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Nachgefragt in Bad Reichenhall, Neuötting und Rosenheim

Trifft die aktuelle Bio-Nachfrage-Flaute Unverpackt-Läden der Region?

Von links: Franziska Haitzmann von „Emmas Bioladen“ aus Bad Reichenhall zeigt stolz ihr Bio-Zertifikat; Alexandra Stibane, Mitinhaberin des Unverpackt-Ladens „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim; Der „Natürlich unverpackt“-Laden von Julia Wimmer in Neuötting.
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Von links: Franziska Haitzmann von „Emmas Bioladen“ aus Bad Reichenhall zeigt stolz ihr Bio-Zertifikat; Alexandra Stibane, Mitinhaberin des Unverpackt-Ladens „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim; Der „Natürlich unverpackt“-Laden von Julia Wimmer in Neuötting.

Angesichts der aktuellen Lage gibt es laut vielfältigen Berichten derzeit eine zurückgegangene Nachfrage nach Bio- und damit auch Unverpackt-Angeboten in Deutschland. Wir haben uns bei Geschäften in Bad Reichenhall, Neuötting und Rosenheim erkundigt ob und wie sie das betrifft.

Bad Reichenhall/Neuötting/Rosenheim - „Viele Unverpacktläden haben aus Idealismus in Deutschland eröffnet und hart gearbeitet, es zeigt sich jedoch, dass jede Woche wieder ein familiengeführter Unverpacktladen aus finanziellen Gründen schließen muss“, bemerkt Franziska Haitzmann von „Emmas Bioladen“ aus Bad Reichenhall, den es seit 2020 gibt. „Emmas Bioladen hat einen starke Stammkundschaft, die dem Laden treu ist und sich über das regionale und plastikfreie Bio-Sortiment in Bad Reichenhall freut und mit Begeisterung einkauft. Wir bieten neben dem Abpackservice ab sofort auch Lieferungen an. Emmas Bioladen beliefert ab sofort auch Kindergärten und Schulen mit Bio-Obst und Bio-Gemüse innerhalb des Schulprogramms kostenlos. Für einen Lieferservice für Haushalte und Büros werden Gutscheine verkauft, um sich ein Lastenfahrrad zu finanzieren.“

Der Facebook-Post des Unverpackt-Ladens „Nimm‘s lose“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim.

„Hier ist gähnende Leere! Wo seid Ihr? Man hört immer Klimaschutz, Nachhaltigkeit, ABER… Wenn es uns weiter geben soll und Euch diese Themen wirklich wichtig sind und unser Konzept am Herzen liegt, bitte kommt wieder“, heißt es in einem Facebook-Post, mit dem sich der Rosenheimer Unverpackt-Laden „Nimm‘s lose“ Anfang des Monats an die Öffentlichkeit wendete. Der Laden besteht seit 2017 an der Gillitzerstraße. „Ende 2019 lief alles noch wunderbar. Damals haben wir sogar noch überlegt, zusätzlich jemanden anzustellen, damit wir die Kundennachfrage bedienen können“, berichtete Alexandra Stibane, Mitinhaberin des „Nimm‘s lose“ gegenüber unserer Redaktion. Damals arbeitete noch ihr Mann Christian mit im Laden. Aktuell arbeitet er in einem anderen Beruf, damit die Familie mit zwei kleinen Kindern genügend Geld zusammenbekommt. „Wir haben seitdem zwei Drittel unserer Kundschaft und 40 bis 50 Prozent des Umsatzes eingebüßt. Wenn sich jetzt nicht bald etwas ändert, schaut es düster aus!“

Wie geht es Unverpackt-Läden in Bad Reichenhall, Neuötting und Rosenheim?

Seitdem habe sich die Lage noch nicht gebessert. „Es sind merkbar wieder einige Leute mehr gekommen“, erzählt Stibane auf erneute Nachfrage, „Aber es ist halt noch bei weitem nicht wieder auf dem Niveau, wie vor der Pandemie. Wir hoffen natürlich weiterhin, dass es sich noch zum Besseren wendet, aber aktuell würden die Umsätze noch nicht ausreichen.“ Ein Lieferdienst, für diejenigen, die selbst keine Verpackungen organisieren können, Pfandgläser, Snackboxen für Büro oder Kaffeeküchen die Stibanes haben schon einiges versucht. „Wir bieten demnächst auch ein Mitglieder-Programm, bei dem man als zahlendes Mitglied vergünstigt einkaufen kann und so weiter. Aber auch das wird eine Tatsache leider nicht ändern: Wenn nicht bald wieder mehr Leute bei uns einkaufen, ist es leider vorbei!“, mahnte Stibane bereits bei unserem ersten Gespräch.

„Höhere Standards in der Tierhaltung und beim Umweltschutz, weniger Schadstoffe – den höheren Preis für Bio zahlten zuletzt immer mehr Menschen. 2022 hat sich der Trend umgekehrt. Verantwortlich sind Inflation und steigenden Kosten unter anderem bei Energie und Mobilität“, berichtet die Zeitschrift „Öko Test“. Auch die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet von einem Rückgang der Nachfrage. Das spüren offenbar Bio- und Unverpackt-Läden auch in anderen Teilen Bayerns. „Wir haben ein Drittel weniger Umsatz“, berichtet etwa Karolina Kreuzer, die mit ihrem Mann Thomas Leuprecht das Milchlokal in Durach, einen Unverpackt-Laden betreibt gegenüber der Allgäuer Zeitung. Die Zeitung zitiert auch einen weiteren Biohändler und einen Biolandwirt, die über eine zurückgegangene Nachfrage klagen. Laut einem Bericht des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) sehen sich auch im Nachbar-Bundesland Baden-Württemberg Bio-Anbieter in einer solchen Lage, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

„Kunden wundern sich immer, dass die Rechnung nicht höher ausfällt“

„Das die Lebensmittelpreise gestiegen sind, kann ich bestätigen, aber nur bedingt. Natürlich haben einige Lieferanten Ihre Preise erhöht, es sind aber bei Weitem nicht alle. Deshalb kann ich diesbezüglich auch noch nicht klagen. Ich kann meinen Kunden nach wie vor faire Preise anbieten“, berichtet wiederum Julia Wimmer, die in Neuötting seit Ende September 2021 den Unverpackt-Laden „Natürlich unverpackt“ betreibt. „Als neues Geschäft muss mein Unverpackt-Laden immer noch an Bekanntheit gewinnen. Man hört oft die Vorurteile, dass unverpacktes Einkaufen und Bio Produkte teuer sind. Was so aber nicht immer stimmt. Es kommt immer wieder vor, das sich Kunden an der Kasse wundern, dass die Rechnung nicht höher ausfällt.

Aktuell könne sie keinen Rückgang der Nachfrage feststellen, so Wimmer, „Ich denke aber, dass wir aufgrund der oben genannten Meinungen momentan keine neuen Kunden gewinnen. Was natürlich schade ist, da selbstverständlich jedes neue Geschäft auf Kundenzuwachs angewiesen ist. Ansonsten verfolge ich die Posts in den sozialen Netzwerken von anderen unverpackt Läden in ganz Deutschland und bekomme so mit, dass viele Kunden anscheinend immer mehr vom Umweltgedanken, der Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung abgekommen sind und wieder günstige Produkt vom Discounter konsumieren.“

hs

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