Festival AlpenKlassik Bad Reichenhall

"Das Tüpfchen auf dem i" - Interview mit Sabine Meyer und Reiner Wehle

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Reiner Wehle (links) und Sabine Meyer, hier mit dem Präsidenten der Münchner Musikhochschule Bernd Redmann, kommen als Dozenten und konzertierende Künstler zur Summer School in der Festwoche Alpenklassik.

Bad Reichenhall - Die Klarinettistin Sabine Meyer gastiert in den großen Musikzentren und feiert Erfolge als Solistin mit mehr als 300 Orchestern im In- und Ausland. Sie hat den entscheidenden Beitrag geleistet, dass die Klarinette wieder als Soloinstrument auf die Konzertpodien zurückgekehrt ist.

Bei Herbert von Karajan war sie als erste Frau Soloklarinettistin der Berliner Philharmoniker, gab aber zugunsten ihrer Solokarriere bald die Orchesterlaufbahn auf. Achtmal wurde sie mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet.

Sabine Meyer und ihr Ehemann, der aus Kiel gebürtige Klarinettist Reiner Wehle, sind Professoren an der Hochschule für Musik in Lübeck. Sie werden als Dozenten zur International Summer School nach Bad Reichenhall kommen und sowohl im Eröffnungskonzert als auch in den beiden Kammerkonzerten als Solisten und Kammermusiker auftreten. Im Gespräch erläuterten sie ihre Arbeit mit den Studierenden.

Welche Bedeutung messen Sie aus Ihrer Sicht der Festwoche Alpenklassik bei? 

Wehle: Die Konzerte mit Orchester sowohl mit den Dozenten als auch mit den Kursteilnehmern sind auch für das Publikum eine herrliche Gelegenheit, die Studenten kennenzulernen, die Dozenten zu hören und sich Eindrücke von der Arbeit zu verschaffen.

Meyer: Ganz wichtig ist für mich auch die schöne Gegend, die Kulisse, die Möglichkeit zum Spazierengehen zur Entspannung. Es ist auch für uns eine gute Kombination, dieses Ambiente zusätzlich zur Arbeit genießen zu können. Ich finde es außerdem spannend und wichtig, dass auch Hobbymusiker und alle anderen Interessierten zum Zuhören kommen können.

Wir machen viel Pädagogisches und Handwerkliches. Es kann eventuell auch für einen Klarinettenlehrer interessant sein, zu sehen, wie wir das mit der Lockerheit, mit der Klangvorstellung erklären. Jeder, auch der Musikliebhaber, kann davon profitieren, wie man an ein Problem herangeht und wird vielleicht für sich etwas entdecken und erkennen. Wir unterrichten nicht trocken, sondern praxisbezogen.

Ist es anstrengend, den Unterricht mit eigenen Konzertauftritten zu kombinieren? 

Wehle: Ja es ist eine fordernde Kombination.

Meyer: Unterrichten ist sehr anstrengend, weil man jede Sekunde aufmerksam sein muss. Man gibt unglaublich viel.

Man sagt, das Unterrichten und die Konzert- oder Bühnenlaufbahn seien zwei unterschiedliche Berufe? Wie sehen Sie das? 

Wehle: Ja, es ist durchaus ein Unterschied. Es gibt große Künstler, die nicht erfolgreich unterrichten können oder auch große Lehrer, die nicht unbedingt Stars auf den Bühnen und Podien der Welt sind.

Meyer: Es ist individuell verschieden. Ich habe immer unterrichtet. Es hat mich mein ganzes Leben begleitet.

Wehle: Es ist eine große Freude, wenn man helfen kann. Man lebt mit den Entwicklungen der jungen Musiker mit. Wir sind nicht kalt und sagen nur, was wir wissen, gehen dann nach Hause und haben kein Interesse an den Leuten.

Meyer: Es muss Interesse von unserer Seite da sein, denn jeder ist ein anderer Typ und hat andere Schwierigkeiten. Es ist bei jedem eine andere Herangehensweise, nie der gleiche Weg, sondern ganz individuell je nach Persönlichkeit des Studenten, wie man mit ihm arbeitet und welche Schritte man unternimmt, um Ergebnisse zu erzielen.

Wehle: Wir hatten in den letzten Jahren 80 oder 100 Studenten und es waren keine zwei gleichen dabei.

Meyer: Das ist nie langweilig, wird nicht einfach abgespult, jedes Mal macht man es anders. Das ist das Spannende und man muss sich selbst Gedanken machen, wie kann ich dem jungen Musiker helfen, wie kommen wir gemeinsam voran.

Kann man in einer Woche etwas verändern?

Wehle: Ja, man kann eine Entwicklung anstoßen oder in die richtige Bahn lenken oder den Hinweis geben, was zu machen wäre. Hier werden die Studenten jeden Tag unterrichtet, nicht nur einmal pro Woche, wie in der Hochschule.

Meyer: Das Wichtigste ist, dass man den Studenten sagt, was nicht in Ordnung ist. Man fängt an, kleine Türen zu öffnen, wodurch sie erkennen, woran sie arbeiten müssen. Aber das ist nicht in zwei Unterrichtsstunden zu realisieren, wir können keine Wunder vollbringen.

Wehle: Viele wollen beim Kurs das Tüpfelchen auf dem i, kommen jedoch ohne i. Uns interessiert erst mal das i. Natürlich ist auch vielen das Renommee wichtig. Sie kommen zum Kurs und schreiben dann in ihre Vita, dass sie bei Sabine Meyer studiert haben.

Bringen Sie auch Ihre Lübecker Studenten mit?

Meyer: Nein, die bekommen bei uns genügend Unterricht.

Wehle: Das haben wir nie gemacht, die brauchen auch mal eine Pause von uns. Viele kommen, die sich für ein Studium interessieren. Der Kurs ist auch eine gute Gelegenheit, uns und unsere Unterrichtsweise kennenzulernen.

(Das Interview führte Elisabeth Aumiller).

Das gesamte Festival-Programm mit Orchester, Kammer- und Surprise-Konzerten finden Sie unter: www.bad-reichenhall.de Kartenvorverkauf : +49 (0)8651 606-0, E-Mail: vorverkauf@bad-reichenhall.de

Pressemitteilung Stadt Bad Reichenhall

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