Begegnung mit Wen-Sinn Yang

„Ich bin gerne AlpenKlassik-Gastgeber“

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Bad Reichenhall/Salzburg - Ein spontanes Gespräch mit Wen-Sinn Yang, dem Celloprofessor und künstlerischen Leiter der Alpenklassik Summer School ergab sich in Salzburg kurzfristig vor Beginn der Reichenhaller Festwoche.

Yang befindet sich im Endspurt eines zweiwöchigen Unterrichtskurses an der Sommerakademie der Universität Mozarteum mit 17 Teilnehmern in der Celloklasse und etwa 70 Arbeitsstunden.

Ein kurzer Einblick in seinen Kurs zeigt ihn als faszinierenden energiegeladenen Lehrer und leidenschaftlichen Musiker. Pünktlich zum Start der AlpenKlassik kommt er nach Bad Reichenhall. Es gibt in diesem Jahr hier keine Cello-Klasse, aber Yang wird in den beiden Kammerkonzerten mitspielen, die Musiksalons im Hotel Axelmannstein moderieren und während der ganzen Woche anwesend sein: „Ich bin gerne auf der Bühne, bin gerne Gastgeber, kümmere mich um alle Details und Notwendigkeiten, aber neben der organisatorischen Präsenz würde mich zusätzliches Unterrichten überfordern“, bekennt er.

Neues Programm passend zu Meisterkursen – Schubertiade mit Katharina Konradi

Neu seien heuer die Klassen für Klarinette(Sabine Meyer und Reiner Wehle), Horn (Marie-Luise Neunecker) und Kontrabass (Nabil Shehata). Mit dieser Besetzung habe sich die Programmgestaltung der beiden Kammerkonzerte geradezu „aufgedrängt“.

„Schubert ist ein wunderbarer Komponist und es gibt diese beiden herrlichen Schubert-Lieder, einmal in der Kombination von Gesang mit Klarinette, 'Der Hirt auf dem Felsen', und einmal Gesang mit Horn, 'Auf dem Strom'“, begeistert sich Yang.

Für die „Schubertiade“ habe es sich ergeben, die junge Sopranistin Katharina Konradi, Preisträgerin des Wettbewerbes des deutschen Musikrats,als Gast haben zu können, um auf diese Weise mit dem Aspekt des Gesanges das Programm zu bereichern. Und durch die Präsenz des Kontrabasses biete sich natürlich das „Forellenquintett“ mit Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass und Klavier an.

Katharina Konradi 

„Zwar haben wir diesmal keinen Cello-Dozenten, aber dafür bin ich da und mache zusammen mit Christel Lee, Nils Mönkemeyer, Nabil Shahata und Antti Siirala das Quintett komplett, damit ich auch für etwas gut bin“, sagt Yang mit scherzhaftem Augenzwinkern.

Dazu passe hervorragend die Bearbeitung der deutschen Tänze von Bernd Redmann für Streichquintett und Zither (Georg Glasl). „Das ergibt ein lokales Kolorit zur Alpenregion, wovon ich mir viel Stimmung verspreche“, erläutert Yang.

Aufgrund der Besetzungsmöglichkeit liege es auf der Hand, im zweiten Kammerkonzert das Sextett für Klarinette, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Klavier C-Dur op.37 von Ernst von Dohnányi zu spielen. Dohnányi führe eine romantische Tonsprache, sein musikalische „Heimat“ sei Johannes Brahms.

Die besondere Instrumentenkombination, die sehr selten ist und für die es kaum andere Werke gebe, ermögliche viele Farben: am Beginn ein bedeutendes Cello-Arpeggio, richtig majestätische Themen und dazu ungarisches Kolorit.

Außerdem seien die vier Stücke für Kontrabass und Klavier von Reinhold Glière Albumblätter im spätromantischen Stil bester Tradition. Der Russe Glière sei ein Meister der kleinen Form, von Charakterstücken mit einfallsreichen Themen. Glière und Dohnanyi seien Epigonen, würden in ihrem Kompositionsstil 50 Jahre nachhinken, seien anfangs als sentimentale Romantiker belächelt worden, aber je mehr Zeit vergehe, umso mehr relativiere sich das und es zähle nur mehr das Ergebnis für den Zuhörer.

Preisträgerin Raphaela Gromes

Eine weitere Preisträgerin des Wettbewerbs des deutschen Musikrats ist die aus Freising stammende Cellistin Raphaela Gromes. „Ich bin sehr stolz, dass ich sie unterrichten darf. Sie ist eine wunderbare Begabung. Sie hat bei Sony Classical einen Vertrag bekommen und ihre erste CD heißt „Italienische Serenade“, verkündet Yang.

Raphaela Gromes

Im Kammerkonzert werde sie die Cellosonate von Giuseppe Martucci spielen, eines jener höchst seltenen Kammermusikwerke italienischer Komponisten des 19.Jahrhunderts, die meist nur der Oper zugeneigt waren.

„Es ist eine köstliche originelle spätromantische Mischung mit Anklängen an Richard Strauss, aber auch Puccini, mit viel Melos, Dramatik und gleichzeitig auch dem Belcantostil verbunden“, gerät Yang ins Schwärmen.

Abschließend sagt der künstlerische Leiter: „Wir freuen uns, dass die Stadt Bad Reichenhall sich zu diesem einmaligen Festival nach einigen Zweifeln bekannt hat und wir sind in der Planung für 2018 zum 150. Jubiläum des Orchesters bereits fortgeschritten und werden bald das Dozententeam vollständig zusammengestellt haben.

Interview: Elisabeth Aumiller

Pressemitteilung Bayerisches Staatsbad Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain 

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