WM-Mord

Für immer hinter Gittern? Welche Strafe ihm droht

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Unter der Kontrolle der Justiz: Wird Christoph R. bei einer Verurteilung dauerhaft weggesperrt?
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Bad Reichenhall/Traunstein - In einer aufwühlenden ersten Prozesswoche wurde Christoph R. weiter schwer belastet. Was droht dem Angeklagten bei einer Verurteilung tatsächlich?

Am 20. Mai soll das Urteil nach elf Verhandlungstagen fallen und Prozessbeobachter haben kaum noch Zweifel, dass Christoph R. schuldig gesprochen wird, das Blutbad in Bad Reichenhall nach dem WM-Finalabend angerichtet zu haben. Er selbst schweigt dazu.

Viele unserer User fordern derweil auf Facebook und in den Kommentarbereichen unserer Artikel, dass der Angeklagte für immer eingesperrt gehört. Manche wünschen sich gar die Todesstrafe.

WM-Mord: Der Gerichtsprozess

- Prozesstag 1: Sachverständige berichtet über Familie und Lebenslauf von Christoph R.

- Prozesstag 2: Rechtsmediziner offenbart erschütternde Details

- Prozesstag 3:

Sarah schildert den Messerangriff auf sie

Was könnte Christoph R. aber tatsächlich drohen, sollte er verurteilt werden? Entscheidend für die Beantwortung dieser Frage wird sein, ob er als Heranwachsender mit einer Jugendstrafe verurteilt - zum Tatzeitpunkt war er 20 Jahre alt - oder ob das Erwachsenenstrafrecht greifen würde. Verhandelt wird der Fall deshalb auch vor der Jugendkammer des Traunsteiner Landgerichts. Welches Strafrecht angewendet wird, entscheidet sich erst im Laufe des Prozesses, erklärte Gerichtssprecher Tobias Dallmayer auf unsere Anfrage.

Die möglichen Höchststrafen

Bundestag und Bundesrat beschlossen im Jahr 2012 mehrere Neuregelungen im Jugendstrafrecht. Eine davon: Die Höchststrafe für Heranwachsende (18- bis 20-Jährige) bei Mord beträgt nun 15 statt vorher 10 Jahre, wenn eine besondere Schwere der Schuld erkannt wird. Der Vorsitzende Richter Klaus Weidmann wies bereits darauf hin, dass in diesem Fall neben Mordlust auch die Merkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe vorliegen könnten.

Sollte das Erwachsenen-Strafrecht Anwendung finden, schreibt das Strafrecht bei Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Dies ist ein Freiheitsentzug auf unbestimmte Zeit, mindestens aber 15 Jahre. Prof Dr. Axel Dessecker von der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden errechnete für einen Aufsatz der "Monatsschrift für Kriminologie" im Jahr 2012, dass lebenslänglich Verurteilte in Deutschland im Durchschnitt 18,6 Jahre im Gefängnis bleiben. Dies ergaben seine Daten ab dem Jahr 2000. Allerdings waren 2010 auch mehr als 20 Prozent aller Entlassenen 25 Jahre oder länger eingesperrt.

Anschließende Sicherungsverwahrung

Durchaus möglich ist, dass der Angeklagte auch zu einer anschließenden Sicherungsverwahrung verurteilt wird. Bei Heranwachsenden kann die Sicherungsverwahrung im Urteil vorbehalten sein, also "angedroht" werden. Vor dem Ende des Strafvollzuges wird dann eine Gefährlichkeitsprognose erstellt und entschieden, ob eine dauerhafte Sicherungsverwahrung zum Schutz der Allgemeinheit notwendig ist.  

In einem Fall aus Niedersachsen wurde im Oktober 2014 gegen einen 19-Jährigen, neben einer Jugendstrafe von 13 Jahren, auch ein solcher Vorbehalt auf eine Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Er hatte im Jahr 2013 eine Arbeitskollegin in einem Getränkemarkt mit mehr als 100 Messerstichen getötet.

Sollte Christoph R. als Erwachsener schuldig gesprochen werden, ist es sogar möglich, dass die Sicherungsverwahrung bereits im Urteil angeordnet wird.

Videos und Bilder vom Gerichtsprozess:

WM-Mord: Bilder vom dritten Prozesstag

WM-Mord: Der Angeklagte vor Gericht

WM-Mord: Prozessauftakt in Traunstein

mg

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