Sicherheitsbericht für den Landkreis

Sexualdelikte um 79,1 Prozent angestiegen

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Bad Reichenhall – Mit zufriedenstellenden Zahlen hat Robert Kopp, Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, den Sicherheitsbericht für den Landkreis Berchtesgadener Land im Landratsamt vorgestellt. So stieg die Anzahl der Straftaten im vergangenen Jahr nur leicht, von 4847 (2016) auf 4904. Rechnet man ausländerrechtliche Delikte mit ein, liegt die Zahl bei 10962. Deutlich gestiegen sind jedoch die Rauschgift- und Sexualdelikte.

Landrat Georg Grabner sagte, dass die ausländerrechtlichen Delikte innerhalb der Statistik eine große Rolle spielten. Tatsächlich waren im Jahr 2016 über 108000 Straftaten im Landkreis registriert worden. Rechnet man die ausländerrechtlichen Delikte raus, lag die Zahl bei 4847. Für 2017 wurden 57 zusätzliche Delikte gezählt, das entpsricht einer Steigerung um 1,2 Prozent. Auch wenn der starke Flüchtlingszuzug der vergangenen Jahre vorüber ist, sind die Zahlen weiterhin spürbar, werden aber im Sicherheitsbericht nicht eigens aufgeführt. Grabner attestierte dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd, „exzellente Arbeit“ geleistet zu haben. Die Sicherheitslage im Landkreis sei gut, besser als in anderen Regionen des Freistaats. 

Präsidiumsleiter Robert Kopp zeigte sich stolz über die hohe Aufklärungsquote. Diese stieg von 69,9 Prozent auf 72,1 Prozent im vergangenen Jahr. „Das bedeutet, dass 3535 Fälle geklärt werden konnten. Drei von vier Fällen konnten wir erfolgreich abhaken.“ Die Häufigkeitszahl, gemessen an einem Wert von 100000 Einwohnern, liege im Landkreis bei 4694 und stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent. Bayernweit liegt diese Zahl bei 4533, im Einzugsgebiet des Präsidiums bei 3933. „Die Zahlen sind niedriger, wir dürfen aber nicht vergessen, dass das Berchtesgadener Land in Grenznähe liegt“, sagte Kopp. Von 2957 Tatverdächtigen waren über die Hälfte (1577) Nichtdeutsche. Das entspricht 53,3 Prozent. Der Anteil der im Landkreis lebenden Ausländer beträgt 15 Prozent. 347 Tatverdächtige waren Zuwanderer. Die Altersverteilung bei den Tatverdächtigen zeigt, dass unter den angeführten 2957 265 Personen noch nicht volljährig waren. 

Kopp wies daraufhin, dass im Landkreis von Jahr zu Jahr mehr Menschen wohnten, die Toruismuszahlen stiegen: All dies habe auch Auswirkungen auf die Statistik. Beunruhigend sei die Entwicklung bei Rauschgiftdelikten. Wurden im Jahr 2015 nur etwas über 200 Fälle registriert, zählte man im vergangenen Jahr 742 Delikte. Die Zahl sei aber auch deshalb so hoch, weil verstärkt kontrolliert werde, „die Arbeit der Schleierfahnder zahlt sich aus“, sagte Kopp, der davon ausgeht, dass es sich trotz der hohen Zahlen um keine allgemeine Aktivitätszunahme handelt. Dennoch gelte es, dem Rauschgifthandel entgegenzuwirken. „Der Kontrolldruck durch die Schleierfahnder steigt.“ Kopp bezeichnete die Schleierfahnder als „Bollwerk gegen die internationale Kriminalität.“ Im Landkreis sorge man dafür, dass „diese Leute erst gar nicht hier ins Land kommen können.“ 

Kopp wies darauf hin, dass 2017 159 Einsätze in Asylbewerberunterkünften durchgeführt wurden. Die Zahlen seien im Begriff zu steigen. Az0erdem fügte er an, dass er sich darüber freue, dass Bad Reichenhall in Zukunft eine eigene Sicherheitswacht bekommen soll.

Polizeivizepräsident Harald Pickert beleuchtete die weiteren Zahlen im Detail. So habe es wesentliche Änderungen im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls gegeben: „Waren es 2016 noch 46 Fälle im Landkreis, kam es 2017 zu einem Rückgang von zwölf Fällen, was 26,1 Prozent entspricht.“ Hinzu kommen 32 durchgeführte oder im Versuch befindliche Geschäftseinbrüche. „Auch hier zeigt die Arbeit der Schleierfahnder Erfolge“, sagte Pickert. Bei den Diebstahlsdelikten registrierte die Polizei ebenfalls einen Rückgang um 2,7 Prozent. Insgesamt wurden 1101 Diebstahlsdelikte einfacher und schwerer Natur begangen. Im Zehn-Jahres-Vergleich seien die Zahlen „bemerkenswert“, so Pickert. 2008 zählte das Polizeipräsidium im Landkreis noch 1901 Diebstähle. 

944 Vermögens- und Fälschungsdelikte wurden landkreisweit gelistet, die Zahl der Rohheitsdelikte, zu denen einfache und schwere Körperverletzungen, Raubdelikte sowie erpresserischer Menschenraub zählen, stieg um 1,9 Prozent auf 704 Straftaten. „Die im Zusammenhang mit der Zuwanderung stehenden Vergehen nach den strafrechtlichen Nebengesetzen sinken anlässlich der nachlassenden Zuwandererzahlen weiter drastisch“, sagte Pickert – um minus 93,2 Prozent. Die Delikte der unerlaubten Einreise reduzierten sich 2017 von 42731 auf 5734 Delikte. Erfreulich sei der Rückgang der Gewalt- und Straßenkriminalität um 15,1 Prozent auf 632 Fälle. 

Bei den Sexualdelikten verbuchte man einen kräftigen Anstieg um 79,1 Prozent auf 77 Delikte. „Mittlerweile zählen auch Dinge wie Begrapschen als Straftat, früher war das eine Beleidigung.“ Auch in Sachen Unfallzahlen entwickeln sich die Zahlen positiv. 2017 gab es 495 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, 666 Personen wurden verletzt, „wir hatten nur einen Toten“. 2016 waren es noch elf ums Leben Gekommene. Die Zahl der Motorradunfälle sei auf 87 gefallen (2016: 98). „Was aber deutlich zunimmt, sind die Unfälle mit Fahrrädern, vor allem E-Bikes“, sagte Kopp. 194 Unfälle ereigneten sich 2017 (2016: 158). Ein Problem der letzten Monate seien die zahlreichen versuchten Übergriffe auf Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bayerisches Rotes Kreuz gewesen. „Es kann nicht sein, dass Menschen attackiert werden, die anderen helfen.“ Ebenso warnte er vor sich als Polizeibeamte ausgebende Anrufer, die vor allem bei älteren Personen anrufen und über Umwege an Wertgegenstände kommen wollen. „Der Enkeltrick von einst hat ausgedient, bei dieser neuen Masche müssen wir verstärkt entgegenwirken.“

Kilian Pfeiffer

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