Bundeswehrsoldaten setzen Maßstäbe im extremen Gebirgs- und Winterkampf

Gebirgsjäger auf Europas Dach

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Die Gebirgsjäger in der Seilschaft auf dem Gletscher.

Bad Reichenhall/Courmayeur - Etwa 80 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ nahmen an der Übung Eiskristall teil. Dabei handelte es sich vorrangig um die Hochgebirgsjägerzüge der Gebirgsjägerbataillone 231 aus Bad Reichenhall, 232 aus Bischofswiesen und 233 aus Mittenwald.

Vom 16. bis 27. Januar stellten sie nach einer Akklimatisierung auf dem Zugspitzplatt in Garmisch-Partenkirchen auf dem Gletscher des Mont Blanc ihre Fähigkeiten im Gebirgs- und Winterkampf unter Beweis.

Dabei verbrachten die Soldaten durchgängig die Tage und Nächte draußen bei frostigen Temperaturen von bis zu -25° C und eisigen Winden auf durchschnittlich 3.300 Meter über Null.

Besonderes Fähigkeitsprofil

Die Gebirgsjägerbrigade 23 verfügt über ein besonderes Fähigkeitsprofil, welches sie zum Kampf im schwierigen bis extremen Gelände, einschließlich großer Höhen und unter extremen Klima- und Wetterbedingungen befähigt.

Ziel der Übung Eiskristall war es, vor allem die Hochgebirgsjägerzüge der Gebirgsjägerbrigade 23 im Hochgebirge weiterzubilden und taktische Verfahren zu üben sowie die Ausrüstung unter extremen Bedingungen zu überprüfen.

Die Heeresbergführer und die Soldaten der Hochgebirgsjägerzüge zählen zu den Spezialisten im Gebirge. Bei ihnen handelt es sich um besonders ausgebildetes Personal, dessen Urteil für die Vorgehensweise der Truppe im Gebirge entscheidend ist.

Sie sind in der Regel körperlich besonders robust. Ihre Ausbildung befähigt sie zudem in besonderer Weise zum Leben, aber auch zum Kämpfen in Extremlagen.

Das Mont-Blanc-Massiv ist für Übungsvorhaben in hochalpinem Gelände und unter extremen Witterungsbedingungen bestens geeignet. Die niedrigen Temperaturen und das Höhenklima bringen Mensch und Material an die Grenze der Belastbarkeit.

Den Gebirgsjägern wurde nicht nur körperlich, sondern auch mental eine Menge abverlangt. Der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Alexander Sollfrank, war ebenfalls vor Ort. Er hob die Leistungen seiner Soldaten besonders hervor: „Eine Übung unter solchen extremen Bedingungen ist einzigartig. Die Soldaten haben eine enorme Leistung vollbracht und gezeigt, dass sie physisch und psychisch äußerst robust sind.

Vor allem die militärischen Führer haben ganze Arbeit geleistet. Neben der Erfüllung ihres Auftrages haben sie auch immer das Wohlergehen und die Fürsorge für ihre Soldaten im Blick gehabt – Eigenschaften, die einen guten militärischer Führer im Gebirge ausmachen.“

Eine zweckmäßige Ausrüstung ist für derartige Herausforderungen unentbehrlich. Ausgestattet mit dem Arktiksatz, welcher unter anderem persönliche Bekleidung und Ausstattung, wie beispielsweise einen für die Temperaturen geeigneten Schlafsack enthält, waren die Soldaten für die Übung gut gerüstet.

„Hochgebirge über 2.500 Meter, vergletschertes Gelände, Eis, Schnee, Dauerfrost, schneidender Wind und keine Anbindung an Infrastruktur – alles andere als lebensfreundlich.

Aber auch unter diesen extremen Umweltbedingungen müssen wir Gebirgsjäger bestehen und unsere Aufträge erfüllen. Das erfordert Gewöhnung, intensive Ausbildung, die Anpassung von im Tal bewährten taktischen Verfahren und belastbare Kenntnisse zur zweckmäßigen Nutzung unseres erstklassigen und funktionalen Materials“, so Oberstleutnant Björn-Ulrich Kohlbach, Kommandeur des in der Eiskristall-Übung federführenden Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233.

Mit straffem Programm gegen die Eiseskälte

Die Übung Eiskristall auf dem Glacier du Géant im italienisch-französischen Grenzgebiet wurde in zwei Phasen durchgeführt: Die erste Phase legte neben der körperlichen Gewöhnung an die Höhe und die Bedingungen auf einem Gletscher die Grundlagen nicht nur für das Überleben, sondern auch für den Erhalt der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit.

Das bedeutete für die Soldaten in erster Linie den systematischen Bau von Schneeunterkünften (Iglus und Schneehöhlen). Insbesondere nachts boten diese einen sehr guten Schutz vor der klirrenden Kälte und den teils starken Windböen.

Die zweite Phase baute darauf auf: Ausgehend von einem sicheren Rückzugsraum, einer sogenannten Operationsbasis, vertieften die Soldaten ihr Können in der Bergung aus Gletscherspalten, in der Verwundetenversorgung in großer Höhe und Kälte, in der Vorbereitung der Verteidigung sowie in der Seilschaft zur Aufklärung im winterlichen Hochgebirge.

Gebirgsspezialisten des Sanitätsunterstützungszentrums München leisteten eine unverzichtbare Unterstützung in der Weiterbildung der Soldaten und sorgten unter anderem auch für eine gut funktionierende Rettungskette.

Auch die Schule der italienischen Alpini in Aosta unterstützte das Vorhaben der Gebirgsjägerbrigade 23. Das positive Fazit von Oberstleutnant Kohlbach: „Unser Auftrag war es, die Hochgebirgsjägerzüge der Gebirgsjägerbrigade 23 im Hochgebirge weiterzubilden und taktische Verfahren sowie Ausrüstung unter extremen Bedingungen zu überprüfen. Dieses Ziel haben wir ohne dauerhafte Schäden beim eingesetzten Personal voll erreicht!

Die Erfahrungen und Erkenntnisse werden nun durch die Ausbildungsteilnehmer als Multiplikatoren in die Winterkampfausbildung aller Einheiten und Verbände der Gebirgsjägerbrigade 23 einfließen. Mit diesen Soldaten gehe ich in jeden Einsatz – egal wo und wann.“

Übung "Eiskristall" auf dem Glacier du Géant

Pressemeldung Florian Beckert / Pressestelle Gebirgsjägerbrigade 23

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