Logisch: „Schleg(e)l-Mulden-Fanfare“ als Start

Reichenhaller Profi-Musiker bringt Corona-inspirierte CD mit Alphorn-Stücken heraus

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Profi-Musiker Robert Schlegl konzentriert während der CD-Aufnahme im Tonstudio Rehrl in Surheim.

Bad Reichenhall - „Das D bröselt immer noch ein wenig“, sagt Tonmeister Harry Rehrl und erntet von Profi-Musiker Robert Schlegl ein zustimmendes Nicken.

Kurz überlegt der Reichenhaller, wie er den Ton sauberer und als Übergang in den nächsten, lang anhaltenden Abschnitt flüssiger hinbekommen könnte. Ort des Geschehens: Surheim. Der Experte für historische Posaunen nimmt eine CD auf. Seltene Klänge durchfluten das selbstgebaute, optimal schallgeschützte Studio – jene eines Alphorns. Kein Laut dringt nach draußen und verrät, was sich hier, im Gewerbegebiet des Ortes, gerade abspielt. Die Szenerie hat etwas kurios Anmutendes: Denn ohne Corona-Krise würden die beiden Protagonisten an diesem grauen Mittwoch-Morgen wohl nicht gerade zusammenarbeiten.


Der Musiker „eröffnet“ mit der „Schlegel-Mulde“ – der Name ist Programm. Die „Predigtstuhl-Fanfare“ schließt die CD ab, macht sie rund. Drei Eigen-Kompositionen „presste“ Robert Schlegl auf den Tonträger, seine erste Solo-Aufnahme. Denn als Konzert-Posaunist dokumentieren bereits rund 70 digitale Werke sein umfangreiches Schaffen. Mit der jüngsten Aktion setzte der gebürtige Regensburger eine kurzerhand ins Leben gerufene Crowdfunding-Aktion erfolgreich um. Nach sechs Aufnahmetagen im Surheimer Tonstudio Rehrl waren elf Stücke von der „St. Pankraz“- bis zur „Hochstaufen“-Fanfare im Kasten, Laufzeit insgesamt 24 Minuten.

„Kratzige“ Töne? Kein Problem!

Das hochkonzentrierte Alphornblasen vor dem sensiblen Mikrofon inklusive geschultem Tonmeister-Gehör – Harry Rehrl gab sozusagen den Takt vor – verlangte Robert Schlegl viel ab: „Das ist schon sehr kraftraubend“, gibt der 43-Jährige zu. Darum spielt er bei einer Studio-Aufnahme, bei der alles perfekt sitzen sollte, kein Lied komplett in einem Stück durch. „Das wäre zu anstrengend.“ Die einzelnen Kompositionen werden „zerstückelt“ aufgenommen. Nach acht bis zwölf Takten folgt jeweils eine Zäsur, und die Sequenzen erfahren im Anschluss ihre Harmonie-Vereinigung. Somit kann ein Ton, den Schlegl möglicherweise einmal nicht ganz sauber getroffen hat – der also „kratzte“, wie er sagt – nachträglich einwandfrei gespielt und an der entsprechenden Stelle eingesetzt werden.


Tonmeister Harry Rehrl hört genau hin und „mischt“ die von Robert Schlegl gespielten Alphorn-Stücke perfekt zusammen.


Tonmeister Rehrl „bearbeitete“ die Aufnahmen und unterlegte den Instrumental-Stücken einen dem Alphorn angepassten Hintergrund – Hall beispielsweise. Und so hören sich die Aufnahmen an, als hätte Robert Schlegl nicht in einem Studio, sondern einer dem Instrument entsprechenden Location gespielt – auf einer Alm oder in einem engen Alpen-Bergtal. Teils sogar mit Echo. Einige Stücke nahm der Reichenhaller dreistimmig auf und verlieh seinem Projekt damit eine weitere, hochprofessionelle Ebene. Er hörte sich zum Abschluss alle Aufnahmen an und war zu 99 Prozent zufrieden: „Es gibt immer irgendwo etwas, dass ich hätte besser spielen können“. Das sei jedoch Jammern auf hohem Niveau. „Ich hatte ein bestimmtes Budget. Die Aufnahmezeit hatte ihre Grenzen.“ Mit dem Schnitt-Vorschlag von Harry Rehrl zeigte sich der Musiker einverstanden und segnete die Aufnahme ab.

Open Air-Auftritte etwas reduziert

In Karlsdorf in der Nähe von Bruchsal wurden schließlich 1000 CD‘s mit dem Titel „Heimat“ gepresst, Freunde halfen bei der Erstellung der nötigen Fotos und der Gestaltung des Tonträger-Covers. Ende dieser Woche erhält Musiker Robert Schlegl die Kartons mit den frischen Werken, die nun für zehn Euro pro Stück verkauft werden. Die CD-Idee entstand überhaupt erst, weil den Posaunisten aufgrund seiner Alphorn-Freiluft-Kurzkonzerte (wir berichteten) zur Corona-Zeit – vor allem vor der Kreisklinik – zahlreiche Anfragen erreichten: „Meine Zuhörer wollten wissen, ob es die Stücke auch anderweitig zu hören gibt“. Seine Auftritte hat er mittlerweile etwas reduziert: „Das wurde irgendwann ganz schön stressig, mittlerweile gibt ja kaum noch Neu-Infektionen bei uns. Darum spiele ich jetzt nur noch beim Hotel Alpina, jeden Abend gegen 19.30 Uhr.“ Schlegls Crowdfunding-Aktion nutzten jedoch zahlreiche „Fans“, ihn privat für „karitative Konzerte“ oder „Geburtstagsständchen“ zu buchen.

Als Robert Schlegl am 14. März dieses Jahres das erste Mal öffentlich und kostenfrei spielte, rechnete er nicht im Ansatz damit, dass Corona so lange dauert und sich seine Blitz-Auftritte derart verselbstständigen könnten: „Ich ging damals von ein, zwei, vielleicht drei Monaten aus. Aber nicht, dass bis Ende August alle meine geplanten und gebuchten Konzerte unmöglich sein würden“. Den Vater dreier noch kleiner Kinder traf und trifft die Virus-Krise moralisch wie finanziell schwer. Er ist selbstständig, mit kulturellen Einsätzen weltweit. „Ich bin darauf angewiesen, dass die Aufführungen stattfinden“, sagt er ein ganzes Stückweit frustriert. Aber die Sache nahm auch positive Entwicklungen: Anfang August wird es wohl ein Konzert mit der Reichenhaller Philharmonie geben, bei der ein Solo-Alphorn-Stück von Leopold Mozart zur Aufführung gebracht werden soll.

Hans-Joachim Bittner

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