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Zwischenbericht „Berglöwe“

Großübung der Gebirgsjägerbrigade: Anstieg auf das Ristfeuchthorn

Die Gebirgspioniere aus Ingolstadt wuchten mit vereinten Kräften den Steg auf zur anderen Uferseite.
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Die Gebirgspioniere aus Ingolstadt wuchten mit vereinten Kräften den Steg auf zur anderen Uferseite.
  • Sebastian Aicher
    VonSebastian Aicher
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Nachdem die Gebirgsjäger am vergangenen Montag in vielen langen Kolonnen ihre Kaserne verlassen und auf dem Truppenübungsplatz Kammer einen Raum bezogen haben, beginnt nun die Angriffsphase der Übung. Das Ziel ist die Reiteralpe, die eingenommen und anschließend gegen einen angreifenden Feind verteidigt werden muss.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Bad Reichenhall/Traunstein – Es vibrierte das Gebäude, als am Montag im Stundentakt Kolonnen aus bis zu 35 Fahrzeugen, darunter Kettenfahrzeuge und große Radpanzer, aus der Wache der Reichenhaller Kaserne brausten. Aus den Luken schauten Soldaten mit geschwärzten Gesichtern, die Waffen in Anschlag. „Vergangene Ereignisse wie die Annexion der Krim haben gezeigt, dass wir den Fokus wieder mehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung legen müssen“, erklärt Brigadegeneral Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 die Notwendigkeit der Übung. „Das Zusammenspiel so vieler Kräfte unter den schwierigen Bedingungen des Gebirgskampfes muss geübt werden. Im Verlauf der Übung steigern wir uns dazu vom Einfachen zum Schweren. Jetzt beziehen die Soldaten ihre Stellungen im Gelände und planen von dort aus das weitere Vorgehen“, erläutert der Brigadekommandeur. „Die Belastung der 1.500 Übungsteilnehmer wird hoch sein und auch das Wetter spielt eine große Rolle. Aber die Leidensfähigkeit der Gebirgsjäger ist hoch, sie sind diese Strapazen gewöhnt“.

Spähtrupps suchen Gebirgsjäger

Am Tag darauf entdeckt man die Gebirgsjäger auf dem Truppenübungsplatz Traunstein/Kammer kaum. Es regnet, sie und ihre Fahrzeuge sind bestens getarnt im Gelände, sichern in alle Richtungen. In den Gefechtsständen wird eifrig gefunkt und an Landkarten gezeichnet. „Heute Nacht haben uns Spähtrupps des Feindes besucht“, erklärt der Zugführer des Hochgebirgsjägerzuges. „Die wollen herausfinden, wo wir sind und wie stark wir sind. Wir konnten unsere Stellungen natürlich halten, aber die Anspannung steigt jetzt natürlich. Wir müssen immer mit Feindberührung rechnen“. Im Verlauf des Tages kommt es immer wieder zu kleinen Gefechten mit Feindkräften, die durch Gebirgsjäger der Bataillone aus Bischofswiesen und Mittenwald gestellt werden.

Der steile Anstieg auf das Ristfeuchthorn

„Funker, fragen Sie nach wann die Pioniere mit ihrer Brücke kommen!“, Major Andreas Müller-Romminger, in der Übung Chef der vierten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 steht unter Strom. Gegen 6 Uhr, es ist noch stockfinster, hat er mit seinen Soldaten und allen Fahrzeugen einen Platz in der Nähe des Weißbachs erreicht und jetzt sind die Soldaten zu Fuß unterwegs – schwer bepackt mit Waffen, Munition, persönlicher Ausrüstung zum biwakieren und acht Litern Wasser pro Soldat. Doch bevor der steile Anstieg auf das Ristfeuchthorn beginnen kann, muss der Weißbach überquert werden. „Da kommen sie!“, meldet ein Soldat, der mit seinem Gewehr am Ufer des Bachs in Deckung liegt. Die Ingolstädter Gebirgspioniere schleppen sperrige Teile heran, setzen sie in wenigen Minuten zu einem langen Steg zusammen und schieben ihn mit vereinten Kräften über eine Rolle ans andere Ufer.

Der Chef sprintet unter Sicherung ans andere Ufer. Im Gebüsch sitzt ein Soldat des Hochgebirgsjägerzugs: „Herr Major, wir haben das Seilgeländer vorbereitet. Ich bin hier, um Ihre Kompanie aufzunehmen und hochzuführen.“ Kurze Absprachen, Deuten in der Landkarte, der Major klopft dem „Hochzügler“ auf die Schulter. „Funker, der Charlie-Zug kann übersetzen, die anderen hinterher. Ziehharmonika-Effekt vermeiden, aufgelockert bleiben!“. Schon huschen die Männer über den Steg und beginnen den Aufstieg. Alle haben schon Klettergurtzeug an, hängen sich damit in das vorbereitete Seilgelände ein.

Soldat nur noch schwer ansprechbar: Im Notfall muss es schnell gehen

„Charlie hat einen Real-Ausfall! Sani nach vorn!“ bellt es aus dem Funkgerät, als sich die Soldaten schon mitten im Aufstieg am Seilgeländer befinden. Absolut ruhig und abgeklärt gibt Müller-Romminger seine Befehle. Ein Soldat ist wegen Kreislaufversagen ausgefallen und nur noch schwer ansprechbar, es ist schnelles Handeln erforderlich. Hektik kann jetzt niemand gebrauchen. Schon sind Sanitäter bei dem Betroffenen, eine Infusion wird gelegt. Sein Zustand wird über Funk weitergemeldet, dann kommt in schnellem Schritt ein Arzt der Bergrettungstrupps dazu. „Der Mann wird abgeholt. Der Hubschrauber ist im Anflug“, erklärt ein Sanitäter. „In diesem Gelände würde es viel zu lang dauern, wenn er runtergetragen werden müsste“. Ein Rauchkörper wird geworfen, eine gelbe Wolke steigt aus dem Wald auf, schon schwebt der Hubschrauber über den Sanitätern und der Verletzte wird an einer Winde nach oben gezogen und an Bord genommen. Extra für die Übung wurde ein Rettungshubschrauber in Bischofwiesen stationiert – aus gutem Grund, wie sich zeigt. Die Rettungskette funktioniert reibungslos, das ist im Gebirge essentiell.

„Die Soldaten sind seit Tagen draußen, sind großen Strapazen ausgesetzt, schlafen kaum und das schwere Gepäck tut das Übrige“, erklärt Müller-Romminger. Er dreht sich um und gibt seine Befehle, wie die Kompanie den ausgefallenen Mann ersetzt, wie mit seiner Waffe und dem Gepäck verfahren wird, gruppiert um.

Der Aufstieg geht weiter – doch bis zum Biwakplatz in 1350 Höhenmetern wird noch viel Schweiß fließen müssen. „Wir sehen uns auf der Reiteralpe. Habe die Ehre!“, der Kompaniechef dreht sich um, reiht sich in den Strom der aufsteigenden Gebirgsjäger ein und verschwindet im steilen Bergwald.

Pressemitteilung Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“

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