Bad Reichenhall hält zusammen

Stille Lichterkette in Bad Reichenhall: „ Wir fordern eine weitsichtige Corona Politik“

Bad Reichenhall - Heute, den 5. November findet ab 17.00 Uhr eine stille Lichterkette am Rathausplatz statt. Dies soll ein Zeichen für das kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in der Region Berchtesgadener Land setzen.

Pressemitteilung im Wortlaut:


Die heutige Aktion haben wir ins Leben gerufen, da uns das Berchtesgadener Land mit seinen Betrieben, Restaurants, Hotels, Künstlern und auch unsere Kinder am Herzen liegen. Wir fordern eine weitsichtige Corona Politik für die nächsten Jahre, da die Pandemie weder im Dezember, noch an Ostern oder Ende 2021 beendet sein wird. Auch ein Impfstoff wird diese nicht beenden.

Viele Unternehmen haben trotz massiver Einbußen im 1. Lockdown investiert, um allen Corona Vorschriften gerecht zu werden und trotzdem müssen sie jetzt schließen. Hier sind viele Arbeitsplätze und berufliche Existenzen gefährdet. Dies hat weitreichende Folgen für unseren Landkreis.


Ähnlich schaut es in der Kultusszene aus, die einen Umsatz von über 160 Milliarden Euro im Jahr hat und somit dem Staat auch hohe Steuergelder bringt. Dieser gesamten Branche droht das Aus, wenn die Politik nicht handelt und etwas an ihrer aktuellen Corona Politik ändert. Diese sollte nachhaltig sein, denn alle Gelder die jetzt ausgegeben werden, alle Schulden die jetzt gemacht werden, müssen wieder durch Steuergelder beglichen werden. Durch Kurzarbeit und Arbeitsverbot vieler Arbeitnehmer und Selbständiger werden die Steuereinnahmen für 2020 und 2021 massiv einbrechen.

Die Bad Reichenhaller Philharmoniker, um ein Beispiel zu nennen, haben sehr hohe Hygiene-Maßnahmen entwickelt. Es wurde ein separater Eingang für die Musiker gebaut. Es gibt Trennwände für die Musiker, Stühle und Notenständer werden nach Benutzung desinfiziert und das Programm wurde einem Lüftungskonzept angepasst.

Vergleicht man die Anzahl der zugelassenen Besucher im Konzertsaal mit der erlaubten Auslastung in Flugzeug, Bus und Bahn ist dies absolut unverständlich. Und trotzdem haben alle Musiker, Sänger, Tänzer, Tontechniker usw. ein Arbeitsverbot für den gesamten November. Ein Ende ist nicht in Aussicht.

Besonders hart trifft es die freiberuflichen Künstler. Die bisherigen Hilfen kommen nicht bei den Betroffenen an. Einzige Ausnahme war die 3 monatige Unterstützung in Bayern.

Anna Müller, freiberufliche Musikerin im Nebenerwerb braucht auf keinerlei Unterstützung hoffen. Für Künstler im Nebengewerbe ist keine Hilfe vorgesehen, auch wenn dies einen großen Teil des Lebensunterhaltes darstellt. Ihr Mann, Manuel Stocks sieht als freiberuflicher Musiker düster in die Zukunft. Viele freie Orchester, mit denen er schon seit Jahren konzertiert haben alle Konzerte bis Ostern 2021 abgesagt. Ob dann wieder Opernproduktionen stattfinden dürfen ist sehr fraglich.

Veranstalter sagen zögerlich oder gar nicht Projekte für 2021 und 2022 zu, da nicht absehbar ist, wie viele Spielverbote und Lockdowns noch folgen werden.

Arne Ahrens, besorgter Vater aus Bayrisch Gmain sagt: „ Ich bin vom Erfolg von der Achten Bayrischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nicht überzeugt und demonstriere das offen. So grundsätzlich vernünftig ich die Maßnahmen von Bund und Ländern der Verbreitung des Corona-Viruses entgegen zu arbeiten, so sehr wirken sie mittlerweile auf mich, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen: Mehr Reichweite, imposantere Werkzeuge und gewaltige Auswirkung selbst bei einem Streifschuß. Spatzen, erlebe ich oft, sind klein, ziemlich flink und die Geschoße der Kanonen viel zu teuer. Habe ich also ein Problem mit vielen Spatzen, werden mir verhältnismäßig viele Kanonen nicht helfen.“

Julia Schmied, der Lichterkette unterstreicht dies: „Wir gehen vom Lockdown in den Lockdown Light, der 3. Lockdown für das Berchtesgadener Land. Dies trifft unsere Region massiv. Mit der Lichterkette setzen wir ein Zeichen gegen die Unverhältnismäßigkeit dieser Lockdown - Strategie. Gastronomie, Hotels und kulturelle Betriebe haben investiert und gute Hygienekonzepte ausgearbeitet. Wir zeigen uns mit dieser Lichterkette auch solidarisch mit allen, die vor Verlust des Arbeitsplatzes und der beruflichen Existenz stehen, aber auch mit allen Menschen in der Region, die unter Einsamkeit, Isolation und gesellschaftlicher Spaltung leiden. Gerade die Kinder leiden sehr darunter, wenn Eltern vor dem Verlust von Arbeitsplatz und Existenz stehen. Auch müssen sie sich ständig in einer neuen Welt aus Geboten und Verboten zurechtfinden. Welche psychischen und sozialen Folgen dies haben wird, ist noch nicht absehbar. “

Oliver Juhasz, Inhaber und Geschäfstführer des Modehause Juhasz in Bad Reichenhall :„Den 1. Lockdown haben wir mitgetragen da im März noch wenig über das Virus bekannt war. Den Umsatzverlust mussten wir mit einem Kredit ausgleichen den wir verzinst zurückzahlen müssen. Den 2. durch das Landratsamt BGL verhängte regionalen Lockdown und den 3. bundesweiten Lockdown sehen wir als unverhältnismäßig und unnötig an. Das hauptsächliche Infektionsgeschehen findet im privaten Bereich und an Arbeitsplätzen statt wo Hygienemaßnamen nicht eingehalten werden. Hier müsste die Politik mehr Aufklärung und Motivation leisten anstelle der Panikmache. Stattdessen werden Restaurants und Hotels geschlossen obwohl es in diesen, wie auch im Einzelhandel, laut Robert Koch Institut zu sehr geringen bzw. keinem Infektionsgeschehen (0,X%) kommt. Wir fordern ein Umdenken der Politik in der Corona Strategie so wie es namhafte Virologen, zum Beispiel Herr Prof. Streeck, fordern. Gesunde Unternehmen sind unverschuldet durch 3. Lockdowns in Liquiditätsprobleme geraten. Wir fragen uns welche Ideen unsere Politiker haben um die drohenden Insolvenzen und den damit verbundenen Verlust von Hotels, Kultureinrichtungen, Einzelhandel, Dienstleistern, Zulieferer entgegenzuwirken?“

Pressemitteilung der Veranstalter

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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