Zahlen aus den Landkreisen Traunstein und BGL 

Können unsere Kinder noch Bairisch? Lokale Studie zeigt Ergebnisse

+
Bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag im Landratsamt in Bad Reichenhall, von links: Heinz Schober (Förderverein Bairische Sprache), Eugen Unterberger (Universität Salzburg), Landrat Georg Grabner und Horst Münzinger (Förderverein Bairische Sprache). 
  • schließen

Bad Reichenhall - Wie viele Kinder reden Bairisch? In welchen Orten spricht die Mehrheit schon Hochdeutsch? Eine Studie liefert jetzt Ergebnisse aus Tittmoning, Laufen, Surheim und Bad Reichenhall. 

Ein Viertel der Kinder in den vier untersuchten Orten ist noch fest im bairischen Dialekt verwurzelt, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Salzburg, die vom "Förderverein Bairische Sprache und Dialekte" in Auftrag gegeben wurde. Etwa ein weiteres Viertel spricht demnach zumindest noch "dialektnah". Knapp die Hälfte der Kinder rede Standarddeutsch oder zumindest sehr nah am Standard

Mit am meisten Bairisch hört man am Gymnasium

Von insgesamt 127 Kindern aus dritten und sechsten Klassen analysierte Eugen Unterberger von der Uni Salzburg die Aussprache - Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien in Tittmoning, Laufen, Surheim und Bad Reichenhall. Wie wurden einzelne Wörter wie "Leiter", "Bach", "Laub" oder "Brot" ausgesprochen? Und wie Sätze wie "Ich hatte kein Geld dabei" oder "Das ist Papas Hut"? Daran machte Unterberger fest, ob die Kinder noch Bairisch können.

Bairisch oder Standarddeutsch? Bei den 127 untersuchten Kindern ist das Verhältnis ungefähr gleich. (Dunkelblau: Dialekt, hellblau: dialektnah, hellorange: standardnah, orange: Standard)

Ganz gravierende Unterschiede zwischen den vier Orten ergaben sich in der Studie nicht. Trotzdem fällt auf, dass auf der Mittelschule Tittmoning oder den beiden Reichenhaller Schulen schon die Mehrheit Hochdeutsch spricht. Anders dagegen auf den Grundschulen in Surheim und Tittmoning oder auf dem Laufener Gymnasium: rund zwei Drittel sprechen mindestens "dialektnah". "Erstaunlich, weil es ja das Vorurteil gibt, dass bei höher Gebildeten und an Gymnasien weniger Dialekt gesprochen würde", so der Germanist Unterberger. 

Dialekt bei Kindern: Ergebnisse der einzelnen Schulen

Kinder von zugezogenen Deutschen völlig ohne Dialekt

Der Wissenschaftler von der Salzburger Uni interessierte sich auch für die Herkunft der Eltern und den Zusammenhang mit dem Bairischen: Es fällt auf, dass Kindern mit ausländischen Elternteilen noch eher Dialekt sprechen, als die Kinder von zugezogenen Deutschen. Von den Eltern mit "binnendeutschem Migrationshintergrund" konnte kein einziger Schüler ausfindig gemacht werden, der Bairisch sprach. Die Kinder bayerischer Eltern redeten dagegen fast ausschließlich im Dialekt oder nah dran

"Es ist noch immer in den Köpfen drin, dass Standarddeutsch für die Kinder besser wäre, wenn sie aufsteigen sollen. Aber wissenschaftlich ist das nicht haltbar", so Eugen Unterberger. Die Forschung zeige zum Teil sogar, dass Dialektsprecher kognitive Vorteile hätten, weil sie zweisprachig aufwuchsen und zwischen beiden Ebenen hin- und herwechseln könnten. Vor allem Kinder würden hier schnell lernen und sich umstellen, so Unterberger.

Wie kann der Dialekt gestärkt werden?

Wie könnte das Bairische bei den Kindern gestärkt werden? Landrat Georg Grabner betrachtet als "erste Zelle des Dialekts" die Familie, Horst Münzinger vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte sah dagegen Lehrer und Bildungssystem in der Pflicht: "In Kindergarten und Schule muss der Dialekt unbedingt zugelassen werden. In der Ausbildungsordnung sollte festgeschrieben werden, dass sich Erzieher mit den Dialekten auseinandersetzen müssen."

xe

Zurück zur Übersicht: Bad Reichenhall

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT