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Licht aus, Spot an im Untersberg

So war die Weltpremiere von „Das Riesending - 20.000 Meter unter der Erde” in Bad Reichenhall

Ausverkaufte Weltpremiere in Corona-Zeiten.
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Ausverkaufte Weltpremiere in Corona-Zeiten.

Bei der Weltpremiere von „Das Riesending - 20.000 Meter unter der Erde” kommen die Zuschauer auf Tuchfühlung mit Regisseur und Hauptdarstellern.

Berchtesgaden - Wenn im Kino das Licht ausgeht, ist es so wie in Deutschlands längster Höhle, dem Riesending im Untersberg: stockfinster. Im Kino in Berchtesgaden sind die Lichter seit kurzem wieder an, die Höhlenforscher haben nach langer Mission zurück zum Ausgang gefunden: Das 90-minütige Ergebnis von „Das Riesending - 20.000 Meter unter der Erde” durften die Zuschauer bei der Weltpremiere im ausverkauften Berchtesgadener Kino miterleben. Einen Einblick in die Arbeit aus der Unterwelt gaben Regisseur Freddie Röckenhaus und die Höhlenforscher rund um Johann Westhauser und Ulrich Meyer.

„Lichtscheue Geschöpfe“

Johann Westhauser ist ein Mann der leisen und wenn, dann wenigen Worte. Platz genommen hat er ganz hinten im Kino, letzte Reihe. Seit seinem Höhlenunfall vor einigen Jahren hat seine Person einiges an Bekanntheit erlangt, doch Westhauser blieb immerzu wortkarg. Keine Interviews, kein Aufsehen um seine Person: Höhlenforscher stehen nicht gern in der Öffentlichkeit. Regisseur Freddie Röckenhaus sagt es so: „Höhlenforscher sind lichtscheue Geschöpfe. Johann scheut auch die Worte.” Natürlich kann sich Röckenhaus dabei das Grinsen nicht verkneifen.

Dass nun ein Film über die größte, tiefste und längste Höhle der Republik den Weg in die Kinos findet, ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren, auch die Fügung des Schicksals spielt dabei eine Rolle.

Wer in Höhlen geht, klaustrophobische Gänge passiert, darf keine Angst haben, muss zudem klettern können, einen klaren Kopf behalten, mentale Stärke beweisen zwischen hunderten Metern Fels rechts, links, oben und unten. Im besten Fall sogar filmen können. Mehrere Filmteams, die Regisseur und Autor Freddie Röckenhaus angefragt hatte, sprangen wieder ab. „Man kann sich für 40 Millionen Euro ins All schießen lassen oder sich einen Sherpa buchen, um auf den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest, zu steigen.” In den Bauch eines Berges zu kommen, das gelänge selbst mit prall gefülltem Bankkonto nicht ohne weiteres.

Schwierige Dreharbeiten in der Höhle

Es war ein langer Prozess, die Höhlenforscher - Marcus Preißner, Florian Schwarz, Johann Westhauser, Thomas Matthalm und Ulrich Meyer - vom Filmprojekt zu überzeugen. Denn wer in den Untergrund geht, bleibt lieber unbeobachtet. „Ich war ein wirklich großer Bedenkenträger”, gesteht etwa Forscher Florian Schwarz. Dem Regisseur gelang es am Ende doch, die Skeptiker zum Projekt zu bewegen. 

„Freddie hat uns ein paar Kameras in die Hand gedrückt, wir hatten ja keine andere Wahl”, scherzt Ulrich Meyer, der die Höhle vor 24 Jahren entdeckt hatte. Ganz so einfach war es nicht: Die Höhlenforscher wurden im Umgang mit Kameras geschult. Katharina Bitzer, selbst leidenschaftliche Höhlenerkunderin, unterstützte als einzige Frau hinter der Kamera. Der Produzent attestiert ihr „unfassbaren Enthusiasmus”. Wochenlang hatte sie sich im Vorfeld mit dem technischen Equipment beschäftigt, gefilmt, was ihr vor die Kamera kam - „obwohl ich davon ja keine Ahnung hatte”, sagt die junge Frau.

Drehen ohne Drehbuch

Vielleicht ist das Fehlen eines professionellen Kamerateams genau der Grund und somit die erfolgversprechende Zutat für die Authentizität der Dokumentation. „Niemand musste sich verstellen, ein eingeschweißtes Team ganz unter sich”, sagt der Regisseur. „Wir vertrauen uns alle blind, in jeder Sekunde”, sagt Thomas Matthalm. 

Ein Drehbuch gab es nicht, nur ein paar Ideen, die im besten Fall auf Kamera festgehalten werden sollten. „Es gab die Abmachung: Wenn wir die Höhle ohne Bildmaterial verlassen, ist das für den Regisseur auch okay”, sagt Thomas Matthalm. Der „worst case”, der schlimmste anzunehmende Fall, trat nicht ein. Das Publikum darf sogar lachen: Etwa, wenn es den Höhlenkundlern beim kollektiven Schnarchen zuhört - oder bei der Zubereitung der dürftigen Fertigspeisen: Fettaugen auf trübem Wässerchen, gerührt mit einem Schraubenschlüssel: Uli Meyer sagt: „Schmeckte lehmig, den Klumpen habe ich noch in meinem Rucksack gefunden.”

Wochenlang in der Höhle

Über zwei Wochen lang war das kleine Team für die Dreharbeiten im Berg, einmal sechs Tage am Stück. Bis auf 1150 Meter Tiefe arbeiteten sie sich nach unten, drei Tage vom Höhlenausgang entfernt. „Kriegt man da nicht mal einen Koller dort unten bei all der Enge”, fragt eine Frau aus dem Publikum. „Das Arbeiten und Wühlen durch feuchten Lehm war schlimmer”, antwortet Florian Schwarz. Felswände, die einen erdrücken könnten und redensartlich die Luft zum Atmen nehmen? Darüber machen sich die Riesending-Entdecker keine Gedanken. 

Vielmehr erfreuten sie sich daran, große Muscheln, sogenannte Megalodonten, zu entdecken, Fledermäuse in 1000 Metern Tiefe und absoluter Dunkelheit. „Was die da unten treiben, ist uns ein Rätsel”, sagt Ulrich Meyer. Die Welt außen rum auszublenden, den Alltag zu vergessen, ist für die Riesending-Entdecker eine Art Horizonterweiterung. Die Höhle sei keine Kulisse zur Selbstdarstellung, deretwegen man sich in die Tiefe wagt, sondern biete Anreiz zur Entdeckung, sagt Meyer. Dem Regisseur sei es gelungen, die Parallelwelt des Berges so zu schneiden, „wie wir sie erlebt haben. Dafür sind wir ihm dankbar”, sagen die Protagonisten.

Angetan von den Bildern zeigte sich auch das Premierenpublikum im Corona-konformen, ausverkauften Saal.

Ausgeforscht ist die beeindruckende Unterwelt noch lange nicht. Grund genug für die Cannstatter Höhlenforscher, zurückzukehren. „Wir brauchen schließlich eine Filmfortsetzung”, scherzt Ulrich Meyer.  

kp

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