Schneizlreuth gibt Stellungnahme zu Wasserkraftwerk ab

"Belastung für die Bürger nicht mehr tragbar"

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Die Gemeinde Schneizlreuth lehnt in ihrer Stellungnahme das geplante Wasserkraftwerk an der Saalach zwischen Unken und Schneizlreuth ab.
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Schneizlreuth - Der Gemeinderat hat am Dienstagabend die Stellungnahme zum geplanten Wasserkraftwerk an der Saalach beschlossen. Die Haltung des Gremiums ist klar.

Die Gemeindeverwaltung Schneizlreuth hat in den vergangenen Wochen eine Stellungnahme zum geplanten Ausleitungskraftwerk der Wasserkraft Schneizlreuth GmbH & Co. KG zwischen Unken und Schneizlreuth erarbeitet. Auf sieben Seiten in 18 Punkten wird erklärt, warum die Gemeinde das Wasserkraftwerk ablehnt.

"Die Gemeinde hat große Bedenken was die Trinkwasserqualität angeht. Immerhin ist unser Brunnen genau im betroffenen Gebiet", erklärt Geschäftsleiter Michael Faber gegenüber BGLand24.de. Bürgermeister Wolfgang Simon hatte im Vorfeld schon die Fragen in den Raum gestellt "Wen kann ich zur Rechenschaft ziehen, wenn der Brunnen dann doch verunreinigt ist? Wenn in 30 bis 50 Jahren ein Problem auftritt?"

Schneizlreuths Bürgermeister Wolfgang Simon hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das geplante Wasserkraftwerk an der Saalach ablehnt.

Ein vom künftigen Betreiber in Auftrag gegebenes Gutachten besagt, "dass dem Trinkwasserbrunnen der Gemeinde keine Nachteile entstehen werden." Zu wenig für die Gemeinde und Bürgermeister Simon, sie wollen Garantien. Außerdem befürchten sie erhebliche Eingriffe ins Landschaftsbild, Belastungen für Straßen und Wege, die derzeit von Fußgängern genutzt werden und dann auf 40-Tonner ausgelegt werden müssten. Sowie eine "ewig lange Baustelle".

"Grenze der Belastbarkeit auch ohne Wasserkraftwerk an der Saalach erreicht"

Der Betreiber versprach in einer Informationsveranstaltung eine verantwortungsbewusste Bauweise und auch bei der Inbetriebnahme absolute Rücksicht auf die ökologischen Belange. Ein Versprechen, dass für die Gemeinde und ihren Bürgermeister wiederum keine Garantie birgt.

Klar ist allerdings, so ist sich auch der Gemeinderat einig: "Die Belastung ist für die Bürger nicht mehr tragbar." Es würden bereits mehr als 10.000 Fahrzeuge täglich durch Ausflugsverkehr, Pendler und verschiedene Unternehmen durch Schneizlreuth fahren. 

"Wir haben die Grenze der Belastbarkeit auch ohne das Wasserkraftwerk schon erreicht", so Faber. Außerdem gebe es mit dem Saalachstausee und verschiedene Kraftwerksschlösser bereits genügend ökologische Stromerzeugung auf Schneizlreuther Gemeindegebiet.

"Nur Belastung, keinen Nutzen durch Wasserkraftwerk"

Dazu komme, dass der Erholungsraum Saalach für die Schneizlreuther und auch die österreichischen Nachbarn in Unken sehr wichtig sei. "Aus unserer Sicht wäre vom Bau auch eine FFH-Fläche betroffen und die Frage, was mit dem Dolomitabbau passiert, ist auch noch nicht geklärt", erläutert der Geschäftsleiter weitere Punkte.

Ein entscheidender aber sei, dass "die Gemeinde selbst nur Belastungen aber keinen Nutzen durch das Kraftwerk haben wird". Die Verwaltung ist überzeugt, dass durch den vollautomatischen Betrieb keinerlei Arbeitsplätze geschaffen würden und auch mögliche Einnahmen durch Gewerbesteuer bezweifelt sie. 

Auch die Grünen im Berchtesgadener Land stehen den Wasserkraftwerksplänen skeptisch gegenüber.

Dies verspricht aber der künftige Betreiber: "Bereits während der Bauzeit, aber natürlich auch ab der Inbetriebnahme werden neue Arbeitsplätze geschaffen und auch spürbare Steuereinnahmen lukriert."

Stellungnahmen zu Wasserkraftwerk noch bis 4. Dezember möglich

Die Gemeinde Schneizlreuth wird ihre Stellungnahme am Mittwoch (30. Oktober) an das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde übermitteln. Noch bis 4. November liegen die Unterlagen zu dem geplanten Ausleitungskraftwerk im Schneizlreuther Bauamt aus. Danach haben alle Bürger noch einen Monat Zeit, ihre Stellungnahmen zu dem Projekt abzugeben. Am 4. Dezember wird die Gemeinde dann diese ans Landratsamt übermitteln.

"Im Rahmen eines wasserrechtlichen Bewilligungsverfahrens wird der Öffentlichkeit und den Trägern öffentlicher Belange die Möglichkeit gegeben, ihre Einwendungen geltend zu machen und bei einem Erörterungstermin vorzutragen. Lediglich über diejenigen Punkte, bei denen keine Einigung erzielt werden kann, entscheidet die zuständige Behörde. Darüber hinaus erfolgt aber selbstverständlich eine Prüfung der einschlägigen materiellen Rechtsvorschriften z.B. aus dem Wasserrecht, dem Naturschutzrecht oder dem Baurecht", heißt es aus dem Landratsamt.

Eine Genehmigung oder Ablehnung des Projektes Wasserkraftwerk an der Saalach ist demnach in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten. Projektinitiator Josef Reschen rechnet bei einer Genehmigung mit einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren.

cz

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