausfindig gemacht werden.

An der SOKO "14. Juli" waren 60 Beamte beteiligt, darunter auch Profiler vom LKA (Abteilung Operative Fallanalyse). Die SOKO brauchte 24 Ermittlungstage zur mutmaßlichen Aufklärung des Verbrechens. Man wertete hierfür rund 580 Hinweise aus der Bevölkerung aus.  

UPDATE 14.57 Uhr: Entwarnung für Reichenhall

Auch wenn der Tatverdächtige noch nicht vernommen werden konnte, gibt der Leiter der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, Entwarnung: "Bad Reichenhall kann aufatmen". Man sei sich sicher, dass der Bundeswehrsoldat Christoph R. (20) der Täter ist.

UPDATE 14.55 Uhr: Innenminister Herrmann lobt Polizeiarbeit

Zeitgleich mit der Pressekonferenz in Bad Reichenhall wandte sich auch Bayerns Innenminister Joachim Hermann an die Öffentlichkeit und dankte der Sonderkommission "14. Juli", der Staatsanwaltschaft Traunstein und der norwegischen Polizei für die Aufklärung des Verbrechens: "Es bestätigt einmal mehr, dass bei Mord und Totschlag nahezu jedes Verbrechen geklärt wird. Die Nachricht von der Festnahme hat mich sehr erleichtert.”

UPDATE 14.45 Uhr: Das ist das Tatmesser

Auf der Pressekonferenz wurde soeben das Bundeswehr-Kampfmesser präsentiert, mit dem Christoph R. zugestochen haben soll. Es handelt sich dabei aber lediglich um ein gleiches Modell, nicht um das Original. Polizei-Pressesprecher Jürgen Thalmeier hält es hier in der Hand:

Im Spind des Soldaten fand man eine Messerscheide ohne Messer. Die Tatwaffe wurde von der Polizei bereits zuvor im Umkreis des zweiten Tatortes gefunden.

Zu den Motiven und den Beweggründen konnte die Staatsanwaltschaft noch keine Angaben machen. Offenbar fand noch keine Befragung des Tatverdächtigen statt.

Erstmeldung 13 Uhr:

Es sind viele offene Fragen, mit denen heute die Medienvertreter nach Bad Reichenhall kommen werden, wenn Staatsanwalt und Polizei ab 14 Uhr zum gestrigen Fahndungserfolg in Norwegen Stellung nehmen.

Am Dienstagabend wurde in der Nähe von Trondheim der Bundeswehrsoldat Christoph R. (20) verhaftet. Erst wenige Stunden zuvor wurde die Öffentlichkeit über die neuesten Ermittlungsergebnisse und den Verdacht gegen den Soldaten informiert.

Mit dieser Mitteilung auf Twitter bestätigte die norwegische Polizei die Festnahme um 19.59 Uhr am Dienstag:

Auf die Spur des möglichen Täters, der in der WM-Finalnacht einen 73-Jährigen tötete und eine 17-Jährige schwer verletzte, brachte die Polizei offenbar ein dort gefundenes Bundeswehrmesser. Das zumindest will die BILD-Zeitung wissen. Außerdem fand man im Spind des Gebirgsjägers blutverschmierte Kleidung - es war das Blut der beiden Opfer! Die Indizienkette ist also erdrückend, auch weil der junge Mann nach Norwegen flüchtete.

Offene Fragen

Der Gebirgsjäger Christoph R. (20) wurde von der norwegischen Polizei festgenommen. Ist er der gesuchte Täter?

Offene Fragen bleiben dennoch: Wie erklärt die Polizei die Festnahme eines 21-Jährigen, der erst am Montag wieder aus der U-Haft entlassen wurde und zuvor als dringend tatverdächtig galt? Wann gingen die ersten Hinweise auf den Bundeswehrsoldaten ein? Und vor allem: Hat sich Christoph R. schon zum Tatvorwurf geäußert? Und wenn ja: Welches Motiv hatte er für diese Bluttat?

Man darf gespannt sein, was Staatsanwaltschaft und Polizei preisgeben werden. Ein BGLand24.de-Reporter wird vor Ort sein. Wir berichten ab 14 Uhr aktuell. Im Anschluss werden wir auch ein Video zur Pressekonferenz online stellen.

Aus unserem Archiv: Spurensuche in Bad Reichenhall

Polizei bei Spurensuche in Bad Reichenhall

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