Vorbereitung auf den Ernstfall im September

Reichenhaller Gebirgsjäger trainieren für UN-Mission in Mali

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Am Geländesandkasten weist der Zugführer seine Soldaten in das weitere Vorgehen ein.

Bad Reichenhall/Traunstein - Das Gebirgsjägerbataillon 231 stellt ab September den Leitverband für das 15. Deutsche Einsatzkontingent MINUSMA (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali). Knapp 150 Soldaten, gegliedert in vier Zügen, kommen dabei aus der 4. Kompanie.

Die Pressemitteilung im Wortlaut


Sie werden in Mali vorrangig zum Objektschutz eingesetzt werden. Seit Beginn des Jahres steht daher bei den Reichenhaller Jagern alles unter dem Zeichen der Einsatzvorbereitung. Diese Ausbildung mündet in der 22. Kalenderwoche in eine fordernde Kompaniegefechtsübung unter der Leitung des Bataillonskommandeurs, Oberstleutnant Dennis Jahn. Von Montag bis Freitag rotieren die Züge dabei zwischen drei Ausbildungsstationen.

Schnelle Reaktionskräfte für den Ernstfall

Für den Ernstfall wird im Einsatz ein Zug als „Schnelle Eingreiftruppe“ eingesetzt. Diese Kräfte haben den Auftrag, Tag und Nacht verfügbar zu sein, um jederzeit auf Vorfälle reagieren zu können. Schwerpunkt dieser Ausbildung ist der fahrzeuggebundene Marsch zum Ort des Geschehens. An dieser Ausbildungsstation wird das Verhalten bei einem technischen Defekt abgebildet. Die Züge müssen unterwegs an den Fahrzeugen Reifen wechseln, Gleitschutzketten anlegen oder die Antriebsache wechseln. Aufgrund der angenommenen Bedrohungslage ist dabei auch besonders das taktische Verständnis der Zug– und Gruppenführer gefragt. Bei hohem Koordinierungsaufwand müssen verschiedene Standardverfahren abgerufen und auf neue Lageänderungen reagiert werden.


Mit den Waffenanlagen der Gefechtsfahrzeuge sichert sich der Zug auch auf dem Marsch.


Vorgaben des Völkerrechts

Der UN Einsatz MINUSMA unterliegt einem langen Mandatierungsprozess. Die Soldaten sind in Mali an völkerrechtliche Vorgaben gebunden. Diese „Rules of Engagement“ regeln u.a. den Umgang mit Zivilisten und Feindkräften. Jeder Soldat muss diese Regeln kennen und sein Handeln danach ausrichten. An der Station zu den rechtlichen Regeln des Einsatzes werden die Züge in der Ausgangslage in eine Ortschaft versetzt und sollen Informationen von der Bevölkerung gewinnen. Während der Gesprächsaufklärung nähert sich eine zivile Person mit einer Waffe. Zunächst sollen die Soldaten den bewaffneten Zivilisten verbal konfrontieren, deeskalierend wirken und ein Warnschuss abgeben. Die Lage spitzt sich zu, der Zivilist eröffnet das Feuer und weitere Bewaffnete tauchen auf. In dieser Situation kommt es darauf an, den Feind zu bekämpfen, auszuweichen und unter Feinddruck Verwundete zu versorgen.

Bestmöglicher Schutz für unterwegs

Darüber hinaus ist es die Aufgabe der Soldaten, einen Konvoi während der Fahrt zu schützen. An der letzten Station üben sie intensiv diese Sicherung des Marsches. Minen, Sprengfallen und Hinterhalte stellen auch in Mali eine Bedrohung dar. Der Zugführer muss entscheiden, in welcher Reihenfolge die Fahrzeuge fahren. Jedem Soldaten ist ein Sicherungsbereich zugewiesen. Plötzlich kommt es während des Marsches zu einem Fahrzeugausfall. Überdies werden völlig unerwartet die Soldaten aus einem Hinterhalt angegriffen. Die Soldaten verlassen zügig ihre Fahrzeuge und nehmen den Feuerkampf auf. Verwundete werden versorgt und ihr Abtransport wird koordiniert. Genau in diesen Ausbildungssituationen werden die Grundlagen gelegt, um in wahren Bedrohungssituationen professionell reagieren zu können.

Auch den vom Fahrzeug abgesessenen Kampf müssen die Soldaten beherrschen.

Während dieser Übung erhalten die Züge wie im Einsatz ihre Aufträge von der Operationszentrale. Diese hält über Satellitenkommunikation Verbindung zu den Zügen. Die Züge bekommen dadurch aktuelle Informationen und üben zudem tägliche Lagemeldungen abzugeben. Das Gebirgsjägerbataillon 231 stellt neben den Objektschutzkräften auch das Personal für diese Operationszentrale im Einsatz. Fazit des Leitenden, Oberstleutnant Jahn: „Mit dieser Kompaniegefechtsübung konnten gleichzeitig die Einsatzzüge und die Kräfte der Operationszentrale erfolgreich ausgebildet und beübt werden und damit ein wichtiges Etappenziel im Rahmen der Einsatzvorbereitung erreicht werden. Die Einsatzkräfte des Gebirgsjägerbataillons 231 sind somit für die bevorstehende Abschlussübung im Gefechtsübungszentrum im Juli 2020 sehr gut vorbereitet.“

Pressemitteilung Gebirgsjäger Bad Reichenhall

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