Stadtrat beschließt Sanierungsmaßnahmen für Altes Feuerwehrhaus

"Mir erscheint diese Maßnahme wie ein Schildbürgerstreich"

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Rathaus Bad Reichenhall
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Bad Reichenhall - Die Sanierung des Alten Feuerwehrhauses (VHS) war einer der Tagesordnungspunkte für die vergangene Stadtratssitzung. Über die hohen Kosten, die auf die Stadt zukommen, waren die Stadträte nicht wirklich begeistert:

Am 18. April 2017 wurden beim "Alten Feuerwehrhaus (VHS)" in Bad Reichenhall diverse Brandschutzmängel festgestellt. Außerdem sollen weitere Mängel beseitigt, bzw. die Technik modernisiert werden. Dazu gehören:

  • die Erneuerung der veralterten Elektroinstallationen
  • der Austausch, bzw. die Reparatur der defekten Bühnenbeleuchtung
  • die Ertüchtigung der Sicherheitsbeleuchtung und der Lüftungsanlagen
  • eine Datenverkabelung für die Seminarbereiche
  • eine erforderliche Erweiterung der Brandmeldeanlage sowie eine Erweiterung der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik
  • die Erneuerung der Dachfenster
  • die Demontage der Sprinkleranlage
  • die Errichtung einer Zutrittskontrolle

Außerdem hatten sich die Nutzer gewünscht, in zwei Seminarräumen die Böden zu sanieren und neue Schallschutzdecken zu montieren. 

Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 890.000 Euro, allerdings weist diese Kostenschätzung derzeit noch eine Ungenauigkeit von +/-20% auf. 

Kommen diese Zusatzkosten auch noch dazu?

Da laut der bayerischen Bauordnung alle Bereiche eines Gebäudes die öffentlich genutzt werden barrierefrei auszurüsten sind, wird außerdem angedacht, auch diese Maßnahme eventuell umzusetzen. Hierfür würden Kosten von circa 29.000 Euro brutto anfallen. Die gewünschte neu zu errichtende Lüftung mit Wärmetauschern in zwei Seminarräumen würde mit Zusatzkosten in Höhe von 37.000 Euro brutto zu Buche schlagen. Der Einsatz des Wärmetauschers würde energetische Vorteile bringen.

Im Rahmen der Arbeiten wird auch über eine Datenverkabelung der Seminarräume nachgedacht. Der Grund: Die bestehenden  EDV Dosen sind überwiegend vollständig belegt, es gibt keinen zentralen Netzwerkschrank und die Leitungen könnten im Rahmen der Erneuerungsmaßnahmen durch höherwertigere ersetzt werden. Außerdem ist seitens der Stabsstelle die Ausführung einer neuen Telefonanlage angedacht, die allerdings eine neue Verkabelung erfordern würde.

Arbeiten während des laufenden Betriebs

Die Maßnahmen können laut Bauamt während des laufenden Betriebs durchgeführt werden. Startschuss wäre August 2018, Fertigstellung im Jahr 2019.

Berücksichtigt man alle Punkte, so beliefe sich die zu veranschlagende Summe auf rund 974.000 Euro brutto. Da aktuell in den Haushalten für das Jahr 2018 lediglich 350.000 Euro veranschlagt wurden, müsste die Differenz im Verwaltungs- und Vermögenshaushalt 2019 veranschlagt werden und das Budget für Hochbau und Bauunterhalt dementsprechend erhöht werden.

"Es ist sicherlich eine ganz schöne Summe, die veranschlagt wurde, aber wir haben hier ein stark frequentiertes Haus und es ist wichtig, dass mit diesen Maßnahmen all diese erkennbaren Mängel abgestellt werden", so Oberbürgermeister Dr. Lackner.

"Wenn wir nur die Türen barrierefrei gestalten, aber nicht das restliche Gebäude, dann erscheint mir diese Maßnahme eher wie ein Schildbürgerstreich" kritisierte Gerhard Fuchs von der  FWG. Und Gerhard Schröter von der FDP warf ein: "Ich würde mich wundern, wenn wir für die Umsetzung der Barrierefreiheit nicht auch Fördermaßnahmen bekommen würden. Das sollten wir zunächst einmal prüfen."

Auch die angefragte Lüftung sorgte für rege Zwischenfragen: "Wer hat denn die neue Lüftung gefordert? Warum wird die gebraucht?", so Sebastian Renoth von der CSU und Michael Nürbauer von der Bürgerliste Bad Reichenhall / Die Grünen warf ein: "Man kann doch zum Lüften einfach das Fenster aufmachen?

Und Martin Schoberth von der CSU gab zu Bedenken: "Wir reden hier von den allernotwendigsten Maßnahmen. Womit müssen wir dann in den nächsten Jahren rechnen? Stehen wir in zwei Jahren vor weiteren Investitionen? Wir haben der Feuerwehr Karlstein aus finanziellen Gründen die Lüftung gestrichen und ich sehe hier auch keine Notwendigkeit".

Auch die hohen Kosten an sich wurden in Frage gestellt: "Das kostet ja fast eine Million! Wer schätzt denn diese Kosten? So alt ist das alte Feuerwehrhaus doch noch gar nicht. Es ist unvorstellbar, was das alles kosten soll", so Fritz Grübl von der FWG.

So hat sich der Stadtrat entschieden

Nach kurzer Diskussion hat sich der Stadtrat dazu entschlossen, dass 

  • die Verwaltung mit der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen in Höhe von 890.000 Euro beginnen soll und die Differenzsumme im Verwaltungs- und Vermögenshaushalt 2019 zu veranschlagen ist
  • die Maßnahmen für einen barrierefreien Umbau der Türen solange zurückgestellt werden bis geklärt ist, ob und wie das gesamte Gebäude barrierefrei gestaltet werden kann
  • der Wunsch, in zwei Seminarräumen eine Lüftung einzubauen nicht erfüllt wird
  • dass die Ertüchtigung der EDV- und Netzwerkverkabelung durchgeführt werden soll

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